Reconstruction Era 1865 bis 1877 - Der mühsame Wiederaufbau

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    • Reconstruction Era 1865 bis 1877 - Der mühsame Wiederaufbau

      Seit Ende des Bürgerkrieges sind nun mehrere Monate vergangen. Die Kämpfe haben zwar aufgehört, es marschieren keine Armeen mehr durch die Lande mit dem Ziel, die jeweils andere Seite mit allen Mitteln zur Aufgabe zu bringen. Aber die Ereignisse sind alles andere als stehen geblieben.

      Nach der Zeit des Krieges, der im Mai 1865 durch die Kapitulation des Südens beendet war, fand man für die nun folgenden Phase rasch einen neuen Begriff: "Reconstruction" - zu deutsch: Wiederaufbau.

      Diese Zeit der "Reconstruction" war angefüllt von Ereignissen, die nun kaum noch etwas mit militärischen Strategien zu tun hatten, sondern mit Rassenfragen, Ökonomie, Finanzen, und vor allem mit Politik. Haupt-Akteure waren nicht mehr die Generäle, sondern der jeweilige US-Präsident und der Kongress. Viele der Entwicklungen griffen ineinander, hingen voneinander ab oder waren die Folgen vorheriger Geschehnisse. Dem interessierten Leser sollte nicht langweilig werden.

      Ich finde dieses Thema der "Reconstruction" sehr interessant. Da es viel zu berichten gibt, habe ich es nach Schwerpunkten in Kapitel und in etwa in die zeitliche Abfolge gestellt:
      1 - Vordenker Lincoln
      2 - Der Niedergang und seine Folgen
      3 - Präsident Andrew Johnson
      4 - Das Ende der großen Armeen
      5 - Wer hat das Sagen im Süden?
      6 - Wie man einen Präsidenten los wird
      7 - Der Kampf um das alte Erbe
      8 - Der umpolitische Präsident
      9 - Der Rückschlag
      10 - Das Ende der Rekonstruktions-Ära
      11 - Spuren der Vergangenheit - Von Schlachtfeldern zu Nationaldenkmälern
      11 - Spuren der Vergangenheit - Veteranenorganisationen
      11 - Spuren der Vergangenheit - Diskussion um die Südstaatenflagge

      An passenden Stellen habe ich mit Fußnoten auf Erwähnungen dieser historischen Fakten in der TV-Reihe "Fackeln im Sturm" bzw. der Romanvorlage "North and South" hingewiesen, hier zumeist aus dem dritten Teil. Wer sich weiter für diese Form des "Geschichtsunterrichts" im historischem Kontext interessiert, dem empfehle ich die Romanreihe "Die Kent-Familie", ebenfalls von John Jakes. Die Bände 6 und 7 der Reihe decken die komplette Rekonstruktionszeit ab, weit über den Abschnitt hinaus, der in "Fackeln im Sturm" behandelt wird.

      Viel Spaß beim Lesen.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 1 - Vordenker Lincoln

      Reconstruction - Kapitel 1 - Vordenker Lincoln

      Es spricht für Abraham Lincoln's Weitsicht, dass er bereits 1862 Zeit dafür aufbrachte, sich Gedanken darüber zu machen, wie man mit dem Süden umgehen könnte, der nun gerade erst so vehement die Trennung von der Union gefordert hatte. Lincoln konnte natürlich nicht ahnen, dass es noch drei weitere Jahre Krieg geben würde und dass die größten Opfer noch bevorstanden. Zudem stand die militärische Lage - insbesondere vor seiner Haustüre in Virginia - alles andere als danach, die Rebellion bereits niedergeschlagen zu haben.

      Lincoln selbst legte also bereits die Punkte der Rekonstruktion fest, die nach dem Krieg beschritten werden sollten, ganz gleich wann das nun sein würde. Und wo dies sinnvoll war, begann er damit noch mitten im Krieg.

      So setzte er in Tennessee, dass bereits Ende 1862 weitgehend von der Union besetzt war und wo es auch weite Unions-freundliche Gebiete gab, einen Militärgouverneur ein. Er wählte hierfür Andrew Johnson aus, den langjährigen Gouverneur und Senator von Tennessee. Johnson war in seinem Heimatstaat gut bekannt und durfte als Mitglied der Demokratischen Partei mit weniger Widerstand in der Bevölkerung rechnen als ein Republikaner.

      Tennessee sollte somit die Chance erhalten, schon frühzeitig wieder eine ordentliche Regierung und verfassungsgemäße öffentliche Verwaltungenen zu bekommen. Wie richtig was war, zeigt die Tatsache, dass Tennessee bereits ein Jahr nach Kriegsende als erster der Südstaaten wieder vollwertiges Mitglied in der Union wurde.

      Dass Lincoln einen Militär- statt einen zivilen Gouverneur einsetzte, hatte auch einen wichtigen Grund. Denn er musste ständig Rücksicht darauf nehmen, dass seine Minister und der Kongress seine Schritte nicht durchkreuzen könnten. Im Kongress hatten zwar noch die Republikaner eine knappe Mehrheit, jene Partei, die Lincoln in das Weiße Haus gebracht hatten. Aber innerhalb der Partei entstanden angesichts der gewaltigen Austrengungen und Verluste des Krieges radikale Strömungen, die den bedachten und in ihren Augen "weichen" Kurs von Lincoln nicht unbedingt mittragen wollten. Militärgouverneure dagegen unterstanden Lincoln in seiner Eigenschaft als Oberkommandierender direkt. Von Johnson selbst werden wir noch so Einiges hören.

      Weitere Posten dieser Art besetzte Lincoln im Laufe des Jahres 1862 auch in der Küstenregion von North Carolina, in Louisiana und in Arkensas. Diese Gouverneure hatten Vorgaben, die Bevölkerung nicht zu unterdrücken, sondern zügig wieder normale öffentliche Verwaltungen aufzubauen und Wahlen zu demokratischen und verfassungskonformen Staatsregierungen abzuhalten.

      Radikale Strömungen im Kongress protestierten gegen dieses Vorgehen. Unter den Wortführern Thaddeus Stevens (Pennsylvania), Senator Benjamin Wade (Ohio) und Senator Charles Sumner (Massachussets, der vor dem Krieg von Preston Brooks mit dessen Spazierstock im Senat schwer verprügelt worden war) betrachteten sie die Südstaaten nicht mehr als vollwertige Mitgliedsstaaten, sondern lediglich als Territorien, die das Recht auf Aufnahme als Staat erst erneut erwerben mussten. Sie befürchteten, dass bei rascher Wiedereingliederung das alte Wertesystem noch nicht ausgerottet sei, und dass nach Emanzipation aller Sklaven durch die damit sprunghaft gestiegene Wählerzahl das politische Gewicht des Südens im Kongress zum Problem werden könnte.

      Am 8. Dezmber 1863, als der Ausgang der Schlacht von Gettysburg sowie die Entwicklung im Westen endlich Anlass zur Hoffnung auf ein erfolgreiches Kriegsende gaben, erließ Lincoln die "Amnesty Proclamation". Hierin stellte er allen Südstaatlern die Amnestie und Zuerkennung der Bürgerrechte in Aussicht, die in der Konföderation kein öffentliches Amt innehatten, keine Unions-Gefangene misshandelt hatten, und die einen Treueeid auf die Verfassung ablegen würden.

      Für Louisiana entwickelte er sogar einen besonderen Plan. Die Plantagenwirtschaft war für dieses Staat besonders wichtig, weshalb die freigelassenen Sklaven dort zunächst weiter dort arbeiten sollten, jedoch für einen garantierten Monatslohn von 10 Dollar. Für die Weißen sollte die "Amnesty Proclamation" gelten. Außerdem sollte Louisiana automatisch wieder zum Mitgliedstaat werden, sobald die Sklaverei in der neuen Staatsverfassung verboten würde und 10 Prozent aller betroffenen Bürger den Treueeid abgelegt hätten. Im Volksmund wurde diese Vereinbarung bald "Ten Percent Plan" genannt.

      Dem Kongress schmeckten diese Entgegekommen Lincoln's garnicht. Er erließ am 2. Juli 1864 eine eigene Resolution, die "Wade-Davis Bill". Darin wurde festgelegt, dass ein Staat nur dann wieder in die Union gelangen konnte, wenn mindestens die Hälfte aller derjenigen Bürger den Eid abgelegt hätten, die zu keiner Zeit die Konföderation unterstützt hatten. Hier wird schon deutlich, wie hart und kompromisslos die Vorstellungen jener Strömung der Republikanischen Partei war, die bald nur noch die Radikalen Republikaner genannt wurde. Die "Wade-Davis Bill" jedenfalls scheiterte an Lincoln's Veto.

      Im Dezember 1864 hatte Louisiana die Bedigungen aus Lincoln's "Ten Percent Plan" erfüllt und wollte zwei Senatoren sowie fünf Abgeordnete nach Washington entsenden. Der Kongress jedoch reagierte, indem ihre Redebeiträge und Stimmabgaben schlicht und einfach ignoriert wurden. Genauso verfuhr man mit den neuen Abgeordneten, die bald darauf auch aus Tennessee und Arkansas kamen.

      Als das Kriegsende absehbar wurde und die Frage nach dem Umgang mit einer unbekannten, aber dennoch riesigen Zahl freigelassener Farbiger dringend wurde, installierte Lincoln am 3. März 1865 das "Bureau for Refugees, Freedmen and Abondened Lands", zu deutsch "Büro für Flüchtlinge, Freigelassene und herrenloses Land", kurz "Freedmen's Bureau" genannt. Diese staatliche Agentur hatte klar umrissene Aufgaben. Sie sollte sich um die unmittelbaren Bedürfnisse der ehemaligen Sklaven kümmern, ihnen das herrenlose Land für drei Jahre zur Pacht zuteilen und hiernach ein Vorkaufsrecht sichern.
      *1.1

      Man sollte sich erneut vor Augen halten, dass der Krieg zu dieser Zeit an keiner Stelle des Landes bereits vorüber war. General Lee kapitulierte erst zwei Monate später, General Johnston weitere drei Wochen darauf, und im tiefen Südwesten dauerte es noch länger. Dennoch dachte Lincoln auch beständig daran, wie man den nun weitgehend zerstörten und von Abneigung durchsetzten Süden möglichst rasch und schmerzfrei wieder in die Union integrieren konnte. Sein oberstes Gebot hierbei war, Nachsicht mit den Südstaatlern zu üben, die in seinen Augen letztlich immer nur Landsleute gewesen waren.
      *1.2

      Sechs Tage nachdem Lee in Virginia seinen Säbel niedergelegt hatte, aber 11 Tage bevor Johnston in North Carolina dasselbe tat, starb Lincoln nach dem Attentat auf ihn. Die Früchte seiner vorrausschauenden Arbeit erlebte er nicht mehr.

      Und seine Nachfolger ließen von diesen Früchten auch nicht viel übrig.

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      *1.1 FiS-Folge 14+15: Stanley Hazard ist Leiter dieses Büros. Isabel läuft mit ihren Eigenmächtigkeiten in South Carolina den politischen Aufgaben des Büros zuwider.

      *1.2 Zweite Amtseinführungsrede von Lincoln, gehalten am 04.03.1865, teilweise zitiert durch Orry Main in FiS-Folge 12: "With malice toward none, with charity for all, with firmness in the right, as God gives us to see the right, let us strive on to finish the work we are in, to bind up the nation's wound…" (deutsch: Mit Rache gegen niemanden, mit Fürsorge für alle, mit Vertrauen in das Recht, wie Gott es uns zu sehen gelehrt hat, lasst uns fortfahren, die Aufgabe zu erfüllen, die Wunden der Nation zu heilen…)
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 2 - Der Niedergang und seine Folgen

      Reconstruction - Kapitel 2 - Der Niedergang und seine Folgen

      Man kann durchaus der Meinung sein, dass die Konföderation von Anfang an wenig Chancen hatte, auf Dauer als selbständiger Staat überleben zu können. Aber vielleicht hätte sie es unter friedlichen Bedingungen einige Zeit lang geschafft. Es gibt auch heute noch einige Staaten der Welt, die ihre Wirtschaftskraft überwiegend aus der Landwirtschaft beziehen. Und ebenso vielleicht hätte es den langsamen Wandel von der Sklaven- zur Lohnarbeiterschaft gegeben.

      Aber das sind ja nur Spekulationen.

      Tatsache ist hingegen, dass die Konföderation spätestens mit der Einnahme von Richmond im April 1865 am Ende war. Jefferson Davis packte seine Minister und die wichtigsten Unterlagen in Eisenbahnwagen und verließ die Stadt auf dem letzten offenen Fluchtweg, zunächst nach Danville, einer Stadt im Süden von Virginia, und blieb dort einige Tage.

      Am 12. April erfuhr er von Lee's Kapitulation garnicht weit entfernt in Appomattox Court House (der Kurier brauchte Zeit, Davis' konspirativen Aufenthaltsort zu finden), und floh weiter, zunächst nach Greensboro, North Carolina. Man diskutierte, ins Exil nach Kuba zu gehen und von dort aus den Rio Grande hinauf, beginnend vom unbesetzten Texas, die Konföderation wieder aufzubauen. Aber mehr als Gedankenspiele kamen dabei nicht mehr heraus. Nur der konföderierte Kriegsminister John C. Breckinridge, der den kleinen Goldschatz der Regierung in Sicherheit bringen sollte, erreichte Kuba und floh dann weiter nach Großbritannien.

      Zwei Tage später wurde Lincoln erschossen, und die verbliebenen militärischen Strukturen der Konföderation brachen förmlich auseinander. Der zum US-Präsidenten nachgerückte Andrew Johnson forcierte die Suche nach Davis und setzte 100.000 Dollar Belohnung aus. Davis und seine Minister reisten weiter über South Carolina nach Georgia und hielten dort in der Stadt Washington am 5. Mai die letzte Sitzung ab. Hiernach löste Davis das Kabinett auf.

      Fünf Tage später, am 10. Mai, wurde er in Irwinville, Georgia von Unions-Kavallerie gestellt und zusammen mit seiner Frau und zwölf Begleitern verhaftet. Sein Gepäck aber war bereits auf die Eisenbahn verladen worden und wurde erst einen Monat später in Cedar Key, Florida ausfindig gemacht.

      Mit der Verhaftung von Präsident Davis und seiner Regierung galt die Konföderation offiziell als aufgelöst. Viele Regierungs-Unterlagen waren noch aus Richmond gerettet worden, bevor das Feuer alles andere zerstörte. Sie wurden der US-Verwaltung übergeben. Trotz aller Lückenhaftigkeit sind sie bis heute die wichtigste Grundlage, die Geschehnisse auf der konföderierten Seite historisch aufzuarbeiten.

      Wenn man einen Film darüber drehen würde, käme jetzt wohl der Abspann und die Erzählung wäre beendet. In der Wirklichkeit aber blieb ein riesiges und in weiten Teilen zerstörtes Gebiet zurück, in dem es irgendwie weitergehen musste. Sehen wir uns kurz an, was dieser Krieg zurückgelassen hat.

      Vor dem Krieg gab es auf dem Gebiet der neuen Konföderation 297 Städte, in denen 14 Prozenz der Bevölkerung lebten. Das ist nicht viel, da die meisten Menschen in der Landwirtschaft tätig waren. 1865 waren 11 der größten Städte völlig zerstört, und der Anteil der Stadtbewohner insgesamt war auf gerademal ein Prozent gesunken. Wer konnte, war auf das Land geflüchtet, um sich dort irgendwie durchzuschlagen und selbst zu ernähren.

      Aber auch das war schwierig, weil die Farmen entweder heruntergewirtschaftet oder unbrauchbar waren, ausgeplündert und niedergetrampelt als Schauplatz von Kämpfen, oder mutwillig zerstört durch marodierende Unions-Armeen. Pferde, Maultiere oder Rinder waren entweder konfisziert oder getötet worden.

      Und selbst wenn an einigen, vom Krieg weniger betroffenen Stellen noch angebaut und geerntet werden konnte, so fehlte es an Transportmöglichkeiten von dort zu den Märkten. Feste Straßen gab es kaum oder sie waren durch die Armeen zerstört worden, Fuhrwerke und Zugtieren waren wie gesagt Mangelware. Noch viel schlimmer traf es die Eisenbahn. Nahezu das gesamte, ohnehin recht dünne Schienennetz des Südens war verschlissen, zerstört oder abtransportiert worden. Dieser Wiederaufbau würde sehr viel Geld kosten, aber das gab es im Süden nicht mehr.

      Wissenschaftler haben später errechnet, dass durch den Krieg im Süden Werte für 3,3 Milliarden Dollar (heutigen Wertes) vernichtet wurden, was in der damaligen Zeit eine ungeheure Summe war. Hauptsächlich waren es der Verlust von Arbeitskraft durch gefallene Weiße und freigelassene Sklaven, Ausgaben für das konföderierte Militär, und Zerstörungen. Da das Währungssystem des Südens durch die Inflation der letzten Jahre wertlos war, war man auf Hilfe aus dem Norden oder dem Ausland angewiesen.

      Die Freilassung der Sklaven führte dazu, dass große Teile des Wirtschaftssystems des Südens schlicht und einfach nicht mehr funktionierten. Sklaven stellten für ihre Besitzer eine wertvolle Investition dar, so wie heutzutage Maschinen und Roboter für die Industrie - teuer in der Anschaffung, aber wertvoll für den Betrieb. So unmenschlich das klingen mag, aber durch die Freilassung gingen den Farmen und Plantagen diese Werte ersatzlos verloren. Gleichzeitig boten sich viele Farbige als bezahlte Arbeiter an, nicht selten auch an ihre ehemaligen Herren. Diese hatten aber kaum die Mittel, die Löhne zu bezahlen, weil sie nach Verlust der in den Sklaven gebundenen Investitionen kaum noch flüssige Mittel dazu hatten.

      Deshalb entwickelte sich ein System, das "Sharecropping" genannt wurde, zu deutsch etwa: Anteil an der Ernte. Plantagenbesitzer stellten Farbige als Arbeiter an und verpachteten ihnen einzelne Parzellen ihres Landbesitzes, auf denen sie eine kleine eigene Existenz aufbauen konnten. Aber da man ja bis zur Ernte kein Geld erwirtschaftete, bezahlten die Arbeiter ihre Pacht für dieses Land nicht mit Geld sondern mit ihrer Arbeitsleistung. Erst der Erlös für die Ernte wurde dann aufgeteilt.
      *2.1

      Viele Farbige aber wollten nicht mehr auf den Feldern arbeiten, insbesondere nicht unter ihren früheren Herren. Sie wanderten in die verbliebenen Städte ab, wo man ihnen jedoch weiterhin mit großen Vorbehalten begegnete. Um zu überleben, mussten sie sich mit niedrigsten Tätigkeiten zufrieden geben, für die sie zudem noch viel schlechter bezahlt wurden wie die Weißen. So schufteten sie häufig als Eisenbahn- oder Sägewerksarbeiter, Hoteldiener oder Laufburschen, Frauen wurden Köchin, Wäscherin, Zimmer- oder Kindermädchen. Viele Farbige, die auf dem Land aufgewachsen waren, vertrugen die Enge der Städte nicht und starben an Krankheiten.
      *2.2

      Für den Wiederaufbau der Wirtschaft in den Südstaaten fehlte es auch ganz besonders an geeigneten Arbeitskräften. Rund ein Viertel der Männer im kriegsdienstfähigen Alter waren gefallen, viele Weitere durch Verwundungen oder Amputationen nicht mehr arbeitstauglich. Das Pro-Kopf-Einkommen war im Laufe des Krieges um 65 Prozent gesunken.

      Ohne Hilfe von Außen hätte es der Süden also nicht schaffen können, wenigstens langsam wieder auf eigene Füße zu kommen. Die Politik tat zwar eher wenig und beließ es bei Beschwörungen der Einheit und Zusammengehörigkeit, aber finanzstarke Investoren und große Unternehmen des Nordens entdeckten die Südstaaten als lohnendes Geschäftsfeld.

      Der besonders vordringliche Wiederaufbau und die Erweiterung des Eisenbahnnetzes beispielsweise führte dazu, dass viele Bahngesellschaften im Norden, die dort untereinander in bitterer Konkurrenz standen, nun plötzlich ruinierte Strecken im Süden übernahmen, sanierten und durch eigene Verlängerungen versuchten, neue Absatzmärkte für Schienentransporte zu erschließen. So positiv diese Entwicklung begann, kann hier schon vorrausschauend gesagt werden, dass kein Unternehmen ohne eigene Gewinnabsichten im Süden investierte. Als 1873 eine große Bankenpanik ausbrauch, war es damit schlagartig vorbei und viele Projekte wurden nie fertiggestellt oder garnicht erst begonnen.

      Aber so ganz tatenlos war die Politik auch wieder nicht. Allerdings entzündeten sich an der Frage des Umgangsmit dem Süden immer mehr Streitigkeiten, die zu Radikalisierungen und Kampf um die Vorherrschaft in Washington führten anstatt dem Süden effektiv zu helfen. Und dies soll in den folgenden Kapiteln beschrieben werden.

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      *2.1 FiS 3. Staffel, die Farbigen, die für Madeline arbeiten, aber kein Geld sondern erst einen Teil des Erlös aus der Ernte erhalten sollen.

      *2.2 FiS Folge 10, die Abwanderung der Sklaven nach Lincoln's Proklamation. Ein Verbleib auf der Plantage kam für sie selbst nach Brett's eindringlicher Bitte nicht infrage, sondern sie strebten in die Stadt in der Zuversicht, dort Arbeit für Lohn zu finden.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 3 - Präsident Andrew Johnson

      Reconstruction - Kapitel 3 - Präsident Andrew Johnson

      Jeder gewählte US-Präsident darf sich sein Kabinett aus Ministern selbst zusammenstellen. Dabei ist es seine freie Wahl, ob seine Minister der gleichen Partei angehören wie er selbst, einer anderen oder auch garkeiner politischen Partei.

      Abraham Lincoln nutzte dieses Vorrecht schon 1861 und berief einige Minister aus der oppositionellen Demokratischen Partei in sein Kabinett. Einerseits wollte er angesichts des drohenden Krieges eine "Regierung der Nationalen Einheit" formieren, andererseits suchte er über diese Minister auch den Rückhalt der Demokraten im Kongress, um die absehbar unpopulären Maßnahmen zur Kriegsführung durchzusetzen.

      Bei seiner Wiederwahl ging Lincoln noch einen Schritt weiter und ernannte Andrew Johnson, Mitglied der Demokratischen Parteil, zu seinem Vizepräsidenten. Zudem stammte Johnson aus Tennessee, einem Staat im Süden, und war dort von Lincoln seit 1862 als Militärgouverneur eingesetzt worden. Traditionell hat ein Vizepräsident politisch nicht besonders viel Gewicht, durch Lincoln's Tod änderte sich dies schlagartig.

      Andrew Johnson, geboren 1808 in Raleigh, North Carolina, wuchs in Tennessee auf, studierte Jura, und ging schon bald in die Politik. Vor dem Krieg war er bereits jeweils mehrere Jahre lang US-Kongressmitglied für seinen Heimatstaat, Gouverneur in Tennessee, und US-Senator. Als Tennessee bereits ab 1862 überwiegend von US-Einheiten besetzt war, setzte ihn Lincoln als Militärgouverneur ein. Johnson richtete in diesen drei Jahren in Tennessee wieder eine ordentliche öffentliche Verwaltung ein und legte die Basis, dass dieser Staat bereits ein Jahr nach Kriegsende mit deutlichem Abstand vor allen anderen ehemals konföderierten Staaten wieder in die Union aufgenommen wurde.

      Nun war der Mann, der eigentlich als "stille Mehrheitsbeschaffer-Reserve" gedacht war, plötzlich selbst Präsident der Union. Die - wenn auch nur noch geringe - republikanische Mehrheit im Kongress beobachtete dies mit Argwohn. Aber Johnson bemühte sich, die von Lincoln vorbereitete sanfte und möglichst schmerzfreie Wiedereingliederung des Südens voranzutreiben. Leider fehlte es ihm am Charisma und den rednerischen Fähigkeiten seines Vorgängers. Seine Redeweise mit südlichem Akzent in teilweise als grob empfundener Wortwahl stieß auch immer wieder auf Ablehnung und führte dazu, dass er insbesondere in der Presse als ungebildeter Hinterwäldler verspottet wurde.

      Nach dieser kurzen Charakterisierung der neuen zentralen Figur in der US-Politik sehen wir uns an, mit welcher schwierigen Situation er plötzlich fertig werden musste.

      Noch an Lincoln's Sterbebett wurde Johnson am 15.04.1865 zum 17. US-Präsident vereidigt. Bis Lincoln in seine Heimat gebracht und dort beigesetzt war, ruhte in Washington das gesamte politische Leben in erstarrter Trauer. Währenddessen kapitulierte mit General Johnston in North Carolina die zweite und letzte große Armee der Konföderation. Am 10. Mai erklärte der neue Präsident Johnson die Rebellion und den bewaffneten Widerstand für weitgehend überwunden und damit den Krieg für beendet.

      Es wurde viel Wert auf den raschen Wiederaufbau des Transportwesens gelegt. Eisenbahnen, Straßen, Binnenschifffahrt auf den Flüssen und die Atlantikhäfen mussten repariert werden. Um Investoren aus dem Norden anzulocken, versprachen viele Staaten des Südens kräftige Subventionen, für die sie selbst aber schon bald die Steuern deutlich erhöhen mussten. Mehr zu dieser Entwicklung im Kapitel über Präsident Grant und die Bankenpanik von 1873.

      Johnson wusste, dass sich Tennessee auf dem besten Wege befand, rasch wieder volles Mitglied in der Union zu werden. Für die zehn anderen Staaten setzte er Gouverneure und provisorische Regierungen ein, die dort ebenfalls möglichst rasch funktionierende neue Strukturen errichten sollten. Dass hierbei viele ehemalige politische und militärische Führer der Konföderation in neue Ämter gelangten, nahm er bewusst hin, da es nach den Verlusten und Verwerfungen des Krieges nicht anders möglich war, Personen mit Führungseigenschaften zu finden, die die von der Bevölkerung akzeptiert wurden und entsprechend der Verfassung Einwohner des betreffenden Staates sein mussten.

      Bevor ein ehemals konföderierter Führer oder Soldat ein neues Amt antreten konnte, musste er natürlich von Schuld und Strafverfolgung aus seiner Zeit als Rebell, politisch Abtrünniger und Kriegsgegner freigesprochen werden. Der Krieg hatte alle Soldaten des Südens auf Ehrenwort entlassen, juristisch wurden sie aber weiterhin als Kriegsgefangene betrachtet, entweder bis zu einem Gefangenenaustausch oder einer Amnestie. Aber Gefangenenaustausche konnte es nicht mehr geben, da die staatliche Einheit wiederhergestellt war.

      Deshalb stellte Präsident Johnson im Juni 1865 eine Generalamnestie für alle Südstaatler in Aussicht, ungeachtet ihrer früheren politischen oder militärischen Position in der Konföderartion. Der Protest aus dem US-Kongress folgte umgehend.

      Insbesondere die immer lauter werdende extreme Strömung innerhalb der Republikanischen Partei - die Radikalen Republikaner - begann nun, den Präsidenten öffentlich zu diskreditieren und unverhohlen gegen ihn zu arbeiten. Auch kündigten diese Radikalen an, die Sitze im Kongress zu verweigern, sollten auf diese Weise gebildete Regierungen aus den Südstaaten ihre Abgeordneten entsenden. Einzige Ausnahme war auch hier wiederum Tennessee, das am 24. Juli 1866 formal wieder in die Union aufgenommen wurde.

      Am 6. Dezember 1865 setzte Präsident Johnson den 13. Verfassungszusatz in Kraft, der Sklaverei und Leibeigenschaft im gesamten Gebiet der USA untersagte. Dieser Artikel war noch von Abraham Lincoln angeregt worden. Wie bei Verfassungsänderungen erforderlich, hatten sämtliche US-Staaten auch diesen Zusatz ratifizieren müssen. Was im Norden ohne große Verzögerung vonstatten ging, brauchte im Süden verständlicherweise etwas Nachdruck. Deshalb machte Johnson die Verabschiedung des Artikels zu einer der Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Staates in die Union.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 4 - Das Ende der großen Armeen

      Reconstruction - Kapitel 4 - Das Ende der großen Armeen

      Ende Mai 1865 war der Krieg nach vier blutigen Jahren endlich vorüber. Nach Abraham Lincoln's Vorgaben galten alle Südstaatler, die ihre Waffen niedergelegt hatten, zwar noch als Kriegsgefangene, durften aber direkt nach Hause gehen, wenn sie beschworen, keine Waffe mehr gegen die Vereinigten Staaten zu erheben und Recht und Gesetz nach der US-Verfassung zu achten. Dies nannte man "Entlassung auf Ehrenwort", englisch "discharged on parole".

      Auf der anderen Seite standen aber noch die Soldaten der Union. Ihre augenblickliche Zahl lag bei Kriegsende bei mehr als 250.000 Mann. Der überwiegende Teil davon waren Freiwillige oder Wehrpflichtige, die von ihren jeweiligen Heimatstaaten gestellt wurden, und die nach Kriegsende wieder dorthin zurückkehren sollten.

      Gleichzeitig hatte der neue US-Präsident Andrew Johnson noch das Problem, dass das öffentliche und politische Leben von Washington so kurz nach Lincoln's Ermordnung noch immer in tiefer Trauer erstarrt war. Johnson erkannte, dass eine Siegesfeier diese Lethargie lösen konnte. Sie sollte nicht zu übertrieben insziniert werden, aber auf der anderen Seite doch groß genug, um der Bedeutung gerecht zu werden, nach vier Jahren endlich den Frieden errungen zu haben.

      Die drei größten Armeen lagen augenblicklich nicht allzuweit von Washington entfernt. Die Potomac-Armee befand sich wenige Tagesmärsche entfernt in Nord-Virginia, die Tennessee- und die Georgia-Armee etwas weiter südlich in North Carolina. Johnson ließ sie alle drei nach Washington kommen und organisierte eine große zweitägige Parade durch die Stadt, nicht nur für die Bewohner von Washington, sondern auch für jeden einzelnen Soldaten, der zum Abschluss persönlich an seinem Präsidenten und an Oberbefehlshaber Grant vorbeimarschieren durfte.

      Rasch wurden auf den Wiesen rund um die Stadt und bis nach Virginia hinein gewaltige Zeltstädte errichtet. Die Potomac-Armee kam zu Fuß, die beiden anderen aus North Carolina mit der Eisenbahn. Dann wurde der Drill nochmals aufgefrischt, die Uniformen herausgeputzt, die Pferde gestriegelt, und die Kanonen gewienert. Offiziere, die jahrelang weit voneinander entfernt zugeteilt waren, trafen sich wieder. Und Soldaten ergingen sich in Erinnerungen und Heldengeschichten, nicht selten mit Alkohol, was im Überschwang auch zu zahlreichen Handgreiflichkeiten führte.

      Am 23. Mai kündigte um 9 Uhr ein einzelner Kanonenschuss den Start der Parade an. 80.000 Mann der Potomac-Armee marschierten die breite Pennsylvania Avenue vom Kapitol zum Weißen Haus hinauf, immer 12 Mann in einer Reihe. Ganz vorne ritt ihr Kommandeur, General George Gordon Meade, der Sieger von Gettysburg. Als er die Ehrentribüne vor dem Weißen Haus erreichte, stieg er von seinem Pferd, salutierte zu Johnson und Grant, wandte sich dann der Parade zu und erbrachte seinen Männern denselben militärischen Gruß. Sechs Stunden lang zogen Infanteristen, die Artillerie und zuletzt die Kavallerie an den Ehrengästen und tausenden Schaulustigen vorüber.

      Am 24. Mai wiederholte sich das Schauspiel. Nun waren die beiden Armeen aus dem Westen dran, zusammen 65.000 Mann und angeführt von General William Tecumseh Sherman, dem Helden von Georgia. Hinter den Soldaten folgte ein Zug befreiter Farbiger und andere Abenteurer, sie den Armeen schon aus dem Westen gefolgt waren. Den Abschluss bildeten Rinder und andere Tiere, die man von den Farmen der Carolinas mitgenommen hatte.

      Hiernach kehrten die Soldaten in die großen Zeltlager zurück. Sie mussten nun auf ihre Abmusterung warten. Die gewaltige militärische Struktur, die während des Krieges unaufhörlich angeschwollen war, musste nun planvoll zurückgebaut werden. Das begann Juni bis August mit der formalen Auflösung der Armeen, Corps, Divisionen und Brigaden. Übrig blieben somit nur:

      1. die Berufssoldaten. Sie legten ihren jeweiligen Rang ab, den sie durch Beförderungen über die Freiwilligen-Armeen erhalten hatten, und nahmen den Rang wieder an, der sie in der ständigen US-Armee innehatten und der in aller Regel deutlich niedriger war. Aber in der letztlich übrig bleibenden Berufsarmee sind eine solche Menge hoher und höchster Generäle wie zu Kriegszeiten unnötig. Die meisten Offiziere, die nach Kriegsende nicht gleich ihren Abschied aus der Berufsarmee nahmen, wurden hingegen bei kommenden Beförderungen deutlich bevorzugt.

      2. die Offiziere aus Freiwilligen-Regimentern, die durch Beförderungen in höhere Kommandos wie Brigaden und Divisionen gelangt waren, welche nun aufgelöst waren. Sie erhielten von der US-Regierung je nach Rang, Dienstzeit und erlittenen Verwundungen großzügige Abfindungen und eine Pension und wurden in die Heimat entlassen. Manche blieben auch und wechselten in die Berufsarmee.

      3. die vielen Soldaten und kleinen Offiziere in den Regimentern, die seinerzeit von den einzelnen Staaten der Union aufgestellt, ausgerüstet und zur Zentralregierung in Washington abgestellt worden sind. Diese Männer gaben der Reihe nach ihre Ausrüstungen und Waffen ab und erhielten ihren Sold. Wer sich 1864 nach Ablauf der ursprünglichen Dienstzeit für weitere Jahre verpflichtet hatte, erhielt auch ein Zertifikat für die hierfür versprochene Farmland-Parzelle im Westen. Währenddessen erledigten hunderte Mitarbeiter des Kriegs- und des Finanzministeriums die komplizierten Kostenerstattungen mit den Herkunftsstaaten all dieser Männer.

      Bis zum Wintereinbruch waren auf diese Weise rund 200.000 Männer in die Heimat zurückgeführt worden. Weitere 50.000 wurden noch für Bewachungsdienste gebraucht, die aber auch im Laufe des nächsten Jahres beendet wurden.

      Durch die Disziplin, die die Soldaten über die Jahre verinnerlicht hatten, lief auch alles ruhig und planvoll ab. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und kultureller Abwechslung im Camp war sichergestellt. Viele der Männer nahmen die Wartezeit vor Washington trotz zunehmendem Heimweh eher als Erholungsurlaub.

      Die gewaltigsten Armeen, die jemals auf amerikanischem Boden gestanden waren, hatten damit aufgehört zu existieren. Aber das Militär sollte in den kommenden Jahren noch eine Rolle spielen - wenn auch nun unter der direkten Führung der Politik und deshalb weitaus weniger geordnet.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 5 - Wer hat das Sagen über den Süden?

      Reconstruction - Kapitel 5 - Wer hat das Sagen über den Süden?

      Wie bereits erwähnt, sah sich Präsident Andrew Johnson einer immer stärker werdenden Radikalisierung des Kongresses gegenüber, der ihn wiederum als Demokraten aus dem Süden abstempelte und seine Rekonstruktionsprolitik als viel zu langsam und weich gegenüber dem Süden kritisierte. Das amerikanische Regierungssystem kann aber nur dann gut funktionieren, wenn beide Seiten konstruktiv zusammenarbeiten. Wozu es führen kann, wenn sie zu erbitterten Gegnern werden, zeigt sich auch in jüngster Zeit immer wieder - sei es durch die radikale, alles blockierende republikanische Tea Party-Bewegung oder die Unfähigkeit, einen verfassungskonformen Haushalt auszuhandeln.

      Für Amerika war es im Jahr 1866 das erste Mal, dass eine solche politische Patt-Situation entstand. Der Kongress unter republikanischer Mehrheit begann, besonders unter den Wortführern der radikalen Strömungen, dem Präsidenten jede Regierungskompetenz abzusprechen, und entwickelte die Meinung, selbst die bessere Restaurationspolitik zu machen. Deshalb legte man zwei neue Gesetze vor, die die sofortige und vollständige Emanzipation der Farbigen nach ihren Vorstellungen voranbringen sollte.

      Das erste Gesetz sollte die Befugnisse des Freedmen's Bureau stark erweitern, was sogar die Einbeziehung des Militärs beinhaltete. Denn der Kongress fürchtete, dass in der von Johnson betriebenen Weise eine Unterdrückung von Farbigen durch Weiße nicht wirksam verhindert werden konnte. Dies lief dem Vorgehen von Johnson zuwider, der die öffentliche Ordnung im Süden nicht dem Militär sondern zivilen Volksvertretern überlassen wollte, um eine Ablehnungung der Bevölkerung bis hin zum Aufstand zu vermeiden.

      Das zweite Gesetz sollte den ehemaligen Sklaven sofort und uneingeschränkt sämtliche Bürgerrechte und das Wahlrecht übertragen. Dies hatte natürlich auch Johnson zum Ziel, jedoch nicht so schnell und radikal, ebenfalls weil die weiße Bevölkerung im Süden bei diesem Prozess nicht vor den Kopf gestoßen werden sollte. Die Integration der landesweit rund vier Millionen Farbigen in das Lebens- und Arbeitsumfeld der Weißen sollte sich nach seinen Vorstellungen so vollziehen, dass die gesamtwirtschaftliche Lage nicht mehr als notwendig darunter zu leiden hatte.

      Deshalb kassierte Johnson beide Gesetzesvorhaben mit seinem Veto und führt damit den offenen Bruch mit den Radikalen Republikanern im Kongress herbei.

      Am 24. Juli 1866 konnte Johnson dagegen einen ersten Erfolg verbuchen, als Tennessee als erster der elf ehemaligen Südstaaten wieder in die Union aufgenommen wurde. Der Staat hatte eine gemischt-rassige Staatsregierung gewählt und eine Verfassung verabschiedet, die die Sklavei verbat. So konnte sich der Kongress nicht weigern, die Tennessee-Abgeordneten in ihre Kammern aufzunehmen.

      Johnson wollte diesen Erfolg für sich ausnutzen und ging im August und September 1866 auf eine Ansprachen-Tournee durch die Nordstaaten. Angesichts der anstehenden Kongresswahl im Herbst wollte er für seine Politik und die Demokratische Partei werben. Agenten der Radikalen Republikaner jedoch streuten Informationen aus, wonach sich Johnson ungebührlich benehmen würde. Hierauf wurde Johnson bei seinen Ansprachen verlacht und ausgepfiffen. Zuletzt verlor er deshalb die Beherrschung und beschimpfte seine Zuhörer. Dies zerstörte seine politische Repuation nachhaltig. Die Radikalen Republikaner dagegen rieben sich die Hände.

      In logischer Konsequenz konnten die Radikalen bei der Wahl im November 1866 stark zulegen und erreichten in beiden Häusern die Zweidrittel-Mehrheit. Dies erlaubte ihnen, Gesetze auch über Johnson's Veto hinweg inkraft zu setzen. Somit begann der Kongress auch ganz offiziell, seine eigene Rekonstruktionspolitik umzusetzen. Zur Unterscheidung zur Politik des Präsidenten ("Presidential Reconstruction") wurde dies von Parteigängern die "Congressional Recontruction", von Gegnern die "Radical Reconstruction" genannt.

      Als ersten Schritt setzte der Kongress die zivilen Gouverneure und Regierungen im Süden ab und versetzte die Südstaaten mit Ausnahme von Tennessee unter Militärverwaltung. Johnson versucht noch, die Weisungsbefugnis der Kommandeure der neuen fünf Militärdistrikte über zivile Behörden zu sperren, aber erneut erfüllte Kriegsminister Stanton stattdessen die Wünsche des Kongresses.

      Als Nächstes erhielten alle Bürger im Süden, ungeachtet ihrer Hautfarbe, die vollen Bürgerrechte, die Männer auch das Amts- und Wahlrecht. Ausdrücklich ausgenommen hiervon waren rund 10-15.000 Weiße, die leitende Beamte oder Offiziere der Konföderation gewesen waren. Neue Wahlen wurden angesetzt, diesmal unter der Aufsicht des Militärs.
      *5.1

      Das Freedmen's Burau wurde nun von Offizieren geführt und wachte über die Grundrechte der Farbigen, handelte für sie Arbeitsverträge aus, errichtete Schulen und Kirchen für Farbige und beeinflusste diese unter dem Deckmantel der politischen Aufklärung ganz nebenbei massiv für die Politik der Republikaner und gegen Johnson.
      *5.2

      Nun setzte eine Welle von Zuwanderern aus dem Norden ein: Lehrer für die neu eingerichteten öffentlichen Schulen, Missionare zur Bekehrung und Taufe der Farbigen, Händler und andere Geschäftsleute zur Versorgung der Bevölkerung mit Waren aus dem Norden, und natürlich Politiker, die sich im Süden Chancen erhofften, in entsprechende Ämter gewählt zu werden.

      Die weiße Bevölkerung im Süden verhielt sich reserviert gegenüber diesen Neuankömmlingen und gab ihnen den Beinamen "Carpetbagger", nach dem englischen Wort "carpet bag", einem Seesack für die Reise mit leichtem Gepäck. Südstaatler befürchteten, Carpetbagger würden nur aus der Situation vor Ort ihren persönlichen Vorteil ziehen wollen oder den letzten Rest des Landes ausplündern. Bis heute hat sich der Begriff als Synonym für jemanden gehalten, der in einem Gebiet ein öffentliches Amt anstrebt, in dem er selbst keine familiären Wurzeln hat oder erst neu hinzugezogen ist.

      Ermuntert durch Agitatoren aus dem Norden versuchten sich viele Farbige nun in der Politik. In fast allen Staaten entstanden republikanische Koalitionen aus befreiten Skaven, Zuwanderern beider Hautfarben sowie einheimischen Weißen, die die Rekonstruktionspolitik des Kongresses zumindest billigten. Auch die Konvente, auf denen die neuen Verfassungen jedes Staates ausgearbeitet wurden, waren von Delegierten beider Hautfarben besetzt.
      *5.3

      Auf der anderen Seite begegnete die konservative Opposition aus zumeist weißen Ansässigen dieser republikanischen Übermacht zunehmend mit Ablehnung, aber auch mit Druck oder Gewalt. Geheimbünde wie der Ku-Klux-Klan, die White Legion oder die Red Shirts entstanden aus diesem Gefühl, vom Norden fremdbestimmt zu werden. Hierzu später mehr.

      Der radikale Wechsel von Präsident Johnson's zögerlicher Politik auf das forsche Vorgehen der Republikaner brachte im Sommer 1868 dann auch rasche Ergebnisse. Sechs weitere Südstaaten hatten verfassungsgemäße Regierungen, hatten den 13. und den neuen 14. Verfassungszusatz unterzeichnet, und wurden zwischen 22. Juni und 13. Juli wieder vollwertiges Mitglied der Union.

      Nur Virginia, Georgia, Mississippi und Texas mussten noch auf ihre Wiederaufnahme in die Union warten, da sie noch nicht alle Voraussetzungen erbringen konnten, insbesondere die effektive Beseitigung verbliebener sezessionistischer Strömungen.

      Der erwähnte 14. Verfassungszusatz trat am 9. Juli in Kraft und garantierte allen Bewohnern der Vereinigten Staaten die vollen Bürgerrechte und die Gleichheit vor Recht und Gesetz.

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      *5.1 FiS 3. Staffel, Madeline beklagt gegenüber George, dass Orry's Mörder wohl auch deshalb nie gefunden wird weil die Besatzungsmacht kein Interesse an effektiven Ermittlungen hat

      *5.2 FiS 3. Staffel, die aufhetzende Ansprache von Mr. Klawdell vor den Farbigen in der Lagerhütte

      *5.3 Romanvorlage "North and South" Band 3: ein Farbiger von Madeline's Plantage ist Delegierter des Verfassungskonvents in Charleston, SC. Dagegen ist die in FiS-Folge 14 gezeigte Versammlung kein Verfassungskonvent sondern ein rein mit Farbigen besetztes Symposium, um die Interessen dieser Bevölkerungsgruppe für den Text der Verfassung zusammenzutragen.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 6 - Wie man einen Präsidenten los wird

      Reconstruction - Kapitel 6 - Wie man einen Präsidenten los wird

      Nachdem die Radikalen Republikaner die Zweidrittel-Mehrheit im Kongress erlangt hatten, war ihr Selbstwusstsein riesengroß. Sie wussten, dass der US-Präsident gegen sie machtlos und gezwungen war, Gesetze zu unterzeichnen, die er selbst mit seinem Veto nicht verhindern konnte.

      Einzig die Verhängung der Militärverwaltung über die Südstaaten gab dem Präsidenten etwas Handlungsmöglichkeit, da er ja verfassungsgemäß oberster Befehlshaber aller Streitkräfte war (engl: "commander in chief"). Aber selbst hier hatte Johnson den Feind im eigenen Kabinett. Kriegsminister Edwin M. Stanton, der in der Befehlskette zwischen dem Präsidenten und der Armee stand, gehörte zu den Radikalen Republikanern. So lenkte Stanton die Armee nicht nach Johnson's Vorgaben sondern nach den Wünschen des Krongresses.

      Sowohl Stanton als auch der Kongress mussten befürchtete, dass Johnson seinen Kriegsminister absetzen und durch einen Mann ersetzen würde, der auf der Seite des Präsidenten stand. Deshalb brachte der Kongress den "Tenure of Office Act" ein, zu deutsch: das Amtsvorbehaltsgesetz. Nach diesem Gesetz sollte der Präsident einen Amtsinhaber, den er selbst eingesetzt hatte, nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Senates wieder absetzen können. Jeder wusste, dass dieses Gesetz speziell zum Schutz von Kriegsminister Stanton verfasst wurde, aber offiziell wollte das natürlich niemand bestätigen. Johnson legte sein Veto ein, weil er es im Widerspruch zu Verfassung sah, der Senat übersteuerte dies mit seiner Mehrheit, und so trat es am 3. März 1867 doch in Kraft.

      Als sich das Verhältnis mit Stanton zuspitzte, nutzte Johnson eine Sitzungspause des Senates, suspendierte Stanton am 5. August 1867 vom Amt des Kriegsministers, ernannte Ulysses S. Grant zum Interims-Kriegsminister, und legte - wie es in dem neuen Gesetz verlangt wurde - dem Senat die Entlassung von Stanton zur Entscheidung vor. Johnson's Wahl für einen neuen Kriegsminister fiel aus mehreren Gründen auf Grant. Zum Einen war der aktuelle US-Oberkommandierende wohl der beste Kenner der Armee seiner Zeit, zum Zweiten genoss er in der Bevölkerung sehr viel Respekt und Sympathie, und zum Dritten hoffte Johnson, dass sich der Senat nicht über die beiden anderen Punkte hinwegsetzen würde, nur um den Parteigänger Stanton zu halten.

      Bei der nächsten Zusammenkunft am 7. Januar 1868 reagierte der Kongress, indem er Johnson's Schritt als Verletzung des Amtsvorbehaltsgesetzes wertete, Stanton's Entlassung verwarf und diesen damit faktisch wiedereinsetzte.

      Grant hatte sein neues Amt in der Zwischenzeit garnicht antreten können, da sich Stanton im Kriegsministerium verbarrikadiert hatte und sich weigerte, den Posten zu räumen. Am 28. Januar teilte Grant Johnson dann schriftlich mit, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe, da er kein Interesse daran hatte, in das Räderwerk politischer Machtspiele zu geraten und auch die Vermarktung seiner Popularität nicht wünschte. Der ebenfalls angefragte William T. Sherman hatte zuvor schon aus pauschaler Abneigung gegen jedwedes politisches Geschäft abgelehnt.

      Präsident Johnson fand schließlich doch noch einen Kandidaten und berief den Generaladjutanten der US-Armee, Lorenzo Thomas. Doch als dieser das Ministerium zur Amtsübernahme betrat, ließ Stanton ihn kurzerhand verhaften. Doch kurz darauf wurde die Anklage wieder fallengelassen, weil Stanton nun befürchtete, dass das Amtsvorbehaltsgesetz im anschließenden Gerichtsverfahren auf seine Verfassungsmäßigkeit geprüft werden konnte. Stattdessen beschuldigte er Präsident Johnson öffentlich des Gesetzesbruches, indem er ein Kabinettsmitglied ohne Zustimmung des Senates aus dem Amt entfernt habe.
      *6.1

      Am 24. Februar 1868 beschloss der Kongress, gegen Präsident Johnson nach Artikel 2 der US-Verfassung das Verfahren zur Amtsenthebung einzuleiten, und stellte eine Anklageschrift über elf Punkte zusammen. Als sofortige Reaktion auf diesen bislang einmaligen Vorgang sammelten sich die Demokraten hinter Johnson, erstmals seit dem Zerbrechen der Partei in Nord- und Süd-Franktion vor dem Krieg wieder vereint.

      Am 2. März stellten beide Kammern fest, dass die Anklageschrift in allen Punkten stichhaltig sei, und riefen beriefen nach den Bestimmungen der US-Verfassung hierüber ein Gerichtsverfahren ein. Am 13. März eröffnete der Oberste Bundesrichter im Saal des US-Senats die öffentliche Verhandlung. Die Verlesung der Anklageschrift und die Ausführungen des Klageführers dauerten drei Tage. Nach der Anhörung von zahlreichen Zeugen beider Seiten setzte der Richter die Abstimmung für den 16. Mai an. Zur Abstimmung aufgerufen waren die US-Senatoren im Kongress.

      Beide Seiten versuchten nun mit allen Mitteln, das Wahlverhalten schwankender Senatoren in ihrem Sinne zu beeinflussen. Da jede Stimme zählte, wurden selbst erkrankte Senatoren im Rollstuhl in den Saal gebracht. Drei Abstimmungen waren vorgeschrieben, um ein zweifelsfreies Ergebnis zu erzielen. Und in allen drei Abstimmungen sprachen sich 35 der 54 Senatoren für die Amtsenthebung aus. Das waren also stets genau eine Stimme weniger als die erforderliche Zweidrittelmehrheit.

      Dieser erste Versuch der Amtsenthebung eines US-Präsidenten war also gescheitert. Johnson blieb Präsident bis zum Ende seiner Amtszeit im März 1869, hatte aber politisch nun jegliche Initiative zur Gestaltung der Rekonstruktion verloren.

      Das Amtsvorbehaltsgesetz, das insbesondere Kriegsminister Stanton vor der Absetzung schützen sollte, wurde 1887 ersatzlos aufgehoben. Spätere Gerichtsverfahren bestätigten, dass es nicht verfassungskonform war und dass Johnson's Suspendierung von Stanton rechtmäßig gewesen war.

      Bislang gab es in der Geschichte der USA nur ein einziges weiteres Verfahren zur Amtsenthebung eines Präsidenten, und zwar 131 Jahre später gegen Bill Clinton, dem im Zusammenhang mit der Affäre um die Praktikantin Monica Levinski Unfähigkeit zur Amtsführung vorgeworfen wurde.

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      *6.1 FiS 3. Staffel, Stanley unterhält sich mit Kriegsminister Stanton, der offen die Absetzung des Präsidenten fordert.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 7 - Der Kampf um das alte Erbe

      Reconstruction - Kapitel 7 - Der Kampf um das alte Erbe

      In den Südstaaten gab es nach dem Krieg nicht wenige Weiße, die ihren früheren Wohlstand verloren hatten. Ihr Landbesitz war durch Beschlagnahme, Enteignung oder Zerstörung in andere Hände gegangen und wurde nicht selten Farbigen zugeteilt. Auch wollten diese Weißen den Farbigen ihre neuen Rechte nicht zugestehen, insbesondere das Recht auf Grundbesitz, auf Wahlen und auf bezahlte Arbeit.

      An vielen Stellen der ehemaligen Konföderation erkannten diese Männer, dass sie alleine nichts dagegen ausrichten konnten, und taten sich zu kleinen Gruppen zusammen. Am 24. Dezember 1865 gründeten sechs ehemalige konföderierte Soldaten in Pulaski, TN einen Bund mit dem geheimnisvollen Namen "Ku Klux Klan". Dieser ungewöhnliche Name hatte vermutlich seinen Ursprung im griechischen Wort "kuklos" für "Kreis", englisch "circle", Sinnbild für diese geschlossene Gemeinschaft.

      Die Mitglieder waren durch einen Eid zur Geheimhaltung verpflichtet. Konspirative Treffen und Rituale förderten den inneren Zusammenhalt der Gruppe. Ähnliche Gruppen entstanden nach diesem Vorbild fast überall im Süden, jedoch ohne einheitliche Strukturen oder eine übergeordnete Führung. Ihnen gemeinsam war aber das Ziel, die Vorherrschaft der Weißen wiederherzustellen, weshalb sich ihre Aktivitäten gegen die nun freien Farbigen richteten.

      Die ersten Ausprägungen des Klans hatten zum Ziel, die Farbigen lediglich zu verschrecken, da man sie überwiegend für recht abergläubisch hielt. So entwickelten die Aktivisten Erscheinungsformen, die möglichst furchterregend aussehen sollten. Einsatz bei Nacht - auch um schnell unentdeckt wieder verschwinden zu können -, weiße Kutten und Kapuzen - auch zum Verbergen der eigenen Identität -, und Fackeln sollten die Wirkung plötzlich heranstürmender Reiter verstärken.

      Unter dem Deckmantel der Geheimbünde kam es jedoch auch zu Gewaltexzessen. So wurden Felder und Häuser in Brand gesteckt, Farbige von Klan-Mitgliedern bedroht, geschlagen, verwundet oder auch getötet. Ihre Opfer ließen sie am Wegesrand liegen, um weitere Farbige abzuschrecken. In einigen Fällen verübten Klan-Gruppen auch Gewalt an Republikanern, die als Wurzel des Übels angesehen wurden.
      *7.1

      1867 trafen sich Vertreter der verschiedenen Klans in Nashville, TN, um eine hierarchische Organisation aufzubauen. Örtliche Verbände sollten einem nationalen Hauptquartier unterstehen. Da die meisten Mitglieder ehemalige Soldaten waren, waren sie militärische Strukturen eigentlich gewohnt. Im Ku Klux Klan jedoch konnten sie sich nicht durchsetzen und die örtlichen Ableger blieben äußerst eigenständig.

      Nathan Bedford Forrest, ehemaliger Kavallerie-General der Konföderation, der durch den Krieg und das Ende der Sklaverei sehr viel Geld verloren hatte, wurde der "Grand Wizard" (deutsch: der Große Hexenmeister) und damit zum nationalen Anführer des Klans. Der Titel "Grand Wizard" wurde von seinem ehrenvollen Beinamen "Wizard of the Saddle" abgeleitet, den er für seine unglaublich schnellen und effektiven Taktiken im Bürgerkrieg erhielt.

      1868 formulierte Forrest, dass sich der Klan gegen republikanische Staatsregierungen, bestimmte führende Politiker und andere "Carpetbagger", "Scalawags" und die sogenannten "Loyal Leagues" richtete. Letztere waren Vereinigungen aus Bürgern, die ihre Unterstützung für die Union kundtaten. Aber auch Forrest gelang es nicht, die unabhängigen Klan-Gruppen unter eine gemeinsame Führung zu stellen. 1869 distanzierte er sich vom Ku Klux Klan und forderte sogar dessen Auflösung, da sich der Klan vollständig von seinem ursprünglich ehrenvollen und patriotischen Zweck entfernt habe, dem öffentlichen Frieden dienlich zu sein, und sich stattdessen zunehmenden Gewaltexzessen hingab.

      Es war und ist nicht möglich, die Anzahl der Mitglieder im Ku Klux Klan zu ermitteln, da es weder örtliche Verwaltungen noch Listen oder Bücher gab. Forrest behauptete, es gäbe 550.000 Klans-Männer, und man könne in nur fünf Tagen weitere 40.000 anwerben, aber da übertrieb er sicherlich etwas. Seine öffentliche Wirkung erlangte der Klan nicht durch allzu großen Rückhalt in der Bevölkerung sondern durch sein obskures Auftreten und die zahlreichen Verbrechen.

      In den Jahren 1870 und 1871 erließ Präsident Grant drei Gesetze, die die Organisation solcher Geheimbünde untersagte, die Aktivitäten des Klans unter Strafe stellten und den Klan selbst als "terroristische Organisation" verbot. Dennoch verschwanden die einzelnen Gruppen erst langsam im Laufe der 1870er Jahre. Viele Mitglieder verließen die Gegenden ihrer Aktivitäten, um sich der Strafverfolgung zu entziehen.

      Die Bekämpfung des Ku Klux Klan durch Milizen oder die Polizei war schwierig. Viele Staaten scheuten sich, die nun auch mit Farbigen besetzten Milizeinheiten einzusetzen, um nicht zusätzliche Auflehnung zu erzeugen. 1870 versuchte es der republikanische Gouverneur von North Carolina dennoch, was seinem bereits belasteten Ruf weiter schadete. Die nächste Wahl war von heftiger Gewalt und Betrug an der Urne begleitet, die Republikaner verloren die Mehrheit im Staat, und die Demokraten klagten den Gouverneur wegen dieser und anderer Maßnahmen an und erreichtem seine Entfernung aus dem Amt.

      Neben dem Ku Klux Klan gab es noch andere Vereinigungen, die mehr oder weniger konspirativ versuchten, die alte Werteordnung der Vorkriegszeit wiederzuerlangen. Diese Gruppen waren meist politisch motiviert, wollten die als Eindringlinge gesehenen Republikaner nach Norden zurückteiben und die traditionelle Vorherrschaft der Demokraten im Süden wiederherstellen. Sie entstanden zumeist parallel zum Niedergang des Ku Klux Klan.

      Eine solche neue Form war die "White League" in Louisiana, ein Zusammenschluss von Weißen als gesellschaftliche Klasse. Als paramilitärischer Ableger der Demokratischen Partei versuchten sie, die Vorherrschaft der Weißen durchzusetzen, indem Republikaner aus Ämtern und Kommandos entfernt und Farbigen das Recht genommen wurde, an Wahlen oder politischen Vereinigungen teilzunehmen. Nachdem die Demokraten 1876 tatsächlich die Mehrheit in Louisiana erhielten, gingen die Mitglieder der "White League" zumeist in den staatlichen Milizen oder der Nationalgarde auf.

      In South und North Carolina sowie Mississippi kamen die "Red Shirts" auf. Sie entstanden auf eine Rede von South Carolina's Gouverneur hin, der den Slogan "waving the bloody shirt" (mit dem blutigen Hemd winken) ausgab. Bald schon wurde das Tragen von roten Hemden als Zeichen des Stolzes und als Widerstand gegen die unerwünschte Macht der Republikaner angesehen. Frauen trugen rote Schleifen im Haar, junge Männer zeigten an dass sie die Sache des Südens im Krieg unterstützt hätten wenn sie alt genug dafür gewesen wären. Auch diese Aktivisten versuchten, durch Druck und Terror, die Republikaner zu verdrängen, und Farbige daran zu hindern, diese zu unterstützen.
      *7.2

      Da diese Nachfolgeformen des Ku Klux Klan bis auf wenige Ausnahmen keine offene Gewalt ausübten, sondern eher als paramilitärische Wahlkampfhelfer der Demokraten angesehen werden konnten, hatten sie keine effektive Verfolgung durch die Behörden zu befürchten. Einige Gruppen existierten bis über das Jahr 1900 hinaus.

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      *7.1 FiS 3. Staffel, KKK-Umtriebe durch lokale Splittergruppen, von einfachem Erschrecken durch Masken und Fackeln bis zu Lynchmord. Auch wird Nathan Bedford Forrest als Anführer verherrlicht.

      *7.2 FiS-Roman 3. Buch: Cooper Main schließt sich den Red Shirts an.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 8 - Der unpolitische Präsident

      Reconstruction - Kapitel 8 - Der unpolitische Präsident

      Ulysses S. Grant wurde nach Kriegsende als Nationalheld verehrt. Der Mann, der zu Beginn des Krieges einer von vielen kleinen Brigadeführern war; der von seinem Vorgesetzten wegen angeblicher Trunkenheit übergangen wurde; der dann durch Hartnäckigkeit so wichtige Erfolge im Westen erzielte, dass man ihm zutraute, den grausamen Krieg zum Ende zu führen; und der dies schließlich mit genau derselben Hartnäckigkeit auch geschafft hat; diese Mann hatte stets von sich gesagt, dass er Soldat sei und kein Politiker. Und genau dieser Mann wurde Ende 1868 zum höchsten Politiker der Union gewählt.

      Wie passt das zusammen?

      Nach Kriegsende behielt Grant den Rang als Lieutenant General und Oberkommandierender aller Armeen der USA. Während um ihn herum die Truppen abgemustert und auf die reine Berufsarmee geschrumpft wurden, stand Grant im hellen Rampenlicht der Öffentlichkeit, auch wenn ihm selbst das garnicht sehr behagte.

      Präsident Johnson sandte ihn im November 1865 auf eine Reise durch den Süden, um die Lage vor Ort zu erkunden. Grant's Bericht deckte sich in weiten Teilen mit Johnson's Ansichten, eine langsame und von der örtlichen Bevölkerung getragene Rekontruktion zu führen. Auf Johnson's Vorschlag billigte der Kongress, Grant am 27. Juli 1866 zum neu geschaffenen Rang "General of the Army of the United States" zu ernennen, das dem deutschen Vier-Sterne-General entspricht.

      Grant selbst war stets politisch uninteressiert und verstand seine einzige politische Haltung nur darin, loyal zum jeweils gewählten Präsidenten zu stehen. Deshalb sah er die zunehmende Eigenmächtigkeit des Kongresses eher kritisch. In der Befürchtung, dass der andauernde Streit zwischen Johnson und dem Kongress zu Volksaufständen im Süden führen könnte, ließ er die dortigen Arsenale räumen und nach Norden verlegen. Aber gleichzeitig befremdete ihn auch das Verhalten des Präsidenten zunehmend, insbesondere nachdem er ihn auf der erwähnten Vortragsreise im Herbst 1866 begleitet hatte.

      Als der Kongress jedoch den Süden in Militärdistrikte einteilte, lag es an Grant, die geeigneten Offiziere als Militärgouverneure zuzuteilen. Grant hielt diese Form der Rekonstruktion für vertretbar, was ihn aber noch weiter von Johnson entfernte. Als Johnson Kriegsminister Stanton beurlaubte, sollte Grant diesen Posten übernehmen. Johnson wollte Grant's Popularität und Fachwissen in militärischen Dingen nutzen, aber auch verhindern, dass ihm der Oberkommandeur politsch in den Rücken fallen könnte. Aber Grant sagte am 28.01.1868 schriftlich ab. Johnson beschuldigte Grant, seine Zusage für dieses Amt nicht eingehalten zu haben, und Grant wiederum entgegnete, eine solche Zusage garnicht gegeben zu haben. Als dann noch die Johnson-freundliche Presse einige unschöne Artikel über Grant druckte, machte Grant dem Präsidenten seinen Standpunkt in einem gepfefferten Brief deutlich. Seitdem standen sie auf getrennten Seiten. Und als dann noch Grant's Brief an die Öffentlichkeit gelangte, wurde er von den Radikalen Republikanern gefeiert und ging selbst aus dieser Sache unbeschadet hervor - ganz im Gegensatz zu Johnson.

      Die Republikaner überzeugten Grant, dass er als US-Präsident die Möglichkeit hätte, die verfahrene Situation selbst zu bereinigen und die Rekonstruktion im Süden zu steuern. Grant willigte ein, und so wurde er 1868 zm Präsidentschaftskandidat. Sein simpler Wahlkampf-Slogan lautete "Let us have peace". Schwerpunkte der Kampagne waren die Fortsetzung der begonnenen Rekonstruktion im Süden, die Geldwertstabilisierung nach dem Krieg, eine effektivere Regierungsarbeit, und die Hebung der öffentlichen Achtung der Republikaner. Nach seiner Wahl mit 300.000 Stimmen Vorsprung, aber 214 zu 80 Wahlmännern, wurde er am 4. März 1869 zum 18. US-Präsidenten vereidigt. Der tief verärgerte Vorgänger Johnson nahm - erstmals in der Geschichte - nicht an der Vereindigung seines Nachfolgers teil.

      Von der Welle seiner Popularität in das höchste Staatsamt getragen, ließ Grant aber nur wenig konkrete Taten folgen. Bei Amtsantritt forderte er, in Virginia, Mississippi und Texas endlich die Voraussetzungen zur Wiederaufnahme in die Union zu schaffen, was im Januar bis März 1870 auch erreicht wurde. Nur Georgia, das urplötzlich ein Gesetz zur Entfernung von Farbigen aus Regierungsämtern erlassen hatte, musste dies erst noch rückgängig machen und folgte erst vier Monate später als letzter Staat in die Union zurück.

      Am 3. Februar 1870 unterzeichnete Grant den 15. Verfassungszusatz, der das Wahlrecht unabhängig machte von Rasse, Hautfarbe oder früherem Dienstverhältnis. Dies betraf übrigens nur Männer, da Frauen bis zur Verabschiedung des 19. Verfassungszusatzes im Jahre 1920 grundsätzlich kein Wahlrecht hatte.

      Grant befürchtete, dass das neue Wahlrecht insbesondere im Süden durch bestimmte Gruppen unterlaufen werden könnte. Hiergegen erließ er 1870 und 1871 drei Gesetze, die es unter Strafe stellten, andere Bürger durch Bedrohung, Bestechung oder Terror von der Wahrnehmung ihres Wahlrechts abzuhalten. Der Ku-Klux-Klan wurde pauschal verboten und seine Praktiken mit Strafen belegt. Außerdem wurde die Möglichkeit geschaffen, auf Antrag von Bürgern eine Wahl unter Bundesaufsicht zu stellen.

      Nun trat eine Phase der relativen politischen Ruhe ein. Die Republikaner sahen ihre Kriegsziele als letztlich vollständig erreicht an und wandten sich neuen Themen zu. Das Verschwinden der bisher so lautstarken Radikalen Republikaner lag an ihrer zunehmenden Bestechlichkeit oder ihrem Wechsel in lukrative Aufsichtsratsposten der Industrie. Grant's Wahlversprechen, für eine effektive, schlanke und gut organisierte Bundesregierung zu sorgen, erfüllte er nicht. Mehr noch, er überließ den Politikbetrieb weitgehend sich selbst. Das hatte zur Folge, dass die Korruption in großem Stil Einzug hielt. Einflussreiche gemäßigte Republikaner, die diese Entwicklung nicht guthießen, gründeten die neue "Liberal-Republikanische Partei"

      Am 22. Mai 1872 unterzeichnete Präsident Grant schließlich das Amnestie-Gesetz und hob damit Amts- und Wahlverbote für alle noch mit dieser Sperre belegten ehemaligen Konföderierten auf, mit Ausnahme von 500 ausgesuchten Personen, die ihre Amnestie persönlich beim Präsidenten beantragen mussten und in aller Regel auch erhielten.

      Ausgerechnet das Amnestiegesuch von Robert E. Lee wurde in Washington jedoch falsch abgelegt. Lee verstarb in dem Glauben, dass man ihm seine Bürgerrechte absichtlich vorenthalten hatte. Erst mehr als 100 Jahre später wurde das Schreiben zufällig im Archiv entdeckt, und der damalige US-Präsident Gerald Ford rehabilitierte Lee am 5. September 1975 posthum.

      Im Sommer 1872, in der Phase vor der nächsten Präsidentschaftswahl, entwickelte sich ein Richtungsstreit zwischen den Carpetbaggers aus dem Norden, die den Süden weiterhin unter harter Führung mit Dominanz aus dem Norden sehen wollten, und den sogenannten Scalawags, das waren weiße Republikaner-Unterstützer aus dem Süden, die für eine freie und eigenständige Entwicklung ihres Gebietes und das Ende der Militärbesatzung eintraten.

      Demokraten und Konservative formierten sich zu einer neuen Opposition und klagten die verbreitete Korruption unter den Carpetbaggers, die hohen Staatsausgaben und ruinöse Steuern zur Finanzierung des Wiederaufbaus an. Republikaner versuchten, die Arbeit der Opposition zu behindern, was diese wiederum öffentlich anprangerten. Zusammen mit immer neuen aufgedeckten Schmiergeldskandalen ging der Rückhalt von Präsident Grant in der Bevölkerung langsam aber sicher zurück.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 9 - Der Rückschlag

      Reconstruction - Kapitel 9 - Der Rückschlag

      Ende 1872 war wieder Präsidentschaftswahl in den USA. Ulysses S. Grant wurde in eine zweite Amtszeit gewählt, obwohl sein Ansehen in der Bevölkerung deutlich gesunken war. Viele Amerikaner sahen in ihm inzwischen nicht mehr den willensstarken, durchsetzungsfähigen Kriegsheld, sondern den schwachen Präsident, der die Verhältnisse im Süden und die zunehmende Korruption innerhalb der Regierung nicht in den Griff bekam, ja sogar auch selbst förderte.

      Dennoch reichte es zu einer Mehrheit für Grant. Das lag teilweise wieder einmal an dem eigentümlichen Wahlsystem, das über die zwischengeschalteten Wahlmänner nicht das tatsächliche Wählervotum erbrachte. Zum Anderen aber hatten sich die intern zerstrittenen Republikaner aufgespalten und Grant wurde von der ihm treuen Fraktion getragen, die auf der anderen Seite von seinen Zuwendungen abhing.

      Durch die Aufspaltung verloren die Republikaner auch in den ehemaligen Südstaaten ihre Dominanz. Bis 1877 verloren sie dort eine Wahl nach der anderen und mussten die meisten Staaten an die Demokraten abgeben, die sich als "Redeemer" (Wiedergutmacher) daran machten, die von den Republikanern durchgedrückten Änderungen wieder aufzuheben.

      Dann geschah im Jahr 1873 etwas sehr dramatisches: quasi von einem Tag auf den anderen brach die amerikanische Finanzwelt in sich zusammen. Dieses Ereignis, das in den Geschichtsbüchern unter der Bezeichnung "Panic of 1873", oder zu deutsch dem "Gründerkrach" geführt wird, war ein gewaltiger Rückschlag für die Wirtschaft des Landes, gefolgt von einer Phase der Depression, die weltweite Auswirkungen hatte, und deren Folgen in Amerika erst 1879 vollständig überwunden waren - in Europa teilweise noch deutlich später.

      Die Gründe für diesen Zusammenbruch sind vielfältig. So war die Währung im Norden während des Krieges trotz der enormen Anstrengungen der Wirtschaft durch geschickte Finanzpolitik stabil gehalten worden. Nach Kriegsende überließ man dies wieder dem freien Spiel des Kapitalismus. Die Wirtschaft produzierte aber weiterhin auf sehr hohem Niveau, während - insbesondere im Süden - der Konsum dieser Produkte viel zu gering war. Die Folge war eine spürbar einsetzende Inflation.

      Industrien und insbesondere die Eisenbahngesellschaften versuchten, sich in ungezügelter Konkurrenz zu behaupten und ihre Umsätze auf Kosten der Mitbewerber auszubauen. Dies führte zu regelrechten Kämpfen um Kunden. Bahngesellschaften, die auf bestimmten Routen direkt parallel zueinander verliefen, unterboden sich permanent gegenseitig in den Frachttarifen, um sich Transporte zu sichern. Gleichzeitig wurden Aktien in solcher Menge spekulativ gehandelt, dass der Börsenwert vieler großer Gesellschaften den tatsächlichen Wert um ein Vielfaches überstieg.

      1871 kam es in Chicago zum großen Stadtbrand, der nahezu die gesamte Stadt und mit ihr gewaltige Werte vernichtete. Die von Banken gehaltenen Kredite hierfür platzten überwiegend, weil die damit verbundenen Sicherheiten in den Flammen untergegangen waren. Kaum hatte sich die Finanzwelt davon einigermaßen erholt, wiederholte sich die Katastrophe 1872 in Boston. Manche Banken hatten die Verluste des "Schwarzen Freitags" von 1869 noch nicht wieder ausgeglichen und wurden deshalb doppelt getroffen.

      Der Außenhandel geriet in ein starkes Defizit. Das heißt, die USA produzierten und exportierten sehr viel mehr Waren nach Europa als von dort eingekauft wurden. Das lag größtenteils am Französisch-Preußischen Krieg, der 1870 und 1871 in Europa andere Prioritäten setzte. Hinzu kam, dass das Deutsche Reich zur Finanzierung der Kriegskosten ab 1871 keine Silbertaler mehr prägen ließ, weshalb Nachfrage und Preise für amerikanisches Silber stark fielen.

      Als Reaktion darauf erließ die Regierung das Münzgesetz von 1873, wonach neben Gold das im Wert so stark gefallene Silber nicht mehr als Währungsstütze verwendet wurde, um negative Auswirkungen auf die eigene Währungsstabilität zu vermeiden. Dies führte zu einer künstlichen Geldverknappung, was beispielsweise Farmer besonders belastete, die hohe Kredite bei den Banken offen hatten. Die darauffolgende Zurückhaltung bei neuen Investitionen verlief entgegengesetzt der übersteigerten Entwicklung bei den Eisenbahnen.

      Am 18. September konnte das Bankhaus Jay Cooke & Company, ein wichtiger Teil des landesweiten Finanzsystems, die Darlehen der Northern Pacific Railroad nicht auszahlen, und erklärte sich bankrott. Dies löste an den Finanzmärkten der USA eine sofortige Kettenreaktion aus. Zahlreiche Banken schlossen zeitweise oder auch dauerhaft, Fabriken bekamen kein frisches Geld für die Produktion und stellten Arbeiter aus, der Aktienhandel an der New Yorker Börse musste zehn Tage ausgesetzt werden. Innerhalb der ersten zwei Monate der Krise gingen 55 Eisenbahngesellschaften in Konkurs, bis Ende des darauffolgenden Jahres 60 weitere. Die USA befanden sich in einer großen Depression.

      Die Krise betraf zwar die gesamte Union, aber die Auswirkungen waren im Norden und Süden sehr unterschiedlich. Der Norden hatte erst vier Jahre zuvor den "Schwarzen Freitag" erlebt, an dem die New Yorker Banken nach staatlichen Manipulationen an den Goldreserven in akute Gefahr gerieten. Durch die praktisch noch nicht wieder vorhandene Wirtschaftsleistung und Kontrolle der Märkte durch das Militär im Süden waren dort die Auswirkungen eher gering.

      Diesmal jedoch waren im Süden durch die Bankenpanik vor allem die inzwischen angelaufenen Wiederaufbauprojekte betroffen, da viele der beteiligten Gesellschaften schließen oder die Arbeiten einstellen mussten. Manche Infrastrukturprojekte wurden garnicht mehr realisiert, andere erst ein bis zwei Jahrzehnte später, während der Norden zur Erholung seiner Wirtschaft auf eine vorhandene Infrastruktur zurückgreifen konnte. Dies vergrößerte die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Wirtschaft von Nord und Süd noch weiter. Dieses Nord-Süd-Gefällt besteht im Grunde heute noch.

      Aus politischer Sicht konnten die Demokraten aus der Krise Nutzen ziehen, nachdem sie bereits seit Jahren auf die sorglose Politik von Präsident Grant und den Republikanern hingewiesen hatten. Die Kongresswahl im Herbst 1874 drehte dann auch die Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses zugunsten der Liberal-Demokraten.

      Die Krise lenkte die öffentliche Wahrnehmung des Nordens auf die eigenen Bedürfnisse und ließ den Wiederaufbau im Süden in den Hintergrund und damit in Vergessenheit geraten. Die Radikalen Demokraten, denen im Wahlkampf erfolgreich die Schuld an der Bankenpanik zugewiesen wurde, verschwanden von der politischen Bühne, und Washington versank mehr noch als zuvor im Sumpf der Korruption.

      Bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Grant lässt sich deshalb nur ein einziges erwähnenswertes Ereignis aufzeigen: die Verabschiedung des "Civil Rights Act" (deutsch: Bürgerrechtsgesetz) zum 1. März 1875. Hierin wurde die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen, wie sie im Süden inzwischen wieder verbreitet bestand, abgeschafft. Farbige hatten nun das Recht, dieselben Eisenbahnwagen, Warteräume, Straßenbahnen, Gaststätten, Toiletten und Trinkbrunnen zu nutzen wie Weiße. Leider wurde die Umsetzung dieses Rechts noch 100 Jahre lang mit allerlei Tricks heimlich unterlaufen, bis Martin Luther King diese Missstände so öffentlich anprangerte, dass sie zu einer erneuten Verfassungsänderung führten. Aber auch heute haben Farbige bekanntlich noch immer nicht dieselben Lebensbedingungen wie ihre weißen Landsleute.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 10 - Das Ende der Rekonstruktions-Ära

      Reconstruction - Kapitel 10 - Das Ende der Rekonstruktions-Ära

      Ende 1876 war wieder ein neuer US-Präsident zu wählen. Ulysses Grant stellt sich nicht mehr zur Verüfügung, obwohl die Beschränkung auf nur zwei Amtszeiten damals noch nicht festgelegt war. Zur Wahl standen nun der Republikaner Rutherford B. Hayes, Gouverneur von Ohio und der Demokrat Samuel J. Tilden, Gouverneur aus New York. Der Ausgang dieser Wahl jedoch war bislang einzigartig in der Geschichte der USA.

      Weitere Kandidaten gab es für die Greenback Party, die Prohibition Party und die American National Party, aber sie spielten im Wahlergebnis keine Rolle.

      Wie in Amerika üblich, wählt jeder Staat für sich, und aus diesem Ergebnis werden Wahlmänner nach Washington entsendet, entsprechend dem Anteil des Staates an der Gesamtbevölkerung, die den jeweiligen Präsidentschaftskandidaten im Auftrag des Ergebnisses ihres Staates wählen. Da die Wahlmänner jedes Staates stets einstimmig für ihren Staat abstimmen, spiegeln diese Stimmen nur das absolute, aber nicht das tatsächliche, differenzierte Wahlergebnis ihres Staates wieder. Dies kann dazu führen, dass ein Präsident von Wahlmännern ins Amt gewählt wird, obwohl er keine Mehrheit dafür aus der Bevölkerung bekam.

      Die erste Auszählung nach dem Wahltag im November 1876 ergab 184 Wahlmänner für Tilden und 165 für Hayes, wobei 20 Stimmen aus vier Staaten noch offen waren. Denn in drei der Südstaaten beanspruchten jeweils beide Parteien die Mehrheit für sich, und in Oregon wurde ein Wahlmann für unzulässig erklärt.

      Die Wahlergebnisse in Florida (vier Wahlmänner), Louisiana (acht) und South Carolina (sieben) erbrachten jeweils einen Vorsprung für Tilden, aber der Wahlkampf in diesen Staaten war von Betrug und von Bedrohungen gegen republikanisch gestimmte Wähler gekennzeichnet.

      So war es damals üblich, für die noch zahlreichen Analphabethen auf den Stimmzetteln leicht erkennbare Symbole für die jeweiligen Parteien aufzudrucken. Für die Republikaner wurde beispielsweise das Konterfei von Abraham Lincoln verwendet. Eine rechtliche Festlegung hierfür gab es aber nicht. So fand sich dieses Symbol nun auf den Wahlzetteln einiger Staaten plötzlich in der Zeile der Demokraten wieder, was zu einer unbekannten Zahl unwissentlich falscher Stimmabgaben führte. Die von Republikanern angeführten Wahlkommissionen erklärten daraufhin eine ausreichende Anzahl für die Demokraten abgegebener Stimmen für ungültig und ernannten ihre Wahlmänner für den Kandidaten Hayes.

      Diese Wahlmänner-Ernennung muss nun noch von der Regierung des jeweiligen Staates abgesegnet werden. Die republikanischen Gouverneure von Louisiana und South Carolina genehmigten die republikanischen Wahlmänner, der demokratische Gouverneur von Florida sowie der oberste Richter und der bereits gewählte aber erst in wenigen Wochen in sein Amt eingesetzte demokratische Kollege von Lousiana unterzeichneten für die demokratischen Vertreter. In South Carolina erhoben die Demokraten Klage, da sie die Mehrheit der Wählerstimmen hinter sich sahen, sich aber von der Wahlkommission übergangen sahen.

      In Oregon wurde die Zulassung einer der drei Wahlmänner in Zweifel gezogen. Die Wahl ergab eine deutliche Mehrheit für den Republikaner Hayes, aber der demokratische Gouverneur vertrat den Standpunkt, dass John Watts nach der US-Verfassung nicht als Wahlmann fungieren durfte, da er als ehemaliger Postminister ein öffentliches Amt und öffentliche Verantwortung getragen hatte. Dennoch wies Watts ein Zertifikat vor, das ihn zur Wahrnehmung dieser Aufgabe berechtigte.

      Nach der Verfassung fällt dem Präsident des US-Senates das Recht zu, in Anwesenheit beider Kammern des Kongresses die Stimmen der Wahlmänner zu öffnen, auf ihre Rechtmäßigkeit hin zu prüfen, und zu zählen. Dieser Vorsitzende war der Republikaner Mr. Ferry, die Mehrheit im Kongress lag aber wiederum bei den Demokraten. So entzündete sich der Streit um die Wertung der strittigen Stimmen auch dort.

      Auch zwei Monate nach der eigentlichen Wahl gab es noch kein Ergebnis, und man beschloss Ende Januar mit einem eilig erlassenen Gesetz, eine 15-köpfige Wahlkommission einzusetzen, bestehend aus je 5 Mitgliedern aus Angeordnetenhaus, Senat und Oberstem Gerichtshof. Dort wurde dann ein in der Geschichte des Landes einmaliger Kompromiss ausgehandelt, der letztlich alle strittigen Wahlmännerstimmen für den Republikaner Hayes wertete, aber mit zahlreichen Zugeständnissen die Zustimmung der unterlegenen Demokraten sicherte.

      Rutherford B. Hayes konnte im März 1878 als 19. US-Präsident vereidigt werden, gewählt von 185 gegen 184 Wahlmännern, aber nur von 47,9% der Wählerstimmen. Für Tilden hatten dagegen 50,9% der Wähler gestimmt.

      Wichtigster Punkt des begleitenden Kompromisses war der Abzug aller Unions-Truppen und Aufhebung der militärischen Besatzung in den Südstaaten. Die überwiegend wieder von Demokraten regierten Südstaaten konnten sich hier durchsetzen, aber auch der republikanischen Unionsregierung fiel dieser Schritt nicht schwer, da ihr ein Ende der Anfeindungen ihrer Besatzungsverwaltung im Süden willkommen war. Die Farbigen des Südens dagegen waren enttäuscht und bezichtigten Washington, sich der Verpflichtung zu entziehen, gleiche Bürgerrechte für alle durchzusetzen.

      Weitere Teile des Kompromisses umfassten die Berufung eines Südstaatlers in das neue Kabinett sowie die staatliche Unterstützung für eine weitere transkontinentalen Eisenbahn von Texas nach Süd-Kalifornien (was jedoch nie geschah).

      Durch den Abzug der Bundestruppen verlor der neue Präsident jede Möglichkeit, die Rekonstruktion in den Südstaaten voranzutreiben, sodass dieser Kompromiss das offizielle Ende der politisch gesteuerten Wiederaufbauzeit markiert. Der scheidende Präsident Grant hatte noch die Truppen aus Florida in den Norden zurückgeholt, Hayes veranlasste dies für die verbliebenen Staaten Louisiana und South Carolina.

      Mit dem US-Senat war nun auch die zweite Kammer der US-Regierung unter der Mehrheit der Demokraten. Präsident Hayes legte zwar gegen Gesetzesvorlagen sein Veto ein, die Grant's Verbotsgesetze von 1870 und 1871 abschaffen wollten, aber da in den Nachwirkungen der Bankenpanik von 1873 die US-Armee finanziell unterversorgt war, konnte die Einhaltung dieser Gesetze vor Ort nicht erzwungen werden. Auf der anderen Seite brachten sich Farbige langsam zunehmend in öffentliche Verwaltungen und Regierungen ein. Bestes Beispiel ist Virginia, wo seit 1877 eine gemischt-rassige Staatsregierung bestand.

      Doch die starke Trennung von Regierung und Gesetzgebung der einzelnen Staaten von jener der Union führte immer wieder dazu, dass einzelne Staaten von der Linie der Unions-Regierung abwichen - bis heute. Die politische Vorherrschaft der Demokraten in den meisten Südstaaten konsolidierte sich und führte im Laufe der Zeit zu einer Politik der "Redeemers" (deutsch "Wiedergutmacher"). Diese erließen ab etwa 1890 neue Rassengesetze, die Farbige wie auch arme Weiße deutlich diskriminierten und damit die Basis für eine Zwei-Klassen-Gesellschaft legten, die auch heute noch nicht vollständig überwunden ist.

      Teile dieser hiervon betroffenen Bevölkerung suchten deshalb eine neue Existenz in den neuen Territorien und Staaten im Westen. Dies begründete eine ganz neue Eigenart in Amerika, der heute ähnlich wie der vergangene Bürgerkrieg in vielfältiger Weise beschrieben und romantisiert wird: den sogenannten "Wilden Westen". Dies ist aber Stoff ein ganz eigenständiges Thema.

      Wissenschaftler sind sich schon lange einig, dass die Rekonstruktion der Südstaaten nach dem Bürgerkrieg in der Weise, wie sie geführt wurde, im Ergebnis ein Fehlschlag war. Zunächst sah man alle Südstaatler pauschal als Verräter an, wobei Präsident Johnson dazugehörte. Dann betrachtete man Johnson's Zögerlichkeit in der Umsetzung der neuen Verfassungszusätze als Trittbrett für die Radikalen Republikaner, die dann jede sinnvolle Regierungsarbeit untergruben.

      Schließlich festigte sich die Ansicht, dass die Rekonstruktion und Integration der farbigen Bevölkerung deshalb gescheitert ist, weil sie am falschen Ende ansetzte. Es wäre besser gewesen, den von Lincoln und Johnson geplanten Weg zur Hebung der Wirtschaft und der Selbstbestimmung zu beschreiten anstatt schnelle politische Ziele und Bürgerrechte zu erlassen und anschließend in einer noch nicht wieder gefestigten Gesellschaft erzwingen zu wollen.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Reconstruction - Kapitel 11 - Spuren der Vergangenheit

      Reconstruction - Kapitel 11 - Spuren der Vergangenheit

      Von Schlachtfeldern zu Nationaldenkmälern

      Es liegt in der Wesensart der Amerikaner, Symbolen aller Art besondere Bedeutung beizumessen. Dazu kommt noch, dass man von Amerika aus immer etwas neidisch auf die mehrere tausend Jahre alte Geschichte und Entwicklung in anderen Gebieten der Welt blickt, hat man doch selbst nur eine relativ kurze eigene Geschichte vorzuweisen. Abgesehen von Naturdenkmälern sind auch kaum vorzeigbare Zeugen früherer Großtaten vorhanden. Umso mehr werden die in der relativ kurzen Zeit seit Beginn der Besiedelung durch Europäer entstandenen Denkmäler verehrt.

      In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es wohl kein Ereignis, das sich so einschneidend in das Gedächtnis der Nation eingegraben hat wie der Bürgerkrieg. Hier waren es nicht nur politische, soziale oder wirtschaftliche Umwälzungen, sondern die gewaltigen Schlachten hatten durch ihre enorme Zahl an Opfern unmittelbare Auswirkungen bis in fast jede Familie hinein. Folglich suchten die Amerikaner schon bald nach Stätten der Verehrung dieser Toten, aber auch der Heldenfiguren, die aus dem Krieg hervorgegangen waren. Dies waren zum Einen die Konservierung bedeutender Schlachtfelder in Form von Nationalparks oder nationalen Gedenkstätten, zum Anderen die Errichtung von Denkmälern und Statuen zur Verehrung großer Persönlichkeiten wie Politiker oder Generäle, oder auch nur simple Historientafeln an den Orten solcher Geschehnisse.

      Diese Geschichtskonservierung kam anfänglich nur langsam in Gang. Wie üblich mussten all solche Arbeiten privat finanziert werden, zumeist aus Spenden. Erst mit Bildung der Nationalparkverwaltung als Behörde der Bundesregierung stand ein akzeptables Budget zur Verfügung, das aber natürlich auch mit anderen erhaltenswerten Stätten geteilt werden musste, die nicht mit dem Bürgerkrieg in Zusammenhang standen.

      Bekanntestes Beispiel für eine solche Gedenkstätte ist das Schlachtfeld von Gettysburg. Hier erkannte man schon früh die Bedeutung als nationale Gedenkstätte und sicherte sich einen Großteil des heute 5,4 auf 8,6 Kilometer großen Geländes. Unmittelbar nach der Schlacht wurde der kleine Friedhof der Stadt Gettysburg zum Nationalfriedhof für die gefallenen Unionssoldaten ausgebaut, und Abraham Lincoln hielt dort auf der Einweihungszeremonie seine berühmte Rede "Gettysburg Address".

      Jahre später war dann langsam genug Geld in der Kasse, um das restliche Gelände vom Bewuchs zu befreien und so herzurichten, wie es den Soldaten im Sommer 1863 erschien. Die Kornfelder, Wiesen, und sogar der lange Holzzaun, über die die Soldaten beider Seiten marschierten und wo sie kämpften und starben, wurden wieder angelegt und werden heute von örtlichen Bauern bestellt.

      Aber es wäre untypisch für die Amerikaner, wenn sie es nur bei dem damaligen ländlichen Gelände belassen hätten. Zwischen 1875 und 2008 wurden darauf insgesamt nicht weniger als 1.320 Denkmäler aller Größen und Formen errichtet, die jeweils den Ort eines besonderen Ereignisses oder den Standort einer bemerkenswerten Person herausheben. Dies reicht von einfachen Steinen mit eingemeißelten Regiments-Symbolen über aufgestellte Kanonen, Granitstehlen, Obelisken, Reiterstatuen bis zu tempel-artigen Gebäuden.

      Bis zum Ersten Weltkrieg fanden auf dem ehemaligen Schlachtfeld regelmäßige Veteranentreffen statt, wo sich die ehemaligen Kameraden und Gegner versammelten, ihre Erinnerungen pflegten und teilweise auch einzelne Ereignisse wie Pickett's Angriff nachstellten. Als keine Veteranen mehr lebten, wurde das Gelände als nationale Gedächtnisstätte für solche Veranstaltungen gesperrt. Einzig der aufwändige Kinofilm "Gettysburg" durfte mit einer Sondergenehmigung auf dem originalen Grund gedreht werden, wobei das größte Problem bei den Dreharbeiten war, geeignete Blickwinkel zu finden, sodass die fast überall sichtbaren Denkmäler nicht zu sehen waren.

      Als weitere bekannte, zu Nationaldenkmälern umgestaltete Schlachtfelder wären zu nennen: Der Schauplatz der beiden Schlachten von Manassas in Nord-Virginia, das Buschland-Gebiet von Chancellorsville und der Wilderness, ein Teil der Befestigungsringes um Petersburg, VA, das Schlachtfeld von Antietam in Maryland oder Shiloh in Tennessee, sowie Fort Sumter vor dem Hafen von Charleston, SC.

      Aber nicht jedes Schlachtfeld ist zu einem solch aufwändigen Gedächtnispark umgestaltet worden. Einige Orte sind heute garnicht mehr vorhanden, weil sie zum Beispiel von die Ausbreitung der Städte verschluckt und überbaut worden sind. Andere Orte sind dem Bergbau oder der Anlage von Stauseen zum Opfer gefallen oder wurden von Kanal- oder Straßenbau durchschnitten. Wieder andere Orte hat man erst durch neuere Forschungen genau bestimmen können und musste feststellen, dass eine Rückverwandlung in den alten Zustand nicht mehr möglich ist. Fast überalls sind aber Tafeln aufgestellt, genannt "Historical Marker", die kurz über die historische Bedeutung der Stelle informieren. Auch findet man häufig Straßennahmen, die einen Bezug zum Geschehen oder den beteiligten Personen haben.

      Früher noch als die Rekonstruktion von Schlachtfeldern setzte die Heldenverehrung durch Denkmäler in großen Städten ein. Herausragendes Beispiel ist das "Lincoln Memorial" in Washington. Verteilt in der Stadt finden sich auch einige weitere Denkmäler mit Bezug auf den Bürgerkrieg, zumeist Reiterstatuen von Unions-Generälen. Trotz aller Beschwörungen der Einheit der Union sind Südstaatler dort auch heute dort nicht verrteten. Wer diese sucht, wird vor allem in der ehemaligen konföderierten Hauptstadt Richmond, VA fündig. Auf dem Mittelstreifen der breiten Monument Avenue in der feinsten Wohngegend der Stadt werden Davis, Lee, Jackson, Stuart und andere Männer mit Statuen verehrt.

      Und nicht zuletzt haben sich die letzten Ruhestätten bekannter Persönlichkeiten zu kleinen Walfahrtsorten entwickelt. Manche liegen in ihrer Heimat begraben, andere haben entsprechend prominente Plätze auf den Nationalfriedhöfen, übrigens fast ausnahmslos getrennt nach Nord- und Südstaaten-Zugehörigkeit.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Veteranenorganisationen

      Kaum war der Krieg vorüber, begannen die Beteiligten, die Erinnerungen an diese sicherlich bedeutendste Zeit ihres Lebens zu pflegen. Soweit sie entsprechend gebildet waren, schrieben viele Soldaten Bücher und Memoiren über den Krieg oder berichteten ihre Erlebnisse an Zeitungen. Einige dieser Publikationen müssen aber mit Vorsicht betrachtet werden, weil oft etliche Jahrzehnte zwischen dem Krieg und der Niederschrift lagen, in denen sich die eigene Erinnerung stark verschoben haben konnte. Details verblassten, neuere gesellschaftliche Entwicklungen flossen ein, und die Fantasie bauschte Dinge auf oder verfälschte historische Fakten. So sind beispielsweise die Aufsätze von General Joshua Lawrence Chamberlain aus Maine, der bei Gettysburg eine kleine aber bedeutende Stellung verteidigte, aus der direkten Nachkriegszeit deutlich glaubwürdiger als jene aus den Jahren um 1900.

      Viele ehemalige Soldaten wollten oder konnten sich jedoch nicht mit Erzählungen zufrieden geben. Sie wollten es für sich lebendig erhalten und ihren Kindern und Enkeln zeigen, was sie damals erlebt und durchgemacht hatten. Hieraus entstanden überall zahlreiche Veteranenvereine, ebenfalls wieder streng getrennt nach Nord und Süd, aber nun nicht mehr feindselig sondern einem gemeinsamen Erbe verpflichtet.

      Auch vermissten viele Veteranen an ihrem Nachkriegsdasein das "typisch soldatische", die Ordnung und Verlässlichkeit, die undiplomatische Direktkeit und Möglichkeit, durch persönliches Heldentum zu Anerkennung zu kommen. Ursprünglich gedacht, die populären und nicht selten einflussreichen Veteranen politisch an sich zu binden, stellten die Republikaner in der hitzigen Rekonstruktionszeit 1866 eine Veteranenarmee auf, genannt "Grand Army of the Republik". Sie war militärisch organisiert, aber natürlich ohne jeden offiziellen Auftrag, und die Mitgliedschaft war nur für echte Kriegsveteranen des Nordens vorgesehen. Viele kleine Veteranenorganisationen, die sich inzwischen gebildet hatten, schlossen sich an.

      Anfänglich vertrat die Grand Army neben der Kameradschaft auch tatsächlich politische Zielsetzungen wie das uneingeschränkte Wahlrecht für Farbige. Mit dem Einflussverlust der Republikaner im Süden nach 1870 ließ dies jedoch stark nach und man beschränkte sich auf die Brauchtumspflege. In Anlehnung an "echte" militärische Strukturen gab sich auch die Grand Army einen Oberbefehlshaber. Dieser rief erstmals für den 30. Mai 1868 den "Decoration Day" aus, an dem die Kriegsgräber gepflegt und geschückt werden sollten. Dieser Tag wird seitdem festlich begangen, bald schon unter dem Namen "Memorial Day" angereichert mit Fahnenschmuck, Paraden und Ansprachen.

      In den ehemaligen Südstaaten entstanden ebenfalls schon bald kleine Veteranenorganisationen, aber die Bildung einer größeren, öffentlichkeits-wirksamen Vereinigung war zunächst aus politischen Gründen nicht möglich, denn man wollte den Norden, von dem man Hilfe im Wiederaufbau benötigte, nicht durch Zurschaustellung jener Personen und Ereignisse brüskieren, die dieser so schwer bekämpft hatte.

      Die Pflege des "Decoration Day" im Norden war aber schließlich der Anlass für den Süden, dem gleichzukommen. Der Dachverein "United Confederate Veterans" übernahm den in Georgia bereits seit kurz nach Kriegsende begangenen Gedenktag als "Confederate Decoration Day", festgelegt auf den 26. April, dem Tag der Kapitulation der letzten konföderierten Armee an General Sherman.

      Während der "Memorial Day" aus dem Norden mittlerweile nationaler Feiertag für die gesamte Union ist, wird der "Confederate Memorial Day" im Süden nicht mehr einheitlich begangen. Nur einige Staaten haben ihn zum offiziellen Feiertag erklärt. Auch ist das Datum nicht mehr einheitlich und wurde häufig mit anderen Ereignissen zusammengelegt. Kentucky, Lousiana und Tennessee ehren damit auch Jefferson Davis' Geburtstag am 3. Juni. North und South Carolina gedenken am 10. Mai, dem Todestag von Stonewall Jackson von 1863 und dem Tag, an dem Jefferson Davis 1865 gefangen genommen wurde. Texas begeht den Tag am 19. Januar, dem Geburtstag von Robert E. Lee. Virginia hat diesen Tag vollständig fallen gelassen.

      Um 1910 gab es kaum noch lebende Veteranen, die am Bürgerkrieg in den Armeen teilgenommen hatten. Anders als im Norden, wo die Grand Army of the Republic mit dem Sterben der Teilnehmer langsam verschwand, lebte die Traditionspflege im Süden lange weilter. Ein Grund dafür war sicherlich die Haltung, etwas zu bewahren, was 1865 offiziell verschwunden und zerstört war. Schon vor der Jahrhundertwende bildeten sich deshalb zwei weitere Organisationen, die diese Traditionen auf die nachfolgenden Generationen übertrugen.

      Die "Sons of Confederate Veterans", gegründet 1896, hat heute noch 98.000 Mitglieder, ist Finanzierer und Pfleger von Gedächtnisstätten, Denkmälern und Soldatenfriedhöfen sowie Ausrichter zahlreicher Gedächtnisparaden und "Reenacments". Zu seinen Mitgliedern zählten auch so bekannte Nachfahren von Kriegsteilnehmern wie die US-Präsidenten Woodrow Wilson und Harry Truman oder auch der Schauspieler Clint Eastwood.

      Die "United Daughters of the Confederacy", gegründet 1894 kümmern sich dagegen überwiegend um Forschung und Dokumentation über die Zeit vor und während des Bestehens der Konföderation sowie um soziale und gesellschaftliche Ereignisse. Sie sind auch heute noch bekannt als Betreiber des Museums im ehemaligen Weißen Haus von Jefferson Davis in Richmond und für die jährliche Beflaggung der Kriegsgräber mit kleinen Südstaatenwimpeln.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Diskussion um die Südstaatenflagge

      Aktuelle Ereignisse im Sommer 2015, als ein von Rassenhass geleiteter Weißer in Charleston, SC mehrere Farbige erschoss, lenkten die öffentliche Diskussion auf das Thema zurück, wie mit Symbolen aus der Zeit der Konföderation umgegangen werden sollte. Hier ging es im Speziellen um die bekannte "Südstaatenfahne" aus dem blauen Diagonalkreuz auf rotem Grund mit 13 Sternen.

      Mit dem Ende der Konföderation verloren auch ihre Symbole die offizielle Bedeutung. Hierzu gehörten die Uniformen, Siegel und Flaggen. Die bekannteste Flagge war die Kriegflagge der Nord-Virginia-Armee, die heute noch weit verbreitet als "Südstaatenflagge" bekannt ist, in Amerika als "Confederate Flag", "Rebel Flag" oder "Dixie Flag".

      Das Zeigen der ehemaligen konföderierten Symbole wurde nie offiziell oder gar gesetzlich verboten. Jedoch hatten Träger dieser Symbole in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg persönliche Nachteile wie Anfeindungen oder schlechten Ruf zu erwarten, weshalb sie lange Zeit öffentlich nicht mehr zu sehen waren. Dennoch gab es wenige Ausnahmen, wie Beerdigungen verdienter Veteranen, deren Särge gelegentlich mit der Fahne bedeckt wurden, oder die Gräber-Beflaggung im Süden zum Memorial Day.

      Etwa ein Jahrzehnt nach dem zweiten Weltkrieg kam die Südstaatenflagge wieder hervor, nun aber als Protest-Symbol der sich langsam auflehnenden Jugend jener Zeit. Diese Verwendung hatte nichts mehr mit der Konföderation, dem Bürgerkrieg oder gar der Sklaverei zu tun sondern war ein Symbol stolzen Ungehorsams gegenüber der vermeindlich übermächtigen und beengenden Gesellschaft. Allein in dieser Bedeutung liegt die Parallele zu jenen Südstaatlern, die die Sezession beschritten um sich von der scheinbar übermächtigen Union zu lösen.

      Durch solche Gruppen und begleitet durch Filme und andere Medien wieder an die Öffentlichkeit gebracht, etablierte sich die Flagge langsam neu als Identifizierungs-Symbol mit einem Stück eigener Heimat, Geschichte, und Stolz auf die eigene Herkunft. Das Thema Sklaverei spielt in der heutigen Haltung zur Fahne zumindest bei der weißen Bevölkerung keine dominierende Rolle mehr. Vielmehr ist man sich natürlich der damaligen Symbolik für eine sklaven-haltende Gesellschaft bewusst, projeziert diese Verknpüfung aber nicht auf die Gegenwart, da die Verknechtung von Menschen in der heutigen Gesellschaft kein allgemeines Thema mehr ist. Farbige Mitbewohner sollen dagegen die Fahne als Symbol für die Sklaverei mehrheitlich ablehnen, wohl weil sie verständlicherweise einen anderen Bezug zur eigenen Herkunft aus jener Zeit haben.

      Dieser patriotische Ansatz hat in mehreren Staaten des Südens dazu geführt, dass die Fahne auch ganz offiziell gezeigt wird. In South Carolina wehte sie viele Jahrzehnte lang auf der Kuppel des Kapitols von Columbus, zuletzt nach Protesten als Kompromiss an einem separaten Fahnenmast im Garten vor dem Gebäude. Der Bundesstaat Mississippi hat eine Variante davon in seiner offiziellen Staatsfahne, Georgia bis zum Jahr 2001 auch. Auch waren in einigen Staaten Autokennzeichen mit der Flagge als Symbol darauf zulässig.

      Am 17. Juni 2015 verübte Dylann Roof einen offensichtlich rassistischen Anschlag und tötete neun Farbige in Charleston, SC. Auf einer Webseite des 21-Jährigen, die die Vorherrschaft der Weißen propagierte, posierte er auch mit der Südstaatenfahne. Dies löste eine neue Diskussion über die Fahne aus.

      Unter dem frischen Eindruck der Opfer dieses Anschlags wurde die Fahne nun in den aktuellen Rassismus-Kontext gerückt. Fahnenhersteller stellten die Produktion konföderierter Fahnen ein. Staaten, deren Fahnen das Symbol beinhalten, kündigten Änderungs-Initialiven an. Kaum drei Wochen nach dem Vorfall erließ der Senat von South Carolina ein Gesetz und holte die Fahne vor dem Kapitol dauerhaft ein. Weitere Beflaggungen von Staatsgebäuden folgten.

      Handelsketten wie Wal-Mart, Amazon und eBay kündigten an, Produkte mit diesem Zeichen aus ihrem Sortiment zu nehmen. Apple löschte Einträge aus ihrem AppStore, die die Flagge als Symbol beinhalteten. Computerspiele zum Bürgerkrieg wurden gesperrt. Und nicht zuletzt stellte der Medienkonzern Warner Brothers, unter dessen Lizenz aus der TV-Serie "Dukes of Hazard" Spielzeugautos im Modell des "General Lee" mit der Flagge auf dem Dach produziert wurden, die Vermarktung dieser Artikel ein. Zudem wurden Wiederholungen der Serie aus dem Programm genommen. Und der Käufer eines der Original-Fahrzeuge kündigte an, die Fahne auf dem Dach zu überstreichen.

      Selbst auf dem Nationaldenkmal Fort Sumter, wo die hier diskutierte Kriegsfahne garnicht zu sehen war, sondern die erste und zweite Ausführung der konföderierten Staatsflagge einträchtig neben der von South Carolina und zwei Unions-Flaggen wehte, handelte man umgehend und entfernte die beiden konföderierten Symbole.

      Nach einer aktuellen Studie jedoch sehen selbst nach dem Anschlag knapp mehr als die Hälfte der weißen Bevölkerung - in den Südstaaten bis zu 75 Prozent - in der Fahne kein Symbol für Sklaverei und Rassenhass, sondern stattdessen für die eigene Herkunft und Tradition.

      Ob die in manchen Augen übereilten Verbote der Flagge dieser Traditonspflege schadet, muss die Zukunft erst noch zeigen.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Ja, viel Spaß beim Lesen. Die Recherchen waren richtig interessant, vieles hab ich auch noch nicht gewusst und neue Zusammenhänge entdeckt.

      Die Kent-Romane sind ein ganzes Thema für sich. Ich denke ich mach da mal eine Buchbeschreibung darüber. Es sind jedenfalls 9 Romane, die den Werdegang einer Familie erzählen, von der Flucht eines jungen Mannes um 1770 von Europa nach Amerika, wie sich die Familie die er gründet entwickelt, bis kurz vor 1900. Jakes lässt die Mitglieder der Familie an allen wichtigen Ereignissen in dieser Zeitspanne teilhaben, und das sind so einige.

      Die Bücher gibt es auf deutsch nur noch gebraucht. Man sollte darauf achten, einen ganzen Satz zu finden, oder wenigens die einzelnen Bücher von derselben Auflage. Was zusammengehört erkennt man an der Gestaltung der Buchdeckel.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Danke für den Buchtipp. Ich konnte tatsächlich alle 9 Romane, die zusammen passen, für insgesamt 10 € kaufen. Du hast mich neugierig gemacht.

      Leider fehlt mir etwas die Zeit, mich auf die Bücher zu konzentrieren. Da ich mit so vielen anderen Dingen zur Zeit beschäftigt bin, fehlt mir ein wenig Zeit zum Lesen. Also - es wird auf jeden Fall dauern, bis ich die alle gelesen habe.

      Zu Deinen Recherchen hier werde ich mich auch noch äußern. Habe noch nicht alles lesen können.
    • :dafuer Ich habe das alles sehr aufmerksam gelesen. Vielen Dank Uli für die Zusammenfassung und dieser Gliederung. So habe ich doch einiges Neues entdecken können und eine sehr gute Vorstellung bekommen, wie sich alles zusammengesetzt hat. :idee

      Was die Flaggen in Fort Sumter angeht, meintest Du diese hier? Mein Foto ist aus 2012. Ich glaube allerdings nicht, dass - selbst wenn man alle Dinge entfernt, die in irgendeiner Form die Vergangenheit darstellen - sich etwas in den Köpfen der Menschen ändert, die eine andere Gesinnung haben. Das erleben wir auch hier in Deutschland. Mann kann nun mal Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, nicht einfach unter den Tisch fallen lassen oder ignorieren. Es wird immer Menschen geben, die genau diese Begründungen brauchen, um gewisse Taten folgen zu lassen. Gerade - und da sei mir nicht böse Uli - in Bayern wurden sämtliche Bauten, Erinnerungen und sonstiges, die in irgendeiner Form mit Hitler & Konsorten zu tun hatten, einfach dem Erdboden gleich gemacht. Weil man sich davon abgrenzen und zeigen wollte, dass man nichts mehr damit zu tun haben will, obwohl man Jahre vorher ganz anders reagiert hat. Selbst nach 2000 wurden hier noch Bauten zerstört (wenn ich an die Ruinen des Teehauses am Mooslahnerkopf am Obersalzberg denke), da man eben auch gewissen Gruppen nicht die Möglichkeit geben wollte, sich dort zu präsentieren. Ich finde es schade, dass nichts für die Nachwelt erhalten bleibt und halte das für falsch! Ich denke, es muss ein Umdenken in den Köpfen stattfinden, dazu gehört Aufklärung, Diskussionen und ein besseres Verständnis, wie es zu solchen Geschehnissen überhaupt kommen konnte. Nur dann haben wir eine Chance, es besser zu machen. Ignoranz oder Verstecken reicht nicht aus. Du hast das ja hier sehr präzise beschrieben, wie der Ku Klux Klan sich gebildet hat und warum er überhaupt entstanden ist. Auch heute ist der Klan noch tätig und er richtet sich mittlerweile nicht nur gegen Farbige. An der Wurzel kann man doch nur etwas packen, wenn man sich mit den Anfängen der Entwicklung beschäftigt und nicht indem man heute alles vernichtet, was im Zusammenhang mit der Vergangenheit steht. Wann lernen die Menschen endlich aus den Fehlern der Vergangenheit? ?(
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    • Melly schrieb:

      Also - es wird auf jeden Fall dauern, bis ich die alle gelesen habe.

      Das freut mich. Melly, es kommen lange Winter-Abende....
      Ich bin nicht so die Bücher-Ratte, aber diese Romane haben nich eine Zeit lang in eine höchst interessante Welt gesogen.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr