Die Chronik der Kent-Familie - Band 4 - Die Rache

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    • Die Chronik der Kent-Familie - Band 4 - Die Rache

      Die Geschichte beginnt im März 1836 während der Schlacht von Alamo in Texas, 22 Jahre nach den letzten Ereignissen des vorigen Buches. Amanda Kent, Tochter von Gilbert und Harriet Kent, war unter den Frauen und Kindern, die das aufkommende Massaker überleben sollten.

      Nach diesem Kampf lehnte sie die Unterwerfung unter den mexikanischen General Santa Anna als Bedingung einer Amnestie ab. Sie wurde daraufhin dem mexikanischen Offizier Major Luis Cordoba als Soldatenfrau zugeteilt, einer Art Magd für alle Bedürfnisse und Wünsche ihres Herren. Doch Cordoba ging zuvorkommend mit ihr um, während sie ihm den Haushalt bei der Armee führte, und sie verliebten sich ineinander. Amanda lebte mit ihm nur wenige Monte, bis Cordoba in der Schlacht von San Jacinto fiel und Texas befreit war. Im Januar 1837 brachte Amanda Cordoba's Sohn zur Welt und nannte ihn nach seinem Vater, jedoch in englischer Schreibweise, Louis.

      Nach der texanischen Rebellion verließ Amanda den Staat und ging nach San Francisco, das zu jener Zeit noch Yerba Buena hieß. Dort baute sie eine kleine aber profitable Taverne auf. Sie verliebte sich in Barton McGill, einem Schiffs-Kapitän, und durch seine regelmäßigen Fahrten nach New York erfuhr sie, dass der Verlag Kent & Son weiterhin existierte.

      Das Unternehmen war früher im Besitz ihres Vaters gewesen, dann jedoch am Würfeltisch von ihrem Stiefvater an Hamilton Stovall verspielt worden. McGill sagte ihr, dass Stovall noch immer der Besitzer war, und von diesem Moment an war Amanda besessen davon, die Firma zurückzuerwerben. Goldfunde in Kalifornien steuerten ihr einen Teil der erforderlichen Mittel bei.

      Als der Goldrausch begann, baute Amanda ihre Taverne zu einem Hotel aus, und nachdem so viele Menschen auf der Suche nach Gold in die Stadt kamen, warf ihre Einrichtung gute Gewinne ab. Jared Kent, Amanda's Cousin, war unter den vielen Goldsuchern. Zusammen mit zwei Partnern fand er eine profitable Goldader. Amanda hatte ihn 34 Jahre lang nicht gesehen, aber sie wurden überraschend wiedervereinigt, wenn auch nur für kurze Zeit. Männer mit Abneigungen gegen Einwanderer wollten Amanda töten, insbesondere da sie einen Farbigen in ihrer Einrichtung beschäftigte. Aber ein feiger, schlecht gezielter Schuss tötete Jared anstelle von Amanda.

      Amanda trat für Jared als Partner an der Goldmine ein, und mit dieser finanziellen Ausstattung kehrte sie nach Boston zurück, um ihren Anspruch auf den Kent & Son-Verlag geltend zu machen. Dort erfuhr sie, dass ihr Vater heimlich kurz vor seinem Tod in eine Textilfabrik in Rhode Island investiert hatte. Aus diesen Gewinnen zur Millionärin geworden, steckte sie dieses Geld in den Rückkauf von Kent & Son. Amanda benutzte ihren Ehenamen de la Gura aus der Zeit vor dem Kampf um Alamo, da sie mit Stovall's Ablehnung rechnete, wenn sie sich als eine Kent zu erkennen gab. Aber als sie unvorsichtigerweise durchblicken ließ, dass sie liberalere Literatur zu veröffentlichen plante, sperrte sich Stovall gegen den Verkauf. Amanda ließ sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen und begann heimlich, Firmenanteile aufzukaufen in dem Versuch, zur Mehrheitseignerin zu werden.

      Jared hatte mit einer Indianerin im Oregon-Territorium den Sohn Jephtha bekommen. Jared hätte es gerne gesehen, wenn dieser bei ihm im Westen geblieben wäre, aber Jephtha zog als Methodisten-Pfarrer nach Lexington, Virginia. Obwohl er nun in einem Südstaat lebte, entwickelte er moralische Ablehnung zur Sklaverei und wurde Mitwirkender in der "Underground Railroad". Er versandte eine Sklavin aus dem Besitz seines Schwiegervaters in einer hölzernen Kiste an Amanda in New York, wo diese mittlerweile wohnte, und so wurde auch Amanda ungewollt hineingezogen.

      Amanda war gegen das Sklavenflüchtlingsgesetz, aber bislang hatte sie dessen Einhaltung vertreten weil es sich um geltendes Recht handelte. Trotzdem unterstützte sie ihren Cousin. Als Jephtha's Schwiegervater Amanda in ihrem Haus aufsuchte und nach seiner Sklavin fahndete, hielt Amanda diese versteckt. Dann schleuste sie die Geflohene in der Verkleidung eines anderen Gastes aus ihrem Haus.

      Dieses Ereignis wurde in der Zeitung abgedruckt und enthüllte ungewollt Amanda's Verwandschaft als Jephtha's Cousine. Als Stovall den Bericht las, blockierte er Amanda im Erwerb der Mehrheitsanteile an Kent & Son, suchte sie persönlich auf und drohte, ihr Leben und das ihres Sohnes zu ruinieren.

      Während dieser Unterredung drangen irische Vandalen in Amanda's Haus ein, um die Vergewaltigung eines irischen Dienstmädchens von Amanda durch ihren Sohn Louis zu rächen. Auf der Flucht schlug Stovall Louis bewusstlos. Im Glauben, er hätte ihren Sohn getötet, erschoss Amanda Stovall, woraufhin einer der Vandalen auf Amanda schoss. Sie lebte noch 17 Tage, lange genug um zu erfahren, dass Stovall's Erben Kent & Son an ihre Familie zu verkaufen bereit waren.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Meine Bewertung:

      Das besiedelte Gebiet von Amerika dehnte sich seinerzeit geradezu rasant aus. Deshalb hatte es der Autor John Jakes rein räumlich schwer, die Protagonisten der Familie Kent an den Schauplätzen wichtiger historischer Ereignisse mitwirken zu lassen. Die völlige Entwurzelung von Jared und Amanda halfen ihm dabei.

      Amanda findet ihren Weg über die Indianer, dem texanischen Kampf von Alamo bis zur Unabhängigkeit 1836, und dem ausbrechenden Goldrausch in Kalifornien in den 1840er Jahren, schließlich zurück an die Ostküste. Auch ist sie es, die erstmals nach mehreren Jahrzehnten die Verbindung der beiden Familienzweige wiederherstellt. Durch die Erfahrungen ihres Lebens ist sie eine prinzipien- und willensstarke Frau geworden, die aber nie den Sinn für Ehrsamkeit und Fürsorge verloren hat.

      John Jakes muss diese gewaltingen Sprünge über Raum und Zeit mit der Figur von Amanda vollführen, um die genannten einschneidenden Ereignisse berücksichtigen zu können. Hierbei arbeitet er noch weitere Entwicklungen ein, die größtenteils erst später ihre volle Größe entfalten werden. Als Beispiel sei der Konflikt der Südstaatler mit freien Farbigen genannt, hier vertreten durch Amanda's Freund, einen Seefahrts-Kapitän aus South Carolina, und einem entlaufenen Sklaven, der für Amanda arbeitet.

      Aus ihrer kurzen Verbindung mit einen mexikanischen Offizier bringt Amanda ihr einziges Kind Louis in den Kent'schen Stammbaum ein, der durch seine leichte Latino-Erscheinung eine neue Facette setzt.

      Jared hingegen verschlägt es nach Jahren als Trapper und Pelzhändler in den äußersten Nordwesten, wo er sich im Oregon-Territorium erfolglos als Fermer versucht. Auch er setzt neue kulturelle Akzente, indem er eine Indianerin heiratet und mit ihr den Sohn Jephtha bekommt. Die Indianerin stirbt früh, und Jared verliert sein Leben kurz nach dem unerwarteten Wiedersehen mit seiner Cousine Amanda.

      Amanda - und durch sie die Bostoner Linie der Kent-Familie - bündelt nun den gesamten Wohlstand der Familie, indem sie mehrere Millionen Dollar aus Geschäftsanteilen ihres verstorbenen Vaters erbt und den Teil der Goldmine verwaltet, der eigentlich Jephtha als Jared's Sohn zusteht. Schließlich gelingt es ihr noch, die Firma Kent & Sohn wieder in den Familienbesitz zu bringen. Es ist schon erstaublich, wie rasch sich Amanda von einer Person aus der Wildnis und ohne nennenswerte Bildung zur knallharten Geschäftsfrau entwickeln kann.

      Die andere Linie der Familie hingegen lebt in selbstgewählter Bescheidenheit. Jephtha hat sich dem Glauben zugewandt und zieht es vor, als Prediger den Reichtum der Familie nicht anzutasten. Der Zufall verschlägt ihn nach Lexington in Virginia, wo er heiratet und drei Söhne bekommt. Doch im immer schärfer werdenden Konflikt um Fragen wie der zur Sklaverei stellt er sich gegen die Werte, für die sein Heimatstaat eintritt. So verliert er seine Arbeit, wird von der Familie verstoßen und muss schließlich nach Norden fliehen.

      John Jakes zeichnet den Werdegang von Jephtha Kent nur ansatzweise nach, indem er Einträge aus dessen Tagebuch zitiert. Hierüber bekommt der Leser nicht nur Jephtha's Gewissenkonflikte und das Zerbrechen seiner häuslichen Idylle mit, sondern auch zahlreiche andere Entwicklungen mit, insbesondere zwischen Nord und Süd auf dem Weg hin zum großen Bürgerkrieg, der die Nation die nächsten Jahre spalten und beherrschen wird.

      Durch die hohe Sterblichkeitsrate und die untypisch wenigen Nachkommen in der Familie Kent zeichnet sich ihr recht dünner Stammbaum am Ende dieses Buches wie folgt ab: Amanda, in New York bei einem Überfall verstorben, hinterlässt nur ihren noch minderjährigen Sohn Louis, betreut von ihrem früheren Sekretär Michael Boyle. Jephtha lebt ohne seine Familie, verstoßen und entfremdet von seinen drei noch jugendlichen Söhne Gideon, Matthew und Jeremiah. Und der heraufziehende Bürgerkrieg sollte eine friedliche Wiedervereinigung der Familienteile noch weiter verzögern.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr