1864 - Präsidentschaftswahl im Krieg

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    • 1864 - Präsidentschaftswahl im Krieg

      Noch nie in der Geschichte der Welt wurde die Neuwahl einer demokratischen Regierung durchgeführt, während sich das Land im Krieg befand - zumal im Krieg mit sich selbst, also im Bürgerkrieg. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn damals gab es noch garnicht so viele Staaten, die auf demokratischer Basis vom Volk gewählt wurden. Die meisten anderen Länder hatten Monarchen oder Despoten, die ihre Regierungen nach eigenen Wünschen aufstellten.

      Im Jahr 1864 war Amerika nach wie vor tief gespalten. Die Südstaaten - sie betrachteten sich und ihre Konföderation als eigenen, souvernänen Staat - hatten im Februar 1862 gewählt, und der in ihrer Verfassung vorgegebene 6-Jahres-Turnus sah die nächste Wahl also erst für 1868 vor. (Davis und seine Regierung waren bis dahin übrigens zunächst lediglich ernannt worden, bis eine ordentliche Wahl abgehalten werden konnte (1) ).

      Die Nordstaaten hielten dagegen an dem in der US-Verfassung niedergelegten 4-Jahres-Rhythmus fest. Demnach sollte die nächste Wahl im November 1864 stattfinden. Natürlich wurde lange diskutiert, ob man unter den Umständen des Krieges überhaupt eine Wahl halten oder ob man sie nicht bis zur Rückkehr geordneter Verhältnisse verschieben sollte. Doch Lincoln selbst machte sich für ein Festhalten am Wahltermin stark. Er sagte, es sei ein sehr schlechtes Zeichen als politisches Vorbild, wenn ein Präsident in der Art eines Despoten seine Amtszeit eigenmächtig verländern konnte.

      Wer stellte sich zur Wahl, und wofür?

      Die Republikanische Partei diskutierte lange, ob Abraham Lincoln der richtige Kandidat für eine weitere Amtszeit sei. Er stand für die Fortführung des Krieges bis zum Sieg und für das feste Ziel, die Union in der ursprünglichen Form wiederherzustellen, jedoch ohne die Sklaverei. Doch als der Präsident selbst den Wunsch zur erneuten Kandidatur äußerte, stimmte die Partei zu und sah ein, dass er im eigenen Land und international der beste Kandidat sei.

      Die Demokratische Partei - oder besser: der Nord-Teil der vor dem Krieg über die Sklaverei-Frage gespaltenen Partei - hatte ihre Haltung langsam aber sicher gewandelt. Sie hatte starken Zustrom aus den Lagern der Kriegsgegner, und so befürwortete man ein möglichst rasches Kriegsende und die Anerkennung der Konföderation am Verhandlungstisch. Jetzt brauchte man nur noch einen Kandidaten, der bekannt war und dies glaubhaft vermitteln konnte. Und man fand ihn ausgerechnet in einem Soldaten: General George B. McClellan.

      McClellan war in der Bevölkerung noch gut bekannt. Er hatte von September 1861 bis September 1862 die größte und wichtigste US-Armee geführt. Bei seinen damaligen Soldaten war er sehr beliebt gewesen, da er aus dem wilden Haufen eine gut ausgerüstete und ausgebildete Armee geformt, seine Truppen häufig persönlich besucht hatte und "so schön reden konnte". Auch die US-Bevölkerung sah in ihm lange Zeit einen "zweiten Napoleon".

      Dies beflügelte aber auch seinen latenten Hang zum Größenwahn. Er bezeichnete Lincoln in Briefen an seine Frau als "Affen" und hielt die Regierung für eine Bande von Speichelleckern. Nur er alleine wisse, was gut für "sein Land" sei.

      Als er jedoch mehrfach den gewünschten Eifer vermissen ließ, seine gewaltige Streitmacht auch effektiv einzusetzen, setzte Lincoln in schließlich ab und schickte ihn nach Ohio, um dort auf ein neues Kommando zu warten - was nie kommen sollte. Seine Selbstsicherheit hatte dadurch nicht gelitten. Und zusammen mit seiner liberalen Haltung gegenüber Farbigen und der Sklaverei war er so der beste Präsidentschaftskandidat, den die Demokraten haben konnten.

      Wie waren Lincoln's Chancen auf eine Wiederwahl?

      Kurz gesagt: Anfänglich sehr schlecht.
      Lincoln wurde natürlich an der militärischen Lage der Union gemessen. Der Wahlkampf begann im Frühsommer 1864. Zu jener Zeit hatte General Grant mit seiner Großoffensive begonnen, aber es gab noch keinerlei Erfolge. Grant wurde vor Petersburg in eine Belagerung gezwungen und hatte auf dem Weg dorthin mehr Gefallene und Verwundete erlitten als alle Armeen in den bisherigen drei Jahren Krieg zusammen. General Sherman hatte seine liebe Not, Atlanta zu erreichen, weil die konföderierten Generäle Joseph E. Johnston und Nathan Bedford Forrest ihn erfolgreich ausbremsten. Im Juli tauchte dann General Jubal Early im Shenandoah-Tal auf und bedrohte sogar die Hauptstadt Washington direkt.

      Die einzige erfolgreiche militärische Aktion war die Seeblockade, die mittlerweile relativ dicht geworden war. Nur ließ sich diese defensive Angelegenheit kaum wirksam als Wahlkampfthema verkaufen. Die Presse und die Bevölkerung begeisterten sich eher für aktive Erfolge, regten sich entsprechend über die gewaltigen Verluste auf. Und selbst in der eigenen Regierung hatte Lincoln mehr und mehr Kritiker, die auch nicht den Gang an die Presse scheuten um sich Gehör zu verschaffen.

      Es schien, dass Lincoln selbst der Einzige war, der noch Zuversicht in sein Vorgehen hatte und der das gesteckte Ziel - die vollständige Wiederherstellung der Union - nie aus den Augen verlor. Aber allein mit dieser Vision war nach fast 4 Jahren Krieg keine Wahl zu gewinnen. Vielmehr zweifelte er selbst gelegentlich eine Wiederwahl an. So machte er sich Gedanken darüber, wie er bei McClellan's Wahlsieg in der Zeit bis zur Amtsübergabe die Einheit der Union weiter vorantreiben könne mit das Aussicht, dass sein Nachfolger dies dann zweifellos aus der Hand geben würde.

      Drei Monate vor der Wahl wendete sich das Blatt langsam. Zunächst räumte General Sheridan erfolgreich im Shenandoah-Tal auf, General Early war geschlagen und die Bedrohung für Washington war beseitigt. Während Grant weiterhin bei Petersburg festsaß, gelang es Sherman im September endlich, Atlanta einzunehen, der zweit-wichtigsten Stadt der Konföderation. Johnston und sein kampfeslustiger Nachfolger, General John Bell Hood, waren zwar nicht geschlagen, hatten die Stadt aber aufgeben müssen.

      Dies waren die ersten Erfolge für die Union seit langer Zeit. Und gerade rechtzeitig für Lincoln's Kandidatur. Nun zeichnete sich ab, dass Grant's Vorgehensweise, niemals mehr zurückzuweichen, Früchte tragen würde. Lincoln sah sich in seiner Marschrichtung bestätigt, und die Presse pflichtete ihm zunehmend bei.

      Am Wahltag im November hatte Grant die Linien um Petersburg so stark erweitert und so viele Versorgungslinien für diese Stadt und für Richmond unterbrochen, dass es nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien, bis die konföderierte Hauptstadt fallen würde. Und Sherman war von Atlanta zu seinem ungehinderten Marsch zum Meer aufgebrochen. Die Aussicht, dass der Krieg bald beendet und das Land wiedervereinigt sein konnte, bestimmte die Gedanken der Wähler.

      Und so gewann Lincoln die Wahl so deutlich, wie das vor einigen Monaten niemand möglich gehalten hatte. Er holte sich 55 Prozent aller Wählerstimmen (einschließlich der Südstaatler, die natürlich garnicht gewählt hatten). Durch das amerikanische Wahlsystem gingen nur 3 Unions-Staaten an McClellan, der große Rest bestätigte den Präsidenten eindrucksvoll im Amt. Abraham Lincoln konnte seine gewaltige Aufgabe, die Wiederherstellung der Union, zu Ende bringen.

      Der durch dieses Ergebnis so deutlich geschlagene McClellan zog sich daraufhin aus dem öffentlichen Leben zurück. Sein Offiziers-Patent hatte er wie geplant am Tag vor der Wahl zurückgegeben und war aus der Armee ausgetreten, die ihm ohnehin kein Kommando mehr geben würde. Übrigens hatten die Soldaten der Potomac-Armee, auf deren frühere Sympathie er so sehr gestetzt hatte, fast einstimmig für Abraham Lincoln gestimmt.

      Die Kriegsgegner, die der Demokratischen Partei zugelaufen waren, wurden natürlich nicht weniger. Aber sie mussten langsam erkennen, dass die öffentliche Meinung sich hin zu einem baldigen, aber erfolgreichen Ende des Krieges wendete. Und das war nur erreichbar, wenn man den Krieg nicht vorzeitig beendete.

      (1) FiS: siehe Ashton's Einladung an Vizepräsident Stevens, wo sie ihm zur Wahl gratuliert. Auch Orry zu Davis, als sich diese am Kaminfeuer besprechen.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr