Die Chronik der Kent-Familie - Band 1 - Der Bastard

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    • Die Chronik der Kent-Familie - Band 1 - Der Bastard

      Abriss

      Die Geschichte beginnt in November 1770 in der Auvergne nahe Chavaniac, Frankreich. Phillipe Charboneau, ein 17-jähriger Junge, lebte mit seiner Mutter Marie in einem kärglichen Gasthof. Nachdem Marie ihrem Sohn bislang stets verheimlicht hatte, wer sein Vater war, teilte sie ihm schließlich mit, dass es sich um James Amberly handelte, dem 6. Herzog von Kent. Der adelige Engländer hatte eine Liebesaffäre mit Phillipe's Mutter, als diese Schauspielerin in Paris war. Ihre Affäre war nur von kurzer Dauer, und als James Amberly nach England zurückkehrte, heiratete er dort und bekam einen rechtmäßigen Sohn, Roger. Dennoch bedachte er Marie weiterhin mit Geldgeschenken und sah für Phillipe vor, einst die Hälfte seiner Hinterlassenschaft zu erben.

      Als Phillipe und Marie im Frühjahr 1771 erfuhren, dass der Herzog erkrankt war, machten sie sich umgehend auf die Reise nach Kent, England, um Phillipes Anspruch auf den Erbteil geltend zu machen. Dort angekommen, verweigerte Lady Jane Amberly, die Frau des Herzogs, sowie ihr Sohn Roger, Phillipe als Erben anzuerkennen. Marie bestand aber darauf und beschloss, Kent erst zu verlassen, wenn ihr Sohn das geerbt hatte was ihm nach ihrer Ansicht zustand: die Hälfte des Wohlstandes der Amberly's.

      Phillipe und ihre Mutter verbrachten Monate in einer Pension in der Hoffnung, dass Lady Jane einlenkte, was diese aber nie tat. Die Situation wurde riskant, als Phillipe eine Beziehung mit Roger's Verlobten Alicia Parkhurst begann. Dann erfuhren Phillipe und Marie, dass der Herzog verstorben sei, und sie fuhren erneut zum Landsitz, durften aber den Leichnam nicht sehen. Stattdessen gerieten Phillipe und Roger in Streit und Roger's Hand wurde schwer verwundet. Phillipe kam mit dem Leben davon, aber Alicia warnte ihn davor, hierzubleiben, da der verwöhnte Roger beabsichtige, ihn für die Verwundung seiner Hand zu töten. Ohne die Mittel für eine Rückkehr nach Frankreich flohen sie nach London und wollten sich dort verborgen halten, bis sich die Gemüter beruhigt hätten.

      Da sie in London fremd waren, suchten sie den Weg zur St.-Paul's-Kirche und hofften dort auf Obhut. Aber stattdessen gerieten sie an gewaltsame Bettler, die Phillipe und seine Mutter ausrauben wollten. Sie wurden durch Esau und Hosea Sholto gerettet, Söhne von Solomon Sholto, einem tief religiösen Mann, der fest an Güte und Mitgefühl glaubte. Phillipe und seine Mutter durften bei den Sholto's leben und Solomon bot Phillipe an, ihn in seiner Druckerei mit Leihbüchrei auszubilden. In der Überzeugung, dass sein Anspruch auf Kentland niemals umgemünzt werden würde, nahm Phillipe Solomon's Angebot an.

      Als Phillipe den Wunsch entwickelte, nach Amerika auszuwandern, machte Solomon ihn mit Benjamin Franklin bekannt, der zu jener Zeit Handelsvertreter der Kolonien mit England war. Um Phillipe zu überzeugen, dass Amerika der richtige Ort für ihn wäre, pries Franklin seine Heimat für seine grenzenlosen Möglichkeiten an, warnte ihn aber auch, dass Probleme zwischen den Briten und den Kolonien im Aufkommen waren.

      Marie war strikt dagegen, England zu verlassen ohne seinen berechtigten Erbteil erhalten zu haben. Dann jedoch wurde Phillipe von einem Übeltäter angegriffen, angeheuert von Roger, der niemals aufgegeben hatte, seinen Anspruchsrivalen zu eliminieren.

      London war für Marie und ihren Sohn nicht länger sicher, und sie flohen erneut, diesmal zur Hafenstadt Bristol auf der Suche nach einer Überfahrt nach Amerika. Während dieser Schiffsreise starb Marie an Austrocknung, zerbrochen an der Zerstörung ihres Traumes, und sie wurde auf See bestattet. Und Phillipe beschloss, in der neuen Welt Amerika ein neues Leben zu beginnen, unter dem neuen, englisch klingenden Namen Philip Kent.

      Philip kam ohne Geld in Boston, Massachusetts an und war für mehrere Tage ohne Essen und Dach über dem Kopf. Schon bald zog er sich den Zorn eines britischen Soldaten zu, dessen Uniform er versehentlich mit Dreck bespritzt hatte. Ein Man namens William Molineux ging dazwischen und rettete den ausgehungerten Jungen vor schweren Prügeln. Über diese Bekanntschaft lernte Philip Männer wie Samuel Adams und Paul Revere kennen.

      Wichtiger noch war der Kontakt zu Benjamin Edes, dem Herausgeber der "Boston Gazette", der Philip als Drucker einstellte. Durch diese Arbeit traf Philip auch Abraham Ware, der häufig Artikel für das Blatt beisteuerte, und dessen selbstbewusste Tochter Anne, um die er zu werben begann.

      Durch seine Bekanntschaft mit Männern wie Adams und Revere nahm Philip an der Boston Tea Party teil und trat dann der Bürgermiliz bei. Nach der Tea Party verhängte England eine Reihe von Strafmaßnahmen gegen die Bewohner von Boston. Eine dieser Maßnahmen, der "Quartering Act", verärgerte insbesondere Abraham Ware, da er gezwungen wurde, einen britischen Soldaten in sein Haus aufzunehmen.

      Der in Ware's Haus zugeteilte Soldat, Sergeant George Lumden, verliebte sich in Daisy O'Brian, die Köchin des Hauses, und beschloss, aus der britischen Armee zu desertieren. Philip, der für seinen Dienst in der Miliz Lumden's Muskete übernehmen wollte, bestärkte den Briten in seinem Vorhaben und bezahlte sogar einen Jungen aus der Nachbarschaft, ihm behilflich zu sein, Lumden aus der Stadt zu schaffen.

      Aber der Junge fand es profitabler, Philip zu hintergehen und stattdessen Lumden's Kommandeur zu informieren. Dieser Kommandeur war niemand anderes als Roger Amberly. Roger erschien in Ware's Haus, um nach Lumden zu suchen. Als Philip hinzukam, griff Roger ihn an, aber Philip stieß ein Bajonett in den Bauch seines Halbbruders. Im Glauben, ihn getötet zu haben, floh Philip mit Lumden aus der Stadt und verbarg sich auf der Farm von Daisy's Vater nahe Concord, Massachusetts.

      Anne und Daisy folgen ihnen einige Zeit später auf die Farm und teilten ihnen mit, dass Roger nicht gestorben war. Er sei zur privaten Behandlung nach Philadelphia gebracht worden, und seine Frau Alicia Parkhurst sei aus England zu ihm gereist. Anne gab Philip einen Brief von Alicia, und Philip machte sich auf den Weg nach Philadelphia, um sie zu treffen.

      Roger verstarb, bevor Philip in dieser Stadt ankam. Er traf sich mit Alicia, die ihm enthüllte, ihn noch immer zu begehren und heiraten zu wollen. Philip war zwischen seinen Gefühlen für Alicia und jenen für Anne zerrissen. Bei einem zufälligen Wiedersehen mit Benjamin Franklin erhielt er jedoch die Information, dass sein Vater James Amberly noch am Leben war.

      Philip erkannte den vollen Umfang des Betrugs, dem er in England aufgesessen war, und dass Alicia ihn nur deshalb heiraten wollte, weil er nun der letzte Erbe des Herzogs war. Er konfrontierte Alicia daraufhin, um ihr zu sagen, dass er alle Ansprüche auf das Erbe aufgebe, da er glaube, dass der gewaltige Wohlstand ihn ebenso korrumpieren würde die Mitglieder die Familie Kent in England.

      Auf seinem Weg zurück nach Concord und zu Anne stieß Philip auf Paul Revere, William Dawes und Samuel Prescott, die auf einem mitternächtlichen Ritt die Patrioten von dem Aufmarsch der Briten warnten. Philip wollte Anne sehen, aber ihr Vater verweigerte dies mit der Begründung, sie sei zu verletzt gewesen, als er sie für Alicia verlassen hatte.

      Dann kehrte Philip zu O'Brian's Farm zurück, um Lumden's Muskete zu holen. Nachdem er Anne seine Liebe ausrichten ließ, nahm er an der Schlacht von Concord teil, in der die amerikanischen Patrioten den Vormarsch der Briten zurückschlugen. Hiernach kam er schließlich wieder mit Anne zusammen. Sie war von ihm schwanger und er versprach ihr die Heirat, musste sie dann aber erneut verlassen, um weiter gegen die Briten zu kämpfen.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Meine Bewertung:

      John Jakes holt sehr weit aus, bis die Handlung seines Romans schließlich in Amerika ankommt. Bis zur Mitte des Buches spielt die Handlung noch im alten Europa. Der völlig unbedarfte junge Phillipe muss erst das Entstehen und dann das Zerplatzen eines großen Traums erleben, die Gemeinheiten des britischen Adels, den extremen Unterschied zwischen der Abgehobenheit der Elite und dem grausamen Leben auf der Straße, sowie den Wert von Barmherzigkeit und ehrlicher Arbeit.

      Dass Phillipe das Druckerhandwerk erlernt, ist kein Zufall. Denn erstens sind Druckereien nach Gutenberg's bahnbrechender Erfindung die ersten vor-industriellen Fertigungsstätten. Und zweitens verbreiten gedruckte Bücher und Zeitungen seit Urzeiten Wissen und Ideologien. Und genau diese Ideologien und Gedanken sind es, die die Menschen leiten und lenken können. Phillipe hatte lesen gelernt, und so erfasste ihn aus Büchern und Schriften die Sehnsucht nach dem großen und freien Amerika, von dem er sich die Befreiung aus den Zwängen und Gefahren in England erhoffte.

      Zeitungen als zentrales Medium der gesellschaftlichen und politischen Meinungsmache ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Romanreihe.

      Philip Kent, wie er sich in Amerika nannte, hatte mehrfach großes Glück. Schnell geriet er an genau jene Leute, die im Geheimen den Widerstand gegen die englische Staatsmacht übten, und ebenso rasch fand er zu jenem Medium zurück, das ihm den Weg hier her gezeigt hatte: der Zeitung.

      Das alles ist aber notwendig, um die Geschichte eines völlig mittellosen Jungen nicht schon wenige Tage nach seiner Ankunft in Boston enden zu lassen. Denn damals hat nicht jeder Ankömmling auch seinen Weg gemacht. Viele sind zweifellos verhungert oder an rücksichtslose Zeitgenossem geraten.

      Philip erlebte in Boston die Keimzelle der Auflehnung gegen die britische Bevormundung mit. England erkannte, dass sich die Kolonien in Nordamerika gut entwickelten, und wollte von dort nun auch Steuern einziehen, um seine Soldaten und die Kriegsmarine zu finanzieren. Die Kolonisten waren natürlich dagegen, insbesondere da sie gleichzeitig nicht im britischen Unterhaus vertreten waren.

      Die "Boston Tea Party" vom 16.12.1773 war ein Höhepunkt dieser Auseinandersetzung, als die Kolonisten besteuerten britischen Tee boykottierten, aber der englische Gouverneur trotzdem auf Bezahlung dieser Steuer bestand. Als Milizmitglied war Philip mit auf einem der Tee-Schiffe und half, die Kisten ins Wasser zu werfen.

      Als Philip hiernach zu Bett ging, fielen ein paar Tee-Blätter aus seinen Schuhen, und er bewahrte sie auf. Zusammen mit einem Degen, den er noch in Frankreich vom jungen Marquis de Lafayette geschenkt bekommen hatte, begründet er damit eine kleine private Sammlung besonderer Gegenstände aus der Geschichte seines neuen Heimatlandes. Diese Sammlung werden Philip's Nachfahren später fortführen und sich dabei immer wieder an die Ursprünge der Familie Kent erinnern.

      Während Philip 1774 in Philadelphia war, um sich mit Alicia Parkhurst zu treffen, fand das nächste bahnbrechende Ereignis in Amerika's früher Geschichte statt: der Erste Kontinentalkongress. Natürlich konnte Philip nicht selbst daran teilnehmen, aber durch Benjamin Franklin erfuhr er von dessen Bedeutung. Dieser Kongress sollte in seiner zweiten Zusammensetzung zwei Jahre später die Unabhängigkeit von England erklären.

      Der Mitternachtsritt von Paul Revere ist tief in der Geschichte Amerika's verwurzelt. Das heimlich aufgebaute Alarmsystem der Milizen hat bestens funktioniert, und der überraschende Aufmarsch der Engländer wurde nach kurzem Gefecht bei Concord, MA zurückgeschlagen. Gleichzeitig war dies die erste Schlacht des nun folgenden Unabhängigkeitskrieges.

      Und mitten in dieser historisch so schwer beladenen Zeit beschlossen der junge Einwanderer Philip und die Anwaltstochter Anne, eine Familie zu gründen. Diese Familie Kent, wie sie sich entwickelt, wie sie mit Amerika wächst, aber auch wie sie unter Kriesen und Kriegen aller Arten zu leiden hat, wird der Leser in den nächsten acht Bänden verfolgen.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr