Die Chronik der Kent-Familie - Band 3 - Die Pioniere

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Die Chronik der Kent-Familie - Band 3 - Die Pioniere

      Die Geschichte beginnt 1794, kurz vor der Schlacht von Fallen Timbers im Nordwest-Territorium. Abraham Kent, der Sohn von Philip und Anne Ware Kent, war der American Legion beigetreten, die die Siedler in den neuen Nordwest-Territorien vor der Gefahr durch Indianer schützen sollte. Abraham war an einem Kavallerieangriff beteiligt, der später die "Schlacht von Fallen Timbers" genannt werden sollte, verpasste aber eine Chance, den Häuptling Tecumseh zu töten.

      Sein Vater Philip Kent war als Unternehmer des Verlages Kent & Son in Boston zu Wohlstand gekommen und wünschte, dass ihm Abraham in das Familienunternehmen nachfolgte. Aber Abraham war nicht an diesem Gewerbe interessiert und hatte auch sonst noch keine Pläne für seine eigene Zukunft. Auch politisch wichen die Haltungen von Vater und Sohn voneinander ab. Philip unterstützte die Föderalisten, eine Partei mit Hang zu städtischen Industriellen, Abraham dagegen lehnte die Kontrolle durch eine wohlhabende Oberschicht ab.

      Abraham verliebte sich in Elizabeth Fletcher, seine Stiefschwester und Tochter von Judson Fletcher und Peggy McLean Kent. Philip hatte Peggy nach dem Tod seiner ersten Frau geheiratet, aber Elizabeth nie als seine eigene Tochter adoptiert. Elizabeth lehnte Philip deshalb als Stiefvater ab und sträubte sich, unter seinen konservativen Wertvorstellungen zu leben.

      Im gemeinsamen Interesse, dem Elternhaus und der Stadt Boston zu entkommen, heirateten Abraham und Elizabeth und planten ein neues Leben im Nordwest-Territorium. Sie erwarben eine Landparzelle am Great Miami-Fluss nahe Fort Hamilton, auch wenn Abraham befürchtete, dass seine junge Frau für die Reise zu zart sein könnte. Erschwerend kam hinzu, dass Elizabeth schwanger war, aber sie verlor das Kind, als ihr Boot auf dem Ohio-Fluss auf einen Felsen fuhr.

      Auf ihrem Stück Land abgekommen, befolgte Abraham den früheren Rat von Thomas Jefferson und begann, Getreide anzubauen. Ihr Sohn Jared kam dort zur Welt. Aber selbst nach zwei Jahren war Elizabeth nicht zufriedener geworden als seinerzeit unter dem Dach von Philip Kent in Boston.

      Da er seine Frau nicht länger in ihrem Kummer sehen wollte, beschloss Abraham, die Farm zu verkaufen und in eine zivilisiertere Gegend zu ziehen. Diese Nachricht schien Elizabeth's Laune zu heben. Aber kurz vor ihrem Umzug kamen zwei Shawnee-Indianer auf der Suche nach Whiskey vorbei. In dem Versuch, sie zu vetreiben, tötete Abraham einen von ihnen, der andere jedoch erschoss Elizabeth. Verzweifelt gab Abraham die Farm auf und machte sich mit Jared auf den Weg zurück nach Boston, um dort zu erfahren, dass sein Vater kürzlich verstorben war.

      Gilbert Kent, der Sohn von Philip und seiner zweiten Frau Peggy, übernahm nach dem Tod seines Vaters die Kontrolle über Kent & Son. Er gab Abraham dort einen Job, aber sein Stiefbruder störte den Betrieb zunehmend durch Trunkenheit. Gilbert arrangierte Abraham's Teilnahme an der Expedition von Lewis und Clark, jedoch sagte Abraham dies ab, da er sich von einer Prostituierten angesteckt hatte.

      Als Gilbert Abraham schließlich aus dem Haus verwies, versuchte dieser, seinen Sohn Jared mitzunehmen, was Gilbert's Frau Harriet jedoch verhinderte. Abraham stieß sie die Treppe hinab, und Harriet erlitt eine Frühgeburt. Nach heftigem Kampf verließ Abraham das Haus ohne seinen Sohn, und Harriet brachte die Tochter Amanda zur Welt.

      Jared Kent sah seinen Vater hiernach nie wieder. Er wuchs bei Gilbert und Harriet auf, wobei Harriet ihn ablehnte und grausam hart behandelte. Nach Ausbruch des Krieges von 1812 ging Jared zur U.S.-Marine und diente an Bord der "U.S.S. Constitution". Am 19.07.1812 war er in der Seeschlacht gegen die britische "H.M.S. Guerriere". Während dieser Schlacht setzte sich Jared gegen die Grausamkeiten von Lieutenant Hamilton Stovall zur Wehr, der zuvor vergeblich Sex von Jared gefordert hatte.

      Später in diesem Jahr hatte Gilbert Kent einen Zusammenbruch und starb, woraufhin Harriet bald wieder heiratete. Ihr zweiter Mann, Andrew Piggot, schien ein geeigneter Partner für ihre Ansprüche zu sein, aber dies war eine Täuschung. Er war ein spielsüchtiger Hochstapler und verlor die gesamte Firma Kent & Son in einem Würfelspiel an Hamilton Stovall, was sich später als Rache von Stovall an der Familie Kent wegen Jared's Zurückweisung herausstellen sollte.

      In seinem Wutanfall auf diese Nachricht legte Jared Feuer im Verlag und versuchte, Stovall zu töten, traf jedoch seinen Begleiter. Im Glauben, den Mann getötet zu haben, floh Jared mit seiner Cousine Amanda aus der Stadt, nachdem deren Mutter Harriet am gleichen Tage von einer Kutsche tödlich verletzt worden war und Amanda somit eine Waise war.

      Ohne bestimmtes Ziel vor Augen reisten die beiden jungen Leute nach Pittsburgh. Dort entdeckte Jared New Orleans als Ziel, aber er kam vom Weg ab. Nahe Nashville in Tennessee wurde Amanda von William Blackthorn vergewaltigt und verschleppt. Von Blackthorn schwer verwundet, musste sich Jared einige Zeit lang auf der Plantage "The Hermitage" erholen, dem Wohnsitz von Andrew Jackson. Jackson holte Erkundigungen über Blackthorn ein und erfuhr, dass dieser nach St. Louis gesehen wurde. Jared folgte ihm, fand ihn in einem Bordell und erschoss ihn. Mit seinen letzten Worten verriet Blackthorn, dass er Amanda an Pelzhändler verkauft hatte, die den Missouri-Fluss hinauf zogen.

      Jared musste wegen Störung der öffentlichen Ordnung 90 Tage im Gefängnis verbringen. Dort besuchte ihn Elijah Weatherby, der Blackthorn's Tod mitangesehen hatte von vom jungen Mann beeindruckt war. Er war auf der Suche nach einem Partner für seinen Weg als Händler in das Land der Indianer. Im Gegenzug für Jared's Dienste als neuer Begleiter würde er ihn bei seiner Suche nach Amanda helfen. Jared nahm dieses Angebot an.

      Die Geschichte endet ohne dass sich Jared und Amanda wieder begegnen. Aber der Leser wird später erfahren, dass Amanda überlebt hatte und von den Pelzhändlern an einen Indianer weiterverkauft worden war.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Meine Bewertung:

      Das nächste große Kapitel in der Entwicklung der Vereinigten Staaten war die Erweiterung ihres Gebietes nach Nordosten in die späteren Bundesstaaten Ohio, Indiana und Illinois. Philip Kent, inzwischen ein Mann zwischen 40 und 50 Jahren, konnte hieran nicht teilhaben, auch da er als Unternehmer an der Ostküste sesshaft geworden war. Sein Sohn Abraham dagegen, aufgewachsen in guten Verhältnissen und durch Bildung mit freiem Gedankengut versehen, war hierfür besser geeignet.

      Auf der Suche nach einer eigenen Bestimmung lernte Abraham die unberührten Territorien kennen und auch schätzen, sodass er später dorthin zurückkehren wird. Zuvor aber ließ sein Vater nichts unversucht, um ihn doch noch als Nachfolger in die eigene Firma zu bringen. So unternahm die Familie eine ausgedehnte Reise bis hinunter nach Virginia und besuchte zahlreiche bedeutsame Orte und Personen.

      Mit dieser Reise hat der Autor John Jakes die Möglichkeit, die historischen Ereignisse der zwanzig Jahre aufzuarbeiten, die seit Ende des letzten Buches verstrichen waren. George Washington war nun Präsident der unabhängigen Nation, Thomas Jefferson sein designierter Nachfolger. England jedoch versuchte weiterhin, den Friedensvertrag von 1783 zu brechen, drang in die amerikanischen Nordwest-Territorien vor und wiegelte die Indianer auf.

      Gerade Jefferson's Haltung zur Gleichheit aller Bürger und gegen die Lenkung durch eine zwar demokratische aber dennoch elitäre Schicht fiel bei Abraham auf fruchtbaren Boden und ebnete seinen Entschluss, im Westen ein selbstbestimmtes neues Leben zu versuchen. In seiner Haltung gegen den eigenen Vater fand er in Elizabeth eine Verbündete und heiratete sie.

      Elizabeth war aber zeitweise ein schwieriger Charakter. Sie entstammte der Vergewaltigung ihrer Mutter durch den Südstaatler Judson Fletcher, was sie aber nie erfuhr. Aber ihr Aufbegehren gegen den Stiefvater Philip Kent wurde stets als Erbe des jähzornigen Charakters ihres leiblichen Vaters abgetan, dem sogenannten "Fletcher-Blut". Trotz ihrer ansonsten auch wenig robusten körperlichen Verfassung nahm sie deshalb die Strapazen der Reise in den Westen auf sich.

      Aber sowohl Abraham als auch Elizabeth hatten sich in Boston keine Vorstellung davon machen können, wie hart das Leben als unbedarfte Neu-Siedler im Westen sein konnte. Zwar wurde ihr Sohn Jared dort geboren, aber die kleine Familie konnte nur durch die Unterstützung von Freunden überleben.

      Der plötzliche Tod von Elizabeth bei einem Indianerüberfall warf Abraham dann endgültig aus der Bahn. Zwar kehrte er mit Jared nach Boston zurück, aber unter dem betäubenden Einfluss von Alkohol fand er nicht mehr in das bürgerliche Leben zurück. Untypisch für die Figuren der Romanreihe verschwand Abraham einfach von der Bildfläche. Zwar wurde nach ihm gesucht, aber er blieb verschwunden - abgesehen von einer kleinen Begegnung mit Jared 10 Jahre später, bei der sie sich aber gegenseitig nicht erkannten.

      Wieviel Bedeutung John Jakes in die Vererbung von körperlichen und charakterlichen Eigenschaften legt, zeigt sich auch an Philip Kent's zweitem Sohn Gilbert. Dieser hatte einerseits den unternehmerischen Geist des Vaters geerbt, andererseits aber dieselbe schwache körperliche Konstitution seiner Mutter Peggy wie seine Halbschwester Elizabeth - nur diesmal ohne die jähzornigen Züge.

      Gilbert brachte mit Harriet eine herrische Frau in sein Haus, deren einziges Bestreben war, möglichst im Wohlstand zu leben. Jared, der nach Abraham's Fortgang im Haushalt verblieben war, war für sie nicht mehr als ein Störfaktor. Auch ihm gegenüber benutzte sie das Argument des "Fletcher-Blutes", um sein Aufbegehren zu begründen.

      Unter diesen Umständen wurde Jared schon recht früh ziemlich eigenständig. 1812 zog der Krieg mit England herauf, und Jared heuerte als Schiffsjunge auf der "U.S.S. Constitution" an, einem der großen und neuen Segelschiffe der amerikanischen Marine. Dort konnte er seine Zähigkeit unter Beweis stellen und errichtete sein bislang durch Harriet ansonsten ziemlich unterdrücktes Selbstbewusstsein.

      Nach dieser Episode bei der Marine überschlugen sich in Boston die Ereignisse. Gilbert und Harriet Kent starben und die Firma fiel an einen Mann, der die Familie Kent zerstören wollte. Jared und seine Cousine Amanda mussten fliehen.

      Beide Kinder, 16 und 10 Jahre alt, bewiesen auf der beschwerlichen Reise über Philadelphia, Pittsburgh und den Ohio-Fluss erstaunliches Durchhaltevermögen, denn die Gefahren einer solchen Reise waren damals vielfältig. Die Art und Weise, wie die in Tennessee getrennt wurden, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten, aber dies diente Jared noch viele Jahre lang als brennenden Antrieb, Amanda zu finden.

      Die Handlung des Romans hat damit die Ostküste zunächst verlassen und kehrt auch für einige Jahrzehnte nicht mehr dorthin zurück. Die beiden Linien der Familie wurden zerrissen und werden sich in der Folge unabhängig voneinander entwickeln. Die Grundlagen für diese so unterschiedliche Entwicklung wurden den derzeit einzigen Nachfahren von Philip Kent, Jared und Amanda, durch ihr unterschiedliches Erbgut mitgegeben.

      Die Sammlung der Familienandenken wird nun ebenfalls fortgesetzt. Philip Kent hinterließ eine Holzschatulle mit Briefen seines Vaters aus England, den Degen vom Marquis de Lafayette aus Frankreich, die Teeblätter von der Boston Tea Party, seine Muskete aus dem Unabhängigkeitskrieg, und ein Ölgemälde mit seinem Portrait. Jared brachte zwei Geschenke von seinem Einsatz auf dem Segelschiff mit: einen Splitter vom Hauptmast für Gilbert und ein Stück Segeltau für Amanda, das er mit Teer zu einem Armreif geflochten hat. Gilbert hinterlässt dieses Erinnerungsstück in der Sammlung, Amanda wird dies später ebenfalls tun. Gilbert selbst lässt bei seiner Flucht aus Boston eine Motivplakette zurück, die er seinerzeit von Gilbert geschenkt bekam.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr