Die Chronik der Kent-Familie - Band 5 - Die Titanen

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    • Die Chronik der Kent-Familie - Band 5 - Die Titanen

      Die Geschichte beginnt im Jahr 1860 kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges. Jephtha Kent hatte das Haus seiner Familie im Streit um die Haltung zur Sklaverei verlassen, nachdem er aufgrund entsprechender kritischer Äußerungen bereits aus dem Kirchendienst abgesetzt worden war. Seine Frau Fan, Tochter eines Sklavenhalters in Lexinton, VA, entfremdete daraufhin die Kinder Gideon, Matthew und Jeremiah systematisch von ihm.

      Nach Auffliegen seiner Mitwirkung an der Flucht einer Sklavin seines Schwiegervaters über die "Underground Railroad" musste Jephtha fliehen und kam in Washington, D.C. als örtlicher Reporter der Zeitung "New York Union" unter, die vom anderen Zweig der Kent-Familie geführt wurde. Anhand von Gesprächen mit Präsident Lincoln und Colonel Robert E. Lee erkannte Jephtha, dass das Land unausweichlich auf einen zerstörerischen Konflikt zusteuerte.

      Michael Boyle, Amanda Kent's fähiger Sekretär aus einfacher, irischer Abstammung und nach ihrem letzten Willen auch Vormund von Louis bis dessen Volljährigkeit, versuchte stets, Amanda's Zielstrebigkeit und gleichzeitige soziale Einstellung fortzuführen. So gelangte Jephtha durch seine Vermittlung in die Dienste des Familienunternehmens und beide Männer entwickelten ein gutes Verhältnis zueinander. Amanda's Sohn Louis hingegen tendierte zunehmend zu egoistischem Machtstreben.

      Nachdem Louis Amanda's komplettes Erbe von mehreren Millionen Dollar sowie die Leitung der New Yorker Tageszeitung und des Buchverlages Kent & Sohn in Boston übernommen hatte, führte er die Geschäfte mit harter Hand und ohne Amanda's sozialer Fürsorge. Er heiratete Julia Sedgwick, deren Familie gute Beziehungen zum Großinvestor Cornelius Vanderbildt unterhielt. Für sie ließ er in einem noblen Vorort von New York ein teures Anwesen errichten.

      Jephtha's ältester Sohn Gideon meldete sich bei Kriegsausbruch begeistert zur Südstaaten-Kavallerie in Richmond und wurde Lieutenant unter Jeb Stuart. Gleichzeitig verliebte er sich in die pazifistische Margaret Marble, deren Vater im Mexiko-Krieg verstümmelt worden war. Nach ersten grausamen Erfahrungen bei Manassas heiratete er sie, ließ sie dann aber wieder in Richmond zurück, wo sie im Mai 1862 seine Tochter Eleanor zur Welt brachte.

      Nachdem sich Fan von Jephtha hatte scheiden lassen, zog sie mit den Südstaaten-Schauspieler Edward Lamont von Stadt zu Stadt, den sie 1855 geheiratet hatte. So kam das Paar in der kritischen Zeit vor der Schlacht von Manassas auch nach Washington, wo Jephtha zunächst unter Einsatz seines Lebens Lamont vor Lynchjustiz rettete, dann aber erkannte, dass dieser ihm weiterhin nach dem Leben trachtete. So konnte er sich in Baltimore nur in letzter Sekunde vor einem Anschlag retten.

      Als Reporter bei Manassas anwesend, geriet Jephtha in konföderierte Gefangenschaft und wurde nach Richmond gebracht. Gideon erfuhr hiervon und konnte verhindern, dass der fanatische Edmond Lamont seinen Vater schließlich doch noch töten konnte. Lamont starb dabei durch Fenstersturz und Gideon begleitete Jephtha zu den Linien vor Washington zurück, was die Beziehung von Vater und Sohn wieder normalisierte.

      Louis Kent ließ zunehmend jede Moral in seinen Geschäftspraktiken vermissen. Als er verbotene Geschäfte mit den Südstaaten aufbauen wollte, versagten ihm sogar die drei Mitverwalter des Familienerbes (Michael Boyle, der Chef seiner Hausbank Rothman, sowie Amanda's Goldminen-Verwalter aus Kalifornien) die Gefolgschaft. Louis' gelangweilte Frau Julia dagegen suchte das Abenteuer und machte sich an Michael Boyle heran. Nachdem dieser schließlich darauf einging, musste er vor Louis untertauchen und verpflichtete sich zum Kriegsdienst.

      Gideon's Bruder Matthew heuerte kurz vor Kriegsbeginn auf einem Baumwolltransporter an, der dann als Blockadebrecher eingesetzt wurde. Auch wenn er damit gelegentlich in Gefahr geriet, hatte er doch Muße, sein außergewöhnliches Talent als Zeichner zu pflegen. Jeremiah, Gideon's letzter Bruder, war noch zu jung für den Kriegsdienst und begleitete seine Mutter auf die Theater-Tournee des Stiefvaters.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Meine Einschätzung:

      Mit dem Beginn des 5. Romans im Jahr 1860 hat John Jakes die lange Eskalation der beiden Landeshälften hin zur Sezession übersprungen, aber nicht ohne die wichtigsten Punkte dieser Entwicklung in Rückblicken anzusprechen.

      Carter Kent ist inzwischen volljährig und hat das Familienvermögen sowie die Leitung der Druckerei Kent & Son und des Zeitungsverlages übernommen. Er zeigt hierbei ein menschenverachtendes Wesen, nutzt Angestellte gnadenlos aus und zielt einzig und allein auf die Vermehrung von persönlicher Macht und Einfluss ab.

      Für seine Frau Julia Sedgwick, Tochter aus gutem Hause mit Kontakten zum großen Geldadel, baut er ein Palast-ähnliches Anwesen außerhalb von New York. Aber er wird ihrer bald überdrüssig und bedient sich gelegentlicher käuftlicher Liebe. Auch seinen Sohn Carter, der 1862 zur Welt kommt, überlässt er ganz seiner Frau.

      Amanda hatte in ihrem Testament festgelegt, dass ihr Sekretär Michael Boyle, den sie aus den Slums von New York geholt und ihm eine gute Existenz ermöglich hatte, zunächst das Familienerbe verwalten und nach dem Übergang auf Louis einen Geschäftsführerposten bei der Zeitung behalten sollte. Louis verachtet Michael wegen dessen irischer Abstammung, aber auch wegen Michael's Bemühen, die soziale Kompetenz von Amanda fortzuführen. So war es Michael, der Jephtha Kent unter Vertrag nahm, der vor den Sklavenjägern nach Washington geflohen war.

      Von Jephtha's drei Söhnen spielt nur Gideon in diesem Band eine größere Rolle. Wie viele junge Männer geht er den Krieg als großes, spannendes Abendteuer. Selbst Margret, die durch das Leiden ihres verstümmelten Vaters die Grauen des Krieges bereits täglich vor Augen hat, kann ihn nicht davon abbringen. Das besorgt dann der Krieg selbst. Aber Gideon bleibt dennoch treu zur Fahne und zu seinem Heimatstaat.

      In dieser Episode zeigen sich ein paar interessante Parallelen zur Figur und den Erlebnissen von Gideon zur späteren Romanreihe "Fackeln im Sturm", dort zur Figur des Charles Main. Beide jungen Männer werden zu Kavalleristen, was ihnen im Laufe der Geschichte die größtmögliche Bewegungsfreiheit gibt. Ein einfacher Infanteriesoldat wären sie unter tausenden gleichartiger Kameraden nur zu Fuß unterwegs und könnten alleine kaum nennenswert aus der Masse hervortreten.

      Beide Figuren sind Offiziere. Bei Charles Main ist das folgerichtig, nachdem er vor dem Krieg eine entsprechende Ausbildung absolviert hat. Der unbedarfte Gideon Kent wird über das im Süden übliche System, bei dem die Männer einer Einheit selbst ihre Offiziere wählen, zunächst zum 2. Lieutenant, durch Ausfall der jeweiligen Vorgesetzten später rasch zum 1. Lieutenant, Captain und schließlich Major. Mit diesen Rängen kann er auch für bestimmte Einzelaufgaben eingesetzt werden und sich im Zuge dessen von der Truppe entfernen.

      Und hier tritt die dritte Parallele auf. Gideon Kent stößt zufällig auf eine einsame Farm in Virginia und geht dazwischen, als zwei Nordstaaten-Reiter Ida Cullen, die attraktive Witwe eines älteren Farmers missbrauchen wollen. Bis hierher deckt sich die Geschichte so exakt mit der Variante von Charles Main und Augusta Barclay, dass man getrost sagen kann, dass John Jakes hier bei sich selbst abgeschrieben hat. Anders als bei Charles Main ist es für Gideon jedoch eine einmalige Sache.

      Neben zahlreichen historischen Figuren, die mal mehr und mal weniger eingehend beschrieben werden, hat auch die konföderierte Spionen Rose Greenhow ihren Platz. Ihre Beschreibung erinnert den Leser an John Jakes' Roman "Mut der Sehnsucht", in dem er in bekannter Weise fiktive Handlungen in die historische Geheimdiensttätigkeit des Bürgerkrieges eingebettet hat. Auch Allen Pinkerton, der im letztgenannten Roman eine prominente Rolle einnimmt, wird hier nicht vergessen.

      Die Schlacht von Manassas nimmt Gideon nicht nur die Illusionen vom schnellen, spielerischen Sieg, sondern legt auch die Basis für die spätere Wiedervereinigung der Familie. Seine Mutter hatte zu verstehen begonnen, dass ihr neuer Ehemann, der Schauspieler Edmond Lamont ein Fanatiker war, der trotz gegenteiliger Versprechen weiterhin Jephtha nach dem Leben trachtete, um das Vermögen aus der Goldmine der Konföderation zukommen zu lassen. Gideon, der sich zufällig bei ihr in Richmond aufhielt, als Jephtha in derselben Stadt gefangen gehalten wurde, spürt dies und verhindert den feigen Mord in letzter Minute.

      Nachdem zuvor in Washington selbst Präsident Lincoln persönlich in Erscheinung getreten ist, indem Jephtha ein Interview mit ihm führte, ist es nun der Präsident der anderen Seite, Jefferson Davis, der sich von seiner gerechten Seite zeigen kann. Er lässt Gideon zu sich kommen, schlägt die Anzeige gegen ihn wegen dessen Angriff auf die Wachen von Jephtha's Gefängnis nieder, begnadigt Jephtha und beauftragt Gideon, seinen Vater bis zur Frontlinie vor Washington zu bringen. Auf diesem Weg können sich Vater und Sohn endlich aussprechen, und der Kontakt zwischen ihnen sollte nicht mehr abreißen.

      Louis Kent wird zunehmend zum skrupellosen Geschäftsmann. Sein neuester Plan ist, mit einer Baumwollhandelsfirma in New Orleans profitable Geschäfte zu machen. Der Versuch, seine drei wichtigsten Mitwisser zu Partnern dieses Geschäfts zu machen, scheitert an deren Abscheu vor Louis' Skrupellosigkeit. Zudem sind Geschäfte mit dem Feind vom Gesetz her streng verboten. Michael Boyle taucht in der Armee unter, die farbige Goldminenverwalter aus Kalifornien kündigt und lässt sich auszahlen, und der Geschäftsführer der Hausbank Rothmann beendet seine Tätigkeit als Finanzberater für Louis.

      John Jakes beginnt bereits in diesem Band, die Entwicklung der Stadt New York City zur allgemeinen Metropole aufzuzeigen. So beschreibt er die immer dichter und höher werdende Bebauung im Zentrum, die Ausweitung der Stadt nach Norden in die neuen Nobelvierten an der 5th Avenue, den zunehmenden Straßenverkehr, aber auch neue gesellschaftliche Höhepunkte wie den Kostümball von Mrs. Caroline Astor. All dies wird in den nachfolgenden Büchern kontinuierlich fortgeführt.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr