Historienfilm: Gettysburg

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    • Historienfilm: Gettysburg

      Der Film "Gettysburg", erstellt rund 10 Jahre nach FiS, ist es mir wert, ein paar Worte dazu zu verlieren, zumal er thematisch in die Zeit passt, die durch FiS abgedeckt wird.

      "Gettysburg" ist kein Spielfilm herkömmlicher Art. Er beschäftigt sich ausschließlich mit vier Tagen im Sommer 1863, und zwar dem letzten Tag vor und den drei Tagen in jener fürchterlichen Schlacht von Gettysburg, die noch heute zum Grundwissen des amerikanischen Geschichtsunterrichts gehört. Die Handlungen beschäftigen sich ausschließlich mit militärischen Dingen, von Befehlsketten bis zu Details in den Gefechten. Nebenhandlungen mit nicht-militärischen Begebenheiten kommen nicht vor. Die Bevölkerung der Stadt Gettysburg und andere Zivilisten werden vollkommen ausgelassen - abgesehen von einem zivilen Scout und einem schrulligen britischen Militärbeobachter.

      Der Anspruch der Filmemacher war, jene geschichtsträchtige Schlacht, die gleichzeitig der Wendepunkt des gesamten Krieges war, in 4 Stunden so exakt wie möglich darzustellen. Gedreht wurde in der heutigen Nationalgedenkstätte Gettysburg, also an exakt jenen Orten, an denen dies vor nun fast 150 Jahren ebenso stattfand. Auch alle Ausrüstungen, Waffen und militärischen Verfahrensweisen wurden so genau wie möglich nachempfunden. Massenszenen wie Pickett's Angriff erforderten einen gewaltigen Aufwand, der meiner Meinung nach film-technisch eindrucksvoll gut umgesetzt wurde.

      Mehr als die Hälfte der Filmdauer wird gekämpft. In den kurzen Zwischenzeiten (meist nur die Nachtstunden zwischen den Schlacht-Tagen) kann man einige Militärs beobachten, wie sie ob ihrer jeweiligen Situations-Einschätzungen optimistisch bis pessimistisch reagieren. General Lee wird als relativ sturer Befehlshaber dargestellt, der alle Ratschläge seiner Untergebenen ausschlägt und auf dem Frontalangriff besteht, dessen hoher Blutzoll vorhersehbar war.

      Auf jeder Seite wird ein Kommandeur besonders herausgearbeitet. Für den Süden ist das General James Longstreet, direkter Untergeber von Lee und Kommandeur des gesamten rechten Flügels. Von anfänglicher Zuversicht über die Lage wandelt er sich zur Verzweiflung, weil er Lee den Frontalangriff nicht ausreden kann, dessen Ergebnis er voraussieht. Für den Norden wird die Geschichte von Colonel Joshua Lawrence Chamberlain erzählt, dem Führer eines mit Verweigerern aufgefüllten Regiments. Dem gebildeten Mann, der bereits an etlichen Schlachten teilgenommen hat, gelingt die Integration jener Neulinge, und am äußersten Ende der US-Flanke kann er seine Position nur mit einem ungewöhnlichen und mutigen Manöver halten.

      Insgesamt muss ich sagen, dass ich mir von dem Film mehr erwartet habe. Im Vergleich zu "Gods and Generals", der zwar später gedreht aber in der geplanten Trilurgie zeitlich davor angesiedelt ist, wirken alle Charaktere hölzern - und nicht nur wegen der hinter wallenden Bärten versteckten Mimik. So bleiben Lee's Beweggründe für seine sture Haltung ziemlich im Dunkeln. Dennoch versteift er sich nach dem verheerenden Ausgang der Schlacht auf die Aussage, die Kampfmoral seiner Armee sei hervorragend. Lee wirkt alles andere als überlegen oder besonnen, sondern eher weltfremd. Von der Unions-Kommandatur durch Meade und seine Unterführer erfährt man so gut wie garnichts.

      Wer sich ein wenig mit dem Feldzug und dem Schlacht von Gettysburg beschäftigt hat, dem muss auffallen, dass trotz vier Stunden Dauer nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Schlacht porträtiert wird. Zahlreiche weitere Entwicklungen auf der anderen US-Flanke und in den Außenbereichen (Stuart's Kavallerie gegen Custer) wurden schlicht weggelassen. Stuart z.B. erscheint nur kurz, um sich von Lee eine Standpauke abzuholen, und dann spielt er keine Rolle mehr. Die Tatsache, dass der erste Rebellen-Stoßtrupp nach Gettysburg kam, um das dortige Schuh-Lager zu beschlagnahmen, und dort auf US-Reiter stieß die sie für Milizen hielten, wird ebenso einfach übergangen.

      Der gesamte zweite Schlacht-Tag besteht für den Zuschauer nur aus der herorischen Sicherung der US-Stellung am Little Round Top durch Chamberlain. Das ist einfach nicht genug. Da erscheint US-General Sedgwick's Vorstoß in den Pfirsichhain, wo er postwendend aus dem Sattel geschossen wird und sehr viele Männer verliert, geradezu zusammenhanglos. Die strategisch vorteilhafte Linienform der US-Seite durch Außenkrümmung ihrer Front bei gleichzeitigen Innenlinien zur freien Truppenverschiebung, die so im völligen Gegensatz zur überstreckten Front der Konföderierten steht, wird auch nicht als Grund für Meade's letztlichen Sieg einbezogen, sondern einzig Lee's Fehlentscheidungen. Letztlich wird im Film insbesondere Chamberlain's Einzelaktion ebenso breit herausgestellt wie z.B. in Ken Burn's Bürgerkriegs-Dokumentation, sodass man fast von einer Parallel-Produktion sprechen kann.

      Da nimmt es sich nur als kleine Störung aus, dass der Übersetzer aus unerfindlichen Gründen "Yankees" in der deutschen Fassung als "Dschänkies" aussprechen lässt und die tatsächlich so heißenden Little Round Top und Big Round Top als "Kleiner runder Berg" und "Großer runder Berg" betitelt. Ich halte die Gewalt-Eindeutschung landessprachlicher Eigennamen generell für unsinnig. So sagt auch niemand "Gelbsteinpark" zum Yellowstone oder "Tiefer Graben" zum Grand Canyon.

      Zusammenfassend möchte ich sagen, dass dieser Film nur dann sehenswert ist, wenn man
      1. ein gewisses Grundwissen über die Schlacht insgesamt besitzt um den Überblick nicht zu verlieren,
      2. bedenkt, dass nur zusammenhanglose Teile des Gesamtablaufs herausgestellt werden, und
      3. keinerlei filmische Handlung oder Spannung erwartet.
      "Gettysburg" stellt für mich einen aufwändig gemachten, geschichtlich exakten Lehrfilm über die drei Tage einer der folgenschwersten Auseinandersetzungen auf amerikanischem Boden dar - mehr aber nicht.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Ich habe den Film jetzt mehrfach angeschaut, auf deutsch und englisch, und Hintergrundinformationen dazu gesammelt. Insgesamt muss ich meine obige Bewertung nun relativieren.

      Zunächst einmal ist nach wie vor klar, dass der Film für das US-amerikanische Publikum gemacht ist, für die die Schlacht von Gettysburg ein derart entscheidender Angelpunkt ihrer Landesgeschichte ist wie hier vielleicht die Abdankung des deutschen Kaisers oder die Schlacht von Stalingrad als Wendepunkt im 2. Weltkrieg. Jedes Schulkind dort lernt darüber, und durch Bücher, mit Statuen aufgefüllte Gedenkstätten und auch das Internet sind die Namen der Generäle und ihre Handlungen dort noch immer gegenwärtig. Hier in Europa kennen sich nur relativ wenige Leute näher damit aus. Für diese Leute ist der Film eine detailreiche, original-getreue Erzählung der damaligen Handlung. Für alle anderen Zuschauer ist es eine langweilige Aneinanderreihung von Kämpfen.

      Also betrachte ich den Film als "Fachmann":
      Die gezeigten Personen und Handlungen wurden mit äußerster Sorgfalt korrekt dargestellt, in jeder Hinsicht. Kleidung, Bewaffnung, Frisur, Bärte, Staturen und Bewegungen, Wortzitate, benutzte Pferde, Zelte, Blechtassen... alles genau nach den überlieferten Beschreibungen. Die einzigen Abweichungen von der geschichtlichen Korrektkeit sind tolerierbar:

      1. die Figur des erfahrenen Veterans Buster Kilrain ist erfunden, filmisch als Dialogpartner von Chamberlain aber notwendig
      2. nach Ende des letzten großen Frontalangriffs wird der bereits aus den vorherigen Szenen bekannte Tom Chamberlain gezeigt, wie er den verwundeten General Armistead anspricht. Hier wich man von der Realität ab, um nicht noch eine neue, bislang unbekannten Figur einzubringen.

      Eine bestimmte Szene verdient meine besondere Hochachtung: Nach Ende des 1. Tages der Schlacht unterhält sich ein US-Lieutenant mit drei gefangenen Südstaatlern. Diese Szene wurde 1:1 einem Ölgemälde nachempfunden, das kurz nach dem Krieg entstand. Das eindrucksvolle Bild kannte ich schon länger, und als ich die Szene sah, lief es mir kalt den Rücken runter. Wenn Ihr mal selber vergleichen wollt:
      Hier das Bild klick-mich
      Und die Szene im Film ist in Zeitposition 1:05:58

      Ich habe oben die hölzerne Darstellung einiger Charaktere angeführt. Dies muss ich teilweise korrigieren. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr versteht man auch die Haltung von General Lee, an den Erfolg seines Angriffsplans zu glauben. Das lag zum Teil daran, dass er mangels Kavallerieaufklärung keine genaue Informationen über seinen Gegner hatte, aber auch dass er als "der große General" begann, den Krieg aus sicherer Entfernung heraus wie ein Schachspiel zu führen und an seine Unverwundbarkeit zu glauben, anstatt persönlich vor Ort zu sein und seine Entscheidungen an dem tatsächlich Machbaren auszurichten. Auch Longstreet's Schwanken zwischen Gehorsam zu Lee einerseits und eigenen Einschätzungen andererseits wird erst nach mehrmaligen Betrachten glaubhafter.

      Es gibt zu diesem Film einen "Director's Cut", der einige zusätzliche Szenen enthält oder auch Erweiterungen zu vorhandenen Szenen. Diese Fassung wurde aber nur im US-amerikanischen Fernsehen gezeigt und ist nicht auf DVD zu kaufen. Die weggelassenen Szenen enthalten teilweise die Informationen, die ich im obigen Beitrag als "fehlend" kritisiert habe. So wird die Abwesenheit von General Stuart und die daraus entstehenden Probleme für Lee in de Entscheidungsfindung besser instrumentalisiert, ebenso wie die Art und Weise, wie sich der Zivilist Harrison doch am letzten Frontalangriff beteiligt.

      Ich habe - in der Art wie für F-i-S - auch für diesen Film eine Auswertung erstellt, die ich in Kürze online stellen werde. In der englischen Fassung sind auch die "Director's Cut"-Szenen enthalten. Mehr dazu in Kürze.
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    • Vielen Dank Uli für die ausführliche Darstellung. Ich habe den Film erst einmal gesehen und war ziemlich angenervt. Nach Deiner akribischen Arbeit und Deiner Ausführung hier werde ich mir den Film doch nochmal genauer ansehen. Und das mit dem Bild und der Darstellung im Film ist schon was Besonderes! Hilfreich ist dann mit Sicherheit auch Deine Auswertung, die demnächst online kommt. Super! :P
      Glücklich sind nicht die Menschen, die keine Sorgen haben, sondern die, die positiv mit Dingen leben, die alles andere als perfekt sind.
    • Nein, da fehlt viel.
      Wartet bitte auf meine Ausarbeitung, da ist alles drin. Ich hab über Google eine Seite gefunden, wo die Director's Cut-Stellen in Text- und Bildform aufgeführt sind und habe sie entsprechend eingearbeitet.
      Trotzdem danke für den Link.
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    • Genauso wie zu "Gods and Generals" habe ich nun für diesen Film die englische Romanvorlage gelesen, die den Titel "The Killer Angels" trägt. Der Titel "Gettysburg" wurde vom Filmproduzenten gewählt, um schon auf den Kinoplakaten eindeutug anzuzeigen, um was es darin geht.

      Also, mich hat der Roman tief bewegt. Auch wenn ich gleich dazu sagen muss, dass dies sicher nicht verallgemeinert werden kann. Einerseits braucht man für ein volles Verständnis doch ein ordentliches Fundament aus geschichtlichem und teilweise auch militärischem Grundwissen. Andererseits braucht man einen langen Atem. Denn wie der Film befasst sich der Roman mit den Geschehnissen von gerade mal vier Tagen, die allerdings für den Krieg und für die Geschichte der USA entscheidend sein sollen - was zu jener Zeit aber niemand wissen konnte.

      Der Roman wurde von Michael Shaara geschrieben, dem Vater von Jeff Shaara, der die beiden anderen Romand "Gods and Generals" aus der Zeit vor Gettysburg und "The Last Full Measure" nach Gettysburg bis Kriegsende verfasst hat. Man merkt einen anderen Schreibstil. Der Sohn schreibt flüssig, stets in ganzen Sätzen. Der Vater setzt oft Satzfragmente hintereinander, grammatikalisch unsinnig, aber etwa so wirr wie die Gedanken jeder Menschen und deshalb wieder für den Leser gut verständlich, der sich in die Figuren hineinversetzt.

      Auch hier werden die Ereignisse aus den Augen und den Gedanken einiger weniger Protagonisten beschrieben: Lee, Longstreet, Armistead, Buford, Chamberlain und Hancock.

      Im Gegensatz zu "Gods and Generals" hält sich der Film "Gettysburg" fast vollständig sauber an die Romanvorlage. Es gibt kaum etwas, das für den Film hinzugenommen oder großartig weggelassen wurde. Zahlreiche Szenen sind wirklich wort-wörtlich gespielt worden, andere fassen in Dialoge, was die Figuren im Roman in Gedanken haben - zu viele Gemeinsamkeiten um sie hier aufzuzählen. Hier ein paar der weniger wichtigen Unterschiede, die mir aufgefallen sind:

      Der Spion Harrison erscheint nach seinem ersten Bericht an Longstreet nicht mehr. Longstreet schickt ihn nach dem 2. Tag auch nicht nochmal aus, sondern seinen Adjutanten Goree. Und er nimmt auch nicht an Pickett's Charge teil.

      Der britische Militärbeobachter Fremantle erscheint nach dem ersten Zusammentreffen mit Pickett, Armistead und Kemper nur noch am Rande. Er ist zumeist auf der Suche nach Bäumen, von denen er die Schlacht beobachten kann. Longstreet's Erklärung in Kriegstaktik und Armistead's Patriotismus-Belehrung kommen im Roman nicht vor.

      Die Szene, in der Tom die drei gefangenen Südstaatler befragt, fehlt. Sie wurde für den Film nach dem Motiv eines bekannten Gemäldes erfunden.

      Trimble beklagt sich über Ewell nicht spät nachts in Lee's Hauptquartier, sondern zu Pferde, nachdem Lee persönlich an der linken Flanke bei Ewell gewesen war.

      Die Bejubelungsszene von Lee durch seine Soldaten fehlt im Roman. Sie soll dem Filmbetrachter den herausgehobenen, fast Gott-gleichen Status des Generals zeigen. Im Roman erfolgt dies durch viele kleine Randbemerkungen während der sonstigen Handlung.

      Welcher US-Offizier sich mit dem tödlich verwundeten Armistead unterhält, wird - untypischerweise - nicht erwähnt. Vermutlich konnte es Michael Shaara nicht in Erfahrung bringen. Im Film wird Tom Chamberlain dafür eingesetzt, was aber historisch nicht korrekt ist.

      Ein Fazit zu dem Roman fällt mir etwas schwer. Für Amerikaner ist er sicherlich von hoher Bedeutung, beleuchtet er doch auf äußerst intensive und lebendige Weise nicht nur die rein militärischen Abläufe jener schicksalsträchtigen Schlacht, sondern er vermittelt auch einen intensiven Eindruck vom Innenleben der Haupt-Akteure, von Lee's Zweifeln und seiner angeschlagenen Gesundheit; von Longstreet's Unmöglichkeit, sich den unausführbaren Befehlen von Lee zu widersetzen; von Chamberlain's Wandlung vom Professor zum instinktiv handelnden Soldaten; von Armistead's Zerrissenheit zwischen der Treue als alter Soldat und der Freundschaft zu Hancock; von Buford's Wissen, etwas Entscheidendes zu tun und seine Einheit dabei aufreiben lassen zu müssen.

      Für mich als Europäer, der durchaus etwas Wissen und Interesse über jene Geschehnisse mitbringt, ist der Roman noch um einige Grade intensiver und damit besser wie der Film, wenn sich auch beide gut ergänzen. Der Roman lässt allerdings - anders als der Film - klar werden, dass "Gettysburg" aus mehr bestand wie aus einer Handvoll Generälen und drei örtlichen kämpferischen Auseinandersetzungen, je eine pro Tag.
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    • Das hört sich alles sehr interessant an. In den meisten Fällen - bisher habe ich die Erfahrung gemacht - sind die Romanvorlagen meistens etwas intensiver. Dennoch es ist schon selten, daß eine Romanvorlage so gut fast 1:1 übernommen wurden, teilweise wörtlich. Ich selbst habe die Romane hierzu noch garnicht gelesen. Wenn ich mir das so durchlese, sollte ich es aber nachholen!
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    • Was man meiner Meinung nach für Gettysburg auch noch berücksichtigen sollte sind nicht nur fehlende Szenen sondern auch die teilweise leider schlechte deutsche Syncro die verhindert das man manche Dinge besser versteht. Ich kann mich grad nur an eine Szene erinnern am 3. Tag vor Pickett´s Charge in der Lee im Original in etwa sagt das ihm Richmond keine frischen Truppen mehr zukommen lassen kann und in der Syncro sagt er :"Aber Richmond hat uns zunächst nichts entgegen zu setzen es besteht Aussicht" Worauf sich das bezieht kann dann kaum verstanden werden. Ich hab mir dann mal die Mühe(mit meinem bescheidenen Englisch) gemacht und den Film in Original angeschaut und muß sagen nicht nur von der Machart sondern auch sprachlich trifft der Film voll ins Schwarze. Vor 150 Jahren sprach man eben noch etwas anders und ich denke auch der moderne Amerikaner wird da etwas Schwierigkeiten haben mit der Ausdrucksweise was vielleicht mit ein Grund war das der Film ja nicht übermäßig erfolgreich war. Wie Ulli schon schrieb ein Film für Kenner der Materie.

      Für mich jedenfalls ist Gettysburg ein Meilenstein in Sachen Filme über den Bürgerkrieg. Mit 4 Stunden hat er eine ordentliche Länge trotzdem kann man da auch nicht jedes Detail aus 3 Tagen reinpacken. Das einzige was ich etwas kritisieren könnte wäre dann das man z.B. die Kavallerie mehr mit rein genommen und das eine oder andere Gespräch vielleicht weglassen, andererseits ist es ja nicht nur die Schlacht sondern auch eben das "Drumherum" was den Kommandeuren durch den Kopf dabei geht usw.

      Von mir gäbe es jedenfalls 5 Sterne für den Film weil er für mich nach FiS der zweite Grund ist mich für den Sezessionskrieg zu interessieren.
      "You have lost the left arm but I have lost my right"

      General Lee Chancellorsville
    • Was auch noch interessant ist und eine gewisse Ironie enthält ist das General Buford als er in Gettysburg ist und sich mit Devin unterhält ihm erzählt was er glaubt das passieren wird - Die Rebellen besetzen die Hügel und wenn Meade angreift gibt es ein Gemetzel. Logischerweise tat er alles um dies zu verhindern. Die Ironie liegt darin das es bekanntlich ja gelang und somit den Rebellen widerfuhr was Buford für die Union befürchtete.
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      General Lee Chancellorsville
    • Uli schrieb:

      General Lee wird als relativ sturer Befehlshaber dargestellt
      Dies ist auch im Großen und ganzen korrekt. Lee war oft von einer aggressiven Sturheit besessen die nur Jackson zügeln konnte und der war nach Chancellorsville tot - dazu kam das Lee unbegrenztes Vertrauen in seine Armee hatte und die letzten Siege bestärkten ihn ebenso in dem Glauben die Potomac Armee vernichten zu können und das auf Unionsgebiet um die moralische Wirkung noch zu steigern und die Union endlich zum Frieden zu zwingen.
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    • GalenDeVere schrieb:

      ...die nur Jackson zügeln konnte
      Das will ich in dieser Form nichtg unterschreiben.

      Wenn jemand flexibel auf die sich ständig ändernden strategischen Situationen reagieren konnte, dann war das Lee. Das zeichnete ihn als den größten Feldherren des gesamten Krieges aus. Anders hätte er auch nicht zwei Jahre lang siegen und zwei weitere Jahre die sichere Niederlage hinauszögern können. In Gettysburg allerdings hatte er nicht seine beste Zeit. Es stimmt, dass er zu dieser Zeit ein Gefühl der Unbesiegbarkeit entwickelte. Und es gibt Berichte, wonach er damals auch von Magen-Darm-Problemen geplagt war. Und wir wissen alle, wie sich sowas auf unser Denken und Verhalten auswirken kann.

      Jackson war taktisch aggressiv eingestellt, das ist richtig. Aber Jackson hätte niemals gewagt seinen kommandierenden General "zu zügeln". So viel wie er seinen Truppen abverlangte, so treu untergeben war er seinen Vorgesetzten. Das gehörte absolut in seine Denke von Befehl und Gehorsam.
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    • GalenDeVere schrieb:

      Was auch noch interessant ist und eine gewisse Ironie enthält ist das General Buford als er in Gettysburg ist und sich mit Devin unterhält ihm erzählt was er glaubt das passieren wird - Die Rebellen besetzen die Hügel und wenn Meade angreift gibt es ein Gemetzel. Logischerweise tat er alles um dies zu verhindern. Die Ironie liegt darin das es bekanntlich ja gelang und somit den Rebellen widerfuhr was Buford für die Union befürchtete.
      Naja, "Ironie" ist das nicht unbedingt, sondern solides Handwerk eines Soldaten. Lee's Armee hätte ganz sicher die Höhen besetzt, wenn.... Ewell Lee's Befehl ausgeführt hätte, die Hügel zu nehmen.

      Buford tat auch das Richtige, zu versuchen, die Rebellen daran zu hindern. Er bekam noch mit, wie seine Mühen eigentlich vergebens und die Schacht fast verloren war (die Union wurde von den Rebellen durch die Stadt getrieben), dann wurde er abgezogen. Dass Ewell zu zögerlich war und die Union nicht daran hinderte, die Höhen zu besetzen, erfuhr er erst später.
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    • Uli schrieb:

      Jackson war taktisch aggressiv eingestellt, das ist richtig. Aber Jackson hätte niemals gewagt seinen kommandierenden General "zu zügeln". So viel wie er seinen Truppen abverlangte, so treu untergeben war er seinen Vorgesetzten. Das gehörte absolut in seine Denke von Befehl und Gehorsam.
      Jacksons kühne, aber realistische und kühl berechnende Taktik war der Schlüssel zu den Erfolgen der Konföderierten an der Ostküste gewesen. Jackson hatte aber auch auf Lee beschwichtigend gewirkt, denn Lee war häufig von einer aggressiven Sturheit besessen, die ihn zu undurchdachten Handlungen trieb und nur von Jackson gezügelt werden konnte.
      Nun war Jackson tot, und Lee, dessen Erfolg in Chancellorsville in der Südstaatengesellschaft übersteigerte Erwartungen und Illusionen auslöste, ließ sich von der Stimmung in der Konföderation beeinflussen.
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