Die Chronik der Kent-Familie - Einleitung

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    • Die Chronik der Kent-Familie - Einleitung

      John Jakes - The Kent Chronicles

      Ich möchte hier die 9 Bände umfassende Romanreihe "The Kent Chronicles" von John Jakes vorstellen. Bevor ich mich mit den einzelnen Bänden dieser Reihe befasse, werde ich zunächst ein paar allgemeine interessante Dinge zu den Romanen zusammenfassen.

      John Jakes hat die Romanreihe Anfang der 1970er Jahre geschrieben, also noch vor seinen bekanntesten Werken, der "North and South"-Trilurgie. Er wurde damals von einem Fieber angesteckt, dass in den ganzen Vereinigten Staaten ausbrach, und zwar das anstehende 200-jährige Gründungsjubiläum im Jahr 1976. Und er begann ein schriftstellerisches Projekt, das in seiner Größe diesem Anlass gerecht werden sollte: Er wollte die gesammten 200 Jahre der amerikanischen Geschichte in Romanform verarbeiten, und zwar so wie wir es von ihm kennen - als fiktive Handlungen, eingebettet in den historischen Rahmen.

      Um es vorweg zu nehmen: Jakes schaffte es nicht (ganz). Im Laufe der Jahre (er arbeitete mindestens fünf Jahre lang daran) merkte er, je weiter er im Verlaufe der Geschichte voran kam, desto umfangreicher wurde der Stoff, und desto dicker wurden die einzelnen Bücher. Somit endet die Geschichte nicht 1976, sondern bereits 1890. Aber das tut den Romanen, die nun immerhin noch den Zeitraum von 120 Jahren überspannen, keinen Abbruch.

      Ich weiß nicht, ob es John Jakes' erste Romane waren, die er in dieser Weise in realen geschichtlichen Hintergrund platzierte, aber hier ist es ihm mindestens so meisterlich gelungen wie in "North and South" und den anderen Historienromanen, die noch folgen sollten.

      Jakes muss förmlich jahrelang die verschiedendsten Quellen und Archive studiert und die Orte der Geschehnisse besucht und untersucht haben, um all die historischen Tatsachen zu finden, zu ordnen, zu bewerten und auszuwählen, die in den Büchern mehr oder weniger wichtige Rollen spielen.

      Manches wird nur am Rande erwähnt, in Rückblenden, in Gedankengängen oder Gesprächen der Hauptfiguren, oder in Zeitungsberichten. Andere historische Personen erscheinen plötzlich selbst, werden Teil der Handlung, oder die Hauptfiguren nehmen an historischen Ereignissen teil. Auch hier fügt Jakes die fiktiven Figuren so nahtlos in das tatsächliche Geschehen ein - nie als große Führungsfigur sondern immer nur als kleiner Mitwirkender -dass es wirklich so gewesen sein könnte, ohne die reale Geschichte in irgendeiner Weise zu "verbiegen".

      Die Vielfalt dieser historischen Themen ist gewaltig. John Jakes erteilt uns nicht nur einen fundierten Geschichtsunterricht über Amerika von seiner Gründung bis kurz vor 1900, sondern weit darüber hinaus. So lernen wir, wie Frankreich zuerst den Krieg mit Preußen provozierte, dann verlor, und schließlich in die Wirren der eigenen Revolution geriet.

      Sicherlich, Kriege haben zu jener Zeit immer eine Rolle gespielt. In den Romanen gibt es gleich mehrere - ich komme auf insgesamt fünf, in denen die Roman-Hauptfiguren eine Rolle spielen. Dabei sind sie alle voneinander verschieden. Denn wer kann schon die amateurhaften Milizen zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges 1775 vergleichen mit den riesigen Armeen im Bürgerkrieg, den Mexikanern in Texas oder dem Dienst auf einem gewaltigen Segelschiff im Krieg von 1812 gegen England. Diverse Auseinandersetzungen mit Indianern kommen noch dazu.

      Aber der geschichtliche Bogen geht noch viel weiter. John Jakes breitet die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung aus, beschreibt zeitgenössische Lebensumstände, Kleidungen, Speisen und Getränke, Baustile, Möbel und andere Modeerscheinungen, der Aufstieg der Macht von Geld und Besitz, Rassen- und Glaubenskonflikte, die Entwicklung der Verkehrsmittel, der Sprachgewohnheiten, der Bildung, und noch vieles mehr.

      Um all das streifen zu können, ohne dass es trockene Abhandlungen werden, erfand John Jakes eine Familie namens "Kent", die wir über mehrere Generationen hinweg begleiten, und deren Entwicklung ein Spiegelbild der Entwicklung der Vereinigten Staaten ist.

      Ein junger Mann aus Frankreich fasst den Plan, in die damals zu England gehörenden Provinzen zu fliehen, um sich vor Verfolgern in Sicherheit zu bringen. Durch einen Zufall landet er in Boston, MA, jener Stadt in der die langsam aufkommende Opposition gegen England seinen Ursprung hat. Und schon gerät er mitten in den ersten historischen Kontext, die berühmte "Boston Tea Party". Am Ende des ersten Bandes ist sich der Leser sicher, diesen bedeutsamen Abschnitt der amerikanischen Geschichte vollkommen verstanden zu haben. Und nicht nur das: man hat sich auch äußerst lebhafte Bildnisse von jenen Persönlichkeiten machen können, die hieran maßgeblich beteiligt waren, in diesem Fall etwa von Benjamin Franklin, John Adams, Samuel Adams und Paul Revere, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen.

      Bevor ich jetzt die einzelnen Bände näher ansehe, hier noch ein paar "technische" Angaben zu den Büchern. In den USA sind sie zwischen 1974 und 1978 erschienen, die deutschen Übersetzungen erstmals zwischen 1987 und 1989 im Ullstein-Verlag, später dann als Nachdrucke in verschiedenen Editionen (erkennbar am Stil der Einbände). Die deutschen Ausgaben werden nicht mehr verlegt, man ist hier auf gebrauchte Bücher angewiesen. Es empfiehlt sich, nach einem kompletten Satz zu suchen, damit alle Bände zusammenpassen. Bei Taschenbuch-Ausgaben - insbesondere bei solchen mit "Fackeln-im-Sturm"-Motiven auf dem Einband - rate ich zur Vorsicht vor eventuellen Kürzungen.

      John Jakes hat nur 8 Romane geschrieben. Das achte und letzte Buch wurde dabei mit fast 1000 Seiten so umfangreich, dass ihn der Ullstein-Verlag in der deutschen Fassung in zwei einzelne Bücher aufgeteit hat, weshalb es in der deutschen Ausgabe 9 Bände gibt.

      Band 1 - The Bastard, 1974 - Der Bastard, 1987 - 479 Seiten
      Band 2 - The Rebels, 1975 - Der Rebell, 1987 - 446 Seiten
      Band 3 - The Seekers, 1975 - Die Pioniere, 1987 - 446 Seiten
      Band 4 - The Furies, 1976 - Die Rache, 1988 - 446 Seiten
      Band 5 - The Titans, 1976 - Die Titanen, 1988 - 448 Seiten
      Band 6 - The Warriors, 1977 - Die Besiegten, 1988 - 606 Seiten
      Band 7 - The Lawless, 1978 - Die Gesetzlosen, 1988 - 703 Seiten
      Band 8 - The Americans, 1978 - Der Ruf der Freiheit, 1989 - 447 Seiten
      Band 9 - The Americans, 1978 - Das Versprechen, 1989 - 429 Seiten
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      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr