Die Chronik der Kent-Familie - Band 2 - Der Rebell

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    • Die Chronik der Kent-Familie - Band 2 - Der Rebell

      Abriss:

      Die Geschichte beginnt am 17. Juni 1775 in der Schlacht von Bunker Hill, an der Philip Kent teilnahm. Philip hatte Anne Ware kürzlich geheiratet, und im September diesen Jahres brachte Anne den Sohn Abraham zur Welt, benannt nach Anne's Vater. Philip beteiligte sich dann an Henry Knox' Unternehmung, 85 Kanonen von Fort Ticonderoga mitten im Winter über 450 Kilometer bis vor Boston zu bringen, um die Engländer erfolgreich in Schach zu halten.

      In der Zwischenzeit verfolgte weit entfernt in Virginia der Trunkenbold und Frauenheld Judson Fletcher seine Jugendliebe Peggy Ashford McLean. Peggy hatte von ihrer wohlhabenden Pflanzer-Familie ein Kontaktverbot zum aufbrausenden und nicht selten stark trinkenden Judson erhalten und dann Judson's Freund und Nachbarn Seth McLean geheiratet. Judson lebte auf Sermon Hill, einer großen Tabakplantage am Rappahannock-Fluss im Norden von Virginia, aber als Zweitgeborener und mit seinem unsteten Lebenswandel stand er bei seinem Vater in Ungnade. Bei einem spontanen Sklavenaufstand wurde Peggy vergewaltigt und ihr Mann Seth getötet. Eine Mitverantwortung weißer Besitzer an diesem Aufstand lehnte Judson's gläubig-konservativer Vater kategorisch ab.

      Judson's Bruder Donald war Delegierter für Virginia im Zweiten Kontinentalkongress, aber er litt an Gicht, konnte diesem Amt nicht nachkommen, und benannte Judson als seinen Vertreter. Während Judson dem Kongress in Philadelphia beiwohnte, begann er eine Affäre mit der Hafendirne Alice, die ehemals unter ihrem Mädchennamen Alicia Parkhurst eine Liebschaft von Philip Kent gewesen war. Ihr wohlhabender Onkel Tobias Trumbull stöberte Alice schließlich auf und wollte sie zu sich holen. Als Judson ihn hierbei nicht unterstützte, forderte Trumbull diesen zum Duell heraus, das für den 3. Juli 1776 angesetzt wurde.

      Am Tag vor dem Duell wurde Judson während der Debatte über die Unabhängigkeitresolution wegen eines Eklats und Trunkenheit aus der Virginia-Delegation ausgeschlossen und versäumte somit die historische Abstimmung. Am nächsten Tag tötete er Trumball im Duell, woraufhin Alicia Selbstmord durch Ertrinken beging.

      Während Philip im August 1777 mit George Washington's Armee lagerte, traf er mit seinem alten Freund Gil, dem Marquis de Lafayette aus Frankreich, zusammen, der freiwillig auf der Seite der Amerikaner diente. Sie nahmen an der erfolglosen Schlacht von Brandywine teil, dessen Ergebnis die damalige amerikanische Hauptstadt Philadelphia der Eroberung durch die Briten preisgab.

      Judson kehrte nach Hause zurück, quartierte sich aber auf der kleinen Farm seiner ex-Gespielin und jetzigen Witwe Lottie Shaw ein. Im Juli 1777 jagte er sie im Alkoholrausch davon. Bald darauf besuchte er Peggy McLean, die auf ihre Plantage zurückgekehrt war, und vergewaltigte sie nachdem sie kurzzeitig Gefühle für ihn erkennen ließ. Judson erfuhr nie, dass Peggy hiervon mit der Tochter Elizabeth schwanger wurde.

      Als Judson erfuhr, dass sich sein Jugendfreund George Rogers Clark in Virginia aufhielt, ritt er aus um ihn zu treffen. Clark stellte Männer für eine militärische Expedition in die Nordwest-Territorien auf und Judson ließ sich anwerben. Zurück auf Lottie's Farm wurde er von der aufgebrachten Witwe überrascht, angeschossen und liegen gelassen.

      Obwohl Judson wegen seiner Verwundung den Sammelplatz nicht rechtzeitig erreichte, reiste er Clark bis Pittsburgh nach. Aber Clark weigerte sich, ihn aufzunehmen, erneut wegen Trunkenheit. Als Clark zu seinem Boot zurückkehrte, entdeckte er einen Indianer-Spion, der schriftliche Unterlagen stehlen wollte. Im Kampf schoss der Spion auf Clark, aber die Kugel traf Judson und tötete ihn.

      In der Zwischenheit investierte Anne Kent 200 Pfund des Geldes ihres kürzlich verstorbenen Vaters in private Schiffe, die der amerikanischen Seite auf hoher See als Freibeuter dienten. Während der Zeit, in der Philip bei der Armee war, machte Malachi Rackham, Kapitän eines dieser Schiffe, Anne Aufwartungen, 1778 überraschte, entführte und verschleppte er sie auf sein Schiff. Nachdem er sie wiederholt brutal missbraucht hatte, kämpfte Anne um ihr Leben, stürzte dabei aber zusammen Rackham über Bord und ertrank.

      Philip nahm an der Schlacht von Monmouth teil, wurde am Bein verwundet und deshalb anschließend ausgemustert. Ein Brief informierte ihn über Anne's Verschwinden sowie über hohe Gewinne aus den Investitionen. Hiermit gründete Philip seine eigene Druckerei und nannte sie Kent & Son.

      Nahezu ein Jahr später machte Gil Philip mit Peggy McLean aus Virginia bekannt, die seine zweite Frau werden sollte.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Meine Bewertung:

      Die Handlung des ersten Romans erstreckt sich über die Jahre 1770 bis 1775, der vorliegende zweite Band spielt in einem noch kürzeren Zeitfenster, nämlich nur von 1775 bis 1778. Aber auch diese Zeit ist angefüllt mit geschichtsträchtigen Ereignissen als Hintergrund für Philip Kent's Werdegang.

      Der Leser verfolgt Philip, der als unerfahrener Soldat herbe Niederlagen ertragen muss, da die Engländer in den ersten Gefechten zumeist überlegen waren, was auch daran lag, dass sie im Gegensatz zu den Bürgermilizen der Kolonisten über trainierte Soldaten und gutes Material verfügten. Auch ein von allen Seiten geschätzter Anführer wie George Washington konnte daran nur wenig ändern. Zudem waren die hygienischen und sanitären Bedingungen der Soldatenlager wirklich mies.

      Aber Philip entwickelte damals auch Freundschaften, die teilweise mehrere Generationen andauern sollten. So zum Beispiel zu den schüchternen, jüdischen Kameraden Royal Rothman, dessen Vater später eine Bank begründen sollte (Parallelen mit dem von der jüdischen Familie gegründeten Bankhaus Rothschild sind nicht zufällig).

      Die Misere der amerikanischen Unabhängigkeitskämpfer sollte sich erst bessern, als ausgerechnet ein preußischer Offizier dort mit der militärischen Ausbildung begann: Baron von Steuben. Und Philip begegnete auch dem Marquis de Lafayette wieder, seinem Freund aus Jugendtagen, der General Washington bei strategischen Fragen unterstützte. Mit einer leichten Verwundung wurde Philip ausgemustert und erlebte die restlichen Jahre dieses Krieges nicht mehr selbst mit.

      Die Art und Weise, wie Philip's Frau Anne sterben musste, ist wahrlich grausam. Aber das passt wohl auch in das Bild der damaligen Lebensumstände. Für den Lauf der Erzählung ist Anne's früher Tod aber auch deshalb notwendig, weil Philip später noch einmal heiraten und auch noch einen Sohn bekommen wird, der sich charakterlich völlig von Abraham unterscheiden sollte. Beide Söhne haben zwar denselben Vater, aber zwei völlig verschiedene Mütter. Und hier liegt ein weiterer roter Faden, der durch alle Bücher verläuft: die Weitergabe von Charaktereigenschaften von den Eltern auf das Kind.

      Hiermit wird sich die Familie Kent in zwei Stränge spaäten, die verschiedener nicht sein können. Ihre Wege werden sich in den nächsten Büchern trennen, jedoch auch immer wieder kreuzen, aber sie werden sich bis zum letzten Band nicht völlig verstehen.

      Während die bisherige Geschichte überwiegend in Boston und Philadelphia spielt, beginnt nun ein zweiter Handlungsstrang, der zunächst mit Philip Kent nichts zu tun hat. Wir wechseln den Schauplatz hinunter in den Süden, und finden uns unvermittelt zwischen Tabakplantagen in Virginia wieder. John Jakes eröffnet eine völlig neue Welt, in der einer jungen Frau mehrfach ziemlich übel mitgespielt wird, mal durch einen Sklavenaufstand, und mal durch einen verlassenen Liebhaber. Schließlich flieht sie geschwängert nach Boston, bekommt die uneheliche Tochter Elizabeth, lernt Philip Kent kennen und wird später seine zweite Frau.

      Aus mir micht ganz verständlichen Gründen hat es John Jakes stets vermieden, dass Figuren aus dem Umfeld der Familie Kent niemals einfach wieder aus dem Geschehen verschwinden können. Der Autor findet für jede dieser Figuren einen individuellen Tod. Manchmal ist es ja auch interessant, weil hiermit noch weitere geschichtliche Ereignisse angerissen werden können, die die Kent's nicht selbst erleben. So will sich Judson, der versetzte Verehrer von Peggy, noch der West-Expedition von Lewis und Clark anschließen, bevor er - und hier wirkt es wieder etwas gezwungen - zufällig in die Gewehrkugel eines indianischen Spions läuft.

      Oder Alicia Parkhurst, verwitwete Amberly. Sie ist nicht einfach wieder nach England zurückgereist und hat die Erbschaft ihres verstorbenen Ehemannes Roger übernommen. Nein, sie ist in Philadelphia geblieben, verkam zur Spelunken-Dirne, und stürzte sich dann aus Verzweiflung in ein Hafenbecken. Auch Alicia's Onkel in Philadelphia, der zuerst Roger zur Genesung aufnahm und sich dann auch um Alicia kümmerte, musste in einem aus relativ nichtigem Anlass angesetzten Pistolenduell sterben.

      Wenigstens haben diese Ereignisse in Philadelphia den Rahmen geboten für die Beschreibung, wie die Unabhängigkeitserklärung beraten, verfasst, beschlossen und dann am 4. Juli 1776 öffentlich verkündet wurde.

      Philip Kent, der sich nach seiner Zeit als Soldat in Boston niedergelassen hatte, begründete eine eigene kleine Druckerei, weil es das Einzige war was er gelernt hatte, und weil er weiterhin fest daram glaubte, durch die Verbreitung von Nachrichten und Ideologien seinen Landsleuten einen Dienst zu erweisen. Dieses Unternehmen namens "Kent & Son", sowie der hieraus später entstandene Zeitungsverlag in New York, werden zum Fels in der Brandung der Ereignisse. Beide Firmen bleiben stets ganz oder teilweise in Familienbesitz und sind ein Symbol für amerikanisches Unternehmertum, indem sie alle Krisen und die unterschiedlichsten Führungsstile ihrer jeweiligen Geschäftsführer überdauern werden.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr