17.09.1862: Die Schlacht von Antietam / Sharpsburg, MD

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    • 17.09.1862: Die Schlacht von Antietam / Sharpsburg, MD

      Die Schlacht von Antietam

      17. September 1862

      Wie bereits bei der Beschreibung der Schlacht von Manassas erwähnt, wird die hier beschriebene Auseinandersetzung ebenfalls im Norden und Süden unterschiedlich bezeichnet. Der Norden spricht nach einem kleinen Fluss von der „Schlacht von Antietam“, der Süden benutzt die nächstgelegene Ortschaft mit ihrer Bezeichnung „Schlacht von Sharpsburg“.

      Ebenfalls erwähnt wurde bereits, dass die Südstaaten nie die Absicht hatten, durch Eroberungen ihr Gelände nach Norden auszudehnen, sondern lediglich ihr eigenes Gebiet gegen die Angriffe aus dem Norden zu verteidigen suchten. Nun liegt das spätere Schlachtfeld im Staat Maryland, der nicht der Konföderation angehörte. Also war eine konföderierte Armee doch in Unionsgebiet eingefallen. Wie kam es dazu? Ein Blick zurück.

      Nach der für den Norden verherenden Schlacht von Manassas / Bull Run erhielt George B. McClellan das Oberkommando der US-Streitkräfte, baute die Armee neu auf und entwarf einen völlig neuen Schlachtplan, um wie gefordert die konföderierte Hauptstadt Richmond im Nachbarstaat Virginia einzunehmen. Er wollte nicht auf dem Landweg, sondern per Schiff zur Virginia-Halbinsel gelangen - einem Landstrich zwischen zwei großen Flüssen – und mit der damals größten Streitmacht aller Zeiten (rund 130.000 Mann) unaufhaltbar auf Richmond marschieren. Hierbei ging er zu zögerlich vor, sodass er Richmond zwar erreichte, aber nicht einnehmen konnte. Als der konföderierte General Johnston verwundet wurde, gelang es seinem Nachfolger Robert E. Lee, McClellan mit zahlreichen kleinen Gefechten zur Küste zurückzudrängen. Lee täuschte immer wieder erfolgreich eine deutlich größere Truppenstärke vor, und McClellan verschanzte sich wochenlang bewegungsunfähig in Harrison’s Landing.

      Lee organisierte seine Armee um und gab ihr den Namen „Nordvirginia-Armee“. Er sollte das Kommando über diese bald legendäre Truppe bis zum Ende des Krieges behalten. Nachdem McClellan so ängstlich reagiert hatte, startete Lee – in Übereinstimmung mit Präsident Davis – den Versuch, neue Versorgungsgüter und Rekruten zu gewinnen: in Maryland, einem Staat, der durch Druck der Union nicht sezessioniert war. Lee hoffte auf zahlreiche Sympathisanten, die eventuell sogar die öffentliche Haltung dieses Staates zur Union ändern könnten. Dann wäre die Unions-Hauptstadt Washington vollständig von konföderiertem Gebiet umschlossen, was die strategische Kapitulation der Union bedeuten musste. Also setzte sich Lee mit 55.000 Mann von Richmond aus nach Norden in Bewegung.

      Als Washington diese Bewegung erkannte, befahl Lincoln McClellan, endlich von der Halbinsel zurückzukehren und Lee zu stoppen. Doch auch diesmal benahm sich der Unions-General geradezu trotzig. So konnte Lee in der zweiten Schlacht von Manassas (28.-30.08.1862) gegen den von McClellan vorgeschickten General John Pope klar gewinnen und weiter nordwärts ziehen. Er umging Washington dabei westlich, teilte seine Armee in Maryland auf und unternahm zahlreiche Werbungs- und Requirierungs-Touren durch den Staat.

      Lincoln wies McClellan ultimativ an, Lee zu stellen und zu schlagen. McClellan bewies sein Organisationstalent und brachte die Potomac-Armee auf 90.000 Mann. Und noch ein unschätzbarer Vorteil wurde McClellan zugespielt. Zwei Unionssoldaten fanden zufällig ein Päckchen mit in Papier eingerollten Zigarren. Dieses Papier war eine Abschrift von Lee’s Befehl Nr. 191 mit genauen taktischen Angaben über die erwartete Schlacht. Jeder andere General hätte dieses Wissen sofort ausgenutzt und Lee vernichtend geschlagen, aber McClellan wartete geschlagene 18 Stunden untätig ab. Dies genügte Lee, von dem Verlust des Papiers zu erfahren und seine Befehle entsprechend zu ändern.

      So standen schließlich zwischen der Stadt Sharpsburg und dem Antietan-Fluss die Nordvirginia-Armee von Lee mit 38.000 Mann der Potomac-Armee von McClellan aus 75.000 Mann gegenüber. Die wichtigsten Unterführer von Lee waren die Corps-Kommandanten Thomas Jackson und James Longstreet. Auf Unions-Seite hatten James Hooker, James G. Meade und John Sedgwick die wichtigsten Unterkommandos.

      Dieses direkte Aufeinandertreffen zweier gut vorbereiteter Armeen in einem eher unübersichtlichen Gelände mit vielen Deckungsmöglichkeiten hatte verheerende Folgen. Das Feuer wurde am 17. September 1862 gegen 5.30 Uhr durch die Unions-Seite eröffnet. Bis gegen Mittag verlor die Union aber die meisten ihrer guten Ausgangspositionen, zumeist durch schlecht koordinierte Kommandos und Meldewege hinter den Linien der Union.

      Ein im südlichen Schlachtfeld befindlicher Hohlweg wurde zum Symbol der Grausamkeit dieser Schlacht. Konföderierte Einheiten aus Longstreet’s Corps nutzten diese natürliche Brustwehr und verschanzten sich dort. Im Laufe des ganzen Tages führten verschiedene Unions-Einheiten von ihrer Anhöhe aus immer wieder Angriffe auf den Hohlweg, die nach und nach immer mehr Männern das Leben kosteten. Auf einer Länge von 700 Metern „stapelten“ sich zuletzt mehr als 5.600 Opfer beider Seiten. Dieser Weg wird seitdem und bis heute „Bloody Lane“ genannt.

      Nachdem Verstärkungen für beide Seiten eingetroffen waren, gewann die Unions-Armee die Oberhand und drängte die stark dezimierten konföderierten Einheiten zurück. McClellan hätte mit einem letzten schweren Schlag Lee’s Armee vernichten können (was ziemlich wahrscheinlich den Kriegsverlauf grundlegend geändert und auch verkürzt hätte), aber er blieb sich treu und argumentierte, er habe selbst mittlerweile zu wenige Männer übrig.

      Um 17.30 Uhr zog Lee seine Männer aus dem Gefecht, handelte am nächsten Tag einen provisorischen Waffenstillstand aus um die Verwundeten beider Seiten auszutauschen, und machte sich auf den Rückmarsch ins konföderierte Virginia. Der Versuch, neue Rekruten oder gar den ganzen Staat Maryland zu gewinnen, war damit gescheitert. Und ein letztes Mal erwieß sich McClellan als Zauderer. Anstatt Lee zu verfolgen und noch vor der Staatsgrenze zu stellen (eine Armee auf dem Marsch war wesentlich weniger kampfbereit), ließ er ihn einfach ziehen. Ja, er lehnte selbst Lincoln’s direkte Anweisung dazu ab.

      Die Schlacht von Antietam dauerte nur einen einzigen Tag und hatte dennoch die höchsten Verluste aller bisherigen Auseinandersetzungen – auf beiden Seiten. Die Union hatte 25% ihrer Männer verloren (2.108 gefallen, 9.540 verwundet, 753 gefangen oder vermisst), die Konföderation sogar 31% (1.546 gefallen, 7.752 verwundet, 1.018 gefangen oder vermisst).

      Taktisch gesehen ging die Schlacht von Antietam unentschieden aus, keine der Seiten erklärte sich für geschlagen, nachdem die Kämpfe am nächsten Tag nicht wiederaufgenommen wurden. Auf lange Sicht – also strategisch gesehen – war aber Lee’s Maryland-Feldzug hiermit beendet und dieser erste Vorstoß nach Norden gescheitert. Dies war aber damals vor Ort noch nicht zu erkennen, weshalb auf beiden Seiten die Erschütterung über die gewaltigen Verluste überwog.

      Präsident Lincoln war über McClellan’s Leistung als Oberkommandierender so enttäuscht, dass er ihm am 7. Oktober 1862 das Kommando entzog. Insbesondere kritisierte er, dass McClellan gegen seine Weisung Lee nicht verfolgt und „kassiert“ hatte. Denn Lincoln wünschte einen entscheidenden Sieg gegen die „Rebellion“, um seine Emanzipations-Proklamation wirksam verkünden zu können (was er zum 1. Januar 1863 dann auch tat). George McClellan trat militärisch nicht mehr in Erscheinung sondern wandte sich in die Politik. Als Kandidat der Demokraten unterlag er 1864 in der Präsidentschaftswahl – gegen Abraham Lincoln.

      Robert E. Lee verbrachte mit seiner Armee den Winter im Norden von Virginia, wo er im darauffolgenden Frühjahr von McClellan’s Nachfolgern Burnside und Hooker in einige Kämpfe verwickelt wurde, bis er sie in den Schlachten von Fredericksburg und Chancellorsville trotz deutlicher zahlenmäßiger Unterlegenheit klar schlagen konnte – Merkmale von Lee’s herausragenden taktischen Talenten. Daraufhin unternahm Lee mit der Nordvirginia-Armee im Sommer 1863 einen zweiten Versuch, in den Norden vorzudringen. Diesmal wollte er die großen Nachschubwege durch den Unions-Bundesstaat Pennsylvania unterbrechen und dann von Norden her auf Washington vorrücken. Dieser zweite und letzte Vorstoß der Konföderation über ihr eigenes Gebiet hinaus endete mit der ebenso furchtbaren wie legendären Schlacht von Gettysburg.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Ich finde es sehr schön, wie sich das Forum zu einer Einheit zusammenfügt. Die Schlacht ist sehr verständlich und nachvollziebar beschrieben. Vielen Dank. Das Zögern von McClellan hat immer wieder zu schweren Fehlern geführt und hat ihn letztlich sein Kommando gekostet. Ich frage mich, was geworden wäre, wenn er damals als aufgestellter Gegenkandidat von Lincoln den Wahlsieg gewonnen hätte. McClellanden war ja dafür, den Krieg mit Verhandlungen zu beenden, was letztendlich zu einer Anerkennung der Sezession geführt hätte.

      Die daraus abgeleiteten Folgen hätten womöglich die ganze Geschichte geändert!
      Glücklich sind nicht die Menschen, die keine Sorgen haben, sondern die, die positiv mit Dingen leben, die alles andere als perfekt sind.
    • Bezüge mit den FiS-Folgen:

      1. Halbinsel-Feldzug: wird von Lincoln in seinem Kabinett als "Alptraum" erwähnt. Gemeint war, dass dieser so erfolgversprechende Versuch und damit die Chance, den Konflikt rasch zu beenden, durch McClellan's Zögerlichkeit scheiterte. Auch als Billy und Kent nach ihrer Rauferei eine Standpauke erhalten, erwähnt Berdan, dass sie sich vor "den Toren von Richmond" befinden, also auf diesem Feldzug.

      2. Befehlsübernahme durch General Lee: wird von Berdan auf seiner Standpauke gegenüber Billy und Kent erwähnt.

      3. Zweite Schlacht von Manassas, Generäle Pope gegen Lee: Bevor Billy mit seinen Kameraden in die Schlacht von Antietam eingreifen, erwähnt Bodford, dass Lee Pope zuvor ausgetrickst habe. Gemeint ist die für Lee siegreiche zweite Schlacht von Manassas.

      4. Unterführer Jackson, Meade, Hooker, Sedgwick: werden alle im Laufe des Krieges nochmals erwähnt. Jackson durch Lincoln gegenüber George, Meade und Hooker durch den Reporter gegenüber Grant und durch Orry zu Major Dupré, und Sedgwick durch General Rawlins zu Grant.

      5. Der Hohlweg "Bloody Lane": Charles sucht und findet den gefallenen Ambrose in einem solchen Hohlweg.

      6. Die bislang unerreicht hohe Opferzahl einer 1-Tages-Schlacht: die Erschütterung darüber wird gleich danach durch Lincoln und George deutlich

      7. Lincoln's Unzufriedenheit über McClellan: Lincoln's verbitterte Worte: "Und McClellan nennt das ein Meisterstück."
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Fehler und Merkwürdigkeitim im Film:

      Es gibt auch Fehler in der Darstellung dieser Schlacht, die aber allesamt keine historischen Fehler sind sondern wohl nur wegen der Film-Dramaturgie gemacht wurden.

      1. Charles, mittlerer Offizier aus Hampton's Kavallerie, nimmt mit Ambrose wie ein gewöhnlicher Soldat zu Fuß (Infanterie) am Sturmangriff teil. Für diese Art der Kämpfe ist er aber normalerweise garnicht ausgebildet. Auch übernimmt er die Funktionen von Unteroffizieren, die im Feld die Leute zusammenhalten und vorwärts treiben müssen. Ein Captain befand sich meist außerhalb der Gewehrreichweite des Gegners, weil der Bindeglied zwischen den Befehlshabern und kämpfenden seinen Mannschaften war. Für die Film-Dramaturgie dieser Schlacht wurde Charles aber wohl zum Infanteristen gemacht.

      2. Ambrose kapert eine US-Kanone, dreht sie und feuert damit sofort einen Schuss ab (der ihn tötet). Dies ist sehr unwahrscheinlich. Wenn die Artillerie ihre Geschütze verlor (was eher selten war weil diese wegen ihrer großen Reichweite zumeist hinter den kämpfenden Linien standen), und die Kanone noch geladen war, feuerte man sie nach Möglichkeit noch ab und zerstörte die Pulverkisten, damit der Gegner das Geschütz nicht so einfach gegen sie benutzen konnte.

      3. Ambrose stirbt an der Kanone auf einer offenen Waldlichtung. Als ihn Charles findet, liegt er am Grund eines Hohweges. Das passt nicht zusammen.

      Im Gegensatz zur Schlacht von Manassas soll die Darstellung von Antietam nicht die geschichtlich exakt dargestellte Eskalation der Spannungen zwischen beiden Seiten darstellen, sondern fokusiert eher personenbezogene Aspekte wie den Bruderkampf (die Freunde Billy und Charles stehen sich direkt gegenüber), das Sterben von Menschen (Lincoln und George sind erschüttert) und auch Freunden (gefallener Ambrose) sowie die anfänglichen Unterschiede im taktischen Geschick der Generäle (gefürchteter Lee gegen zögerlicher McClellan).
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Melly schrieb:

      McClellan war ja dafür, den Krieg mit Verhandlungen zu beenden, was letztendlich zu einer Anerkennung der Sezession geführt

      Genau das hatte er vor, und - wenn Politiker tun was sie versprechen - das hätte den Krieg dann im März 1865 am Verhandlungstisch beendet. Naja, wenige Wochen später war er dann auf dem Schlachtfeld entschieden. Nur: mit "Präsident McClellan" hätte es - zumindest für lange Zeit - zwei getrennte amerikanische Staatsunionen gegeben.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • @ Uli: Entschuldige, aber die Schlacht am Antietam begann am 15. September 1862 und dauerte bis zum 17. September 1862. Einer der wesentlichen Kampforte war die so genannte "Burnside-Bridge", die nahezu die einzige Brücke über den Antietam war und Sharpsburg auf dem Westufer mit dem Ostufer des Antietam verband (und verbindet). Außer ihr gab es nur drei oder vier Furten, die ebenfalls als Übergänge genutzt werden konnten. Der zeitweilige Besitz der Brücke spiegelt den Verlauf der Schlacht wider: Am Ende des 15. war sie im Besitz der Konföderierten, am Ende des 16. hielten sie Unionstruppen, am Ende des 17. waren es wieder die Konföderierten.

      Taktisch war es ein Erfolg Lees, aber weil er wegen der hohen Verluste am 18. nicht erneut den Kampf aufnahm, ist es ein strategischer Erfolg des Nordens. Ich schreibe bewusst nicht McClellans, denn seine Weigerung, Reserven einzusetzen, die möglicherweise auch einen taktischen Erfolg der Union ausgemacht hätten, brachte ihm auch Kritik aus den Reihen seiner Leute ein.
      Ich habe gelernt, dass es bei allen Völkern gute und böse Menschen gibt. Die Farbe der Haut ist nicht entscheidend.
      (sinngemäßes Zitat nach Leutnant Robert Merril aus dem Film Winnetou II)
    • Da gehe ich dieses Mal nicht ganz mit Dir konform.

      Die Konföderierten trafen am 15. in Sharpsburg ein, das stimmt. Und natürlich kam es ständig kleine Geplänkel unter den Vorposten, nachdem die Union ebenfalls anrückte und im Laufe des 16. in Stellung ging. So war das vor fast jedem größeren Gefecht. Das Hauptgefecht aber, das man heute zählt, startete bei Sonnenaufgang am 17. an der Dunker Church und dauerte nur diesen einen Tag.

      Zwischen 14. und 16. September waren einige Einheiten der herankommenden Armeen übrigens noch etwas weiter südlich gegeneinander im Gefecht, und zwar an zwei Bergpassagen in den South Mountains. Die einen versuchten, die Passagen zu sperren, um die anderen am Durchmarsch und Aufschließen zur Hauptarmee zu hindern. Diese Kampfhandlungen werden aber als separates Gefecht gewertet.

      Burnside's Bridge war nicht die einzige befestigte Flussquerung. Es gab drei davon. Die Middle Bridge wurde vom II US-Corps unbedrängt benutzt, um im Zentrum vorzustoßen, und die Upper Bridge gleichermaßen vom V und XII Corps. Nur an der Rohrbach's Bridge (die später nach Burnside benannt wurde), traf die Union auf Widerstand.
      upload.wikimedia.org/wikipedia…b/Antietam_Overview_a.svg

      Auch sehe ich den Ausgang taktisch als Unentschieden. Es gab keinen eindeutigen Gewinner. Das Gefecht hätte am nächsten Tag an gleicher Stelle fortgesetzt werden können. Allein die Tatsache, dass Lee (nicht zum einzigen Mal) gegen eine wesentlich größere Streitmacht nicht eingebrochen ist, macht noch keinen Sieg aus. Aber Lee's Entscheidung, den Rest seiner Armee in Sicherheit zu bringen, war natürlich völlig richtig.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Ich tauche noch mal in die Augenzeugenberichte. Die Schlacht war mir für mein Buch ziemlich wichtig, auch wenn es darin natürlich fiktive Elemente gibt.
      Ich habe gelernt, dass es bei allen Völkern gute und böse Menschen gibt. Die Farbe der Haut ist nicht entscheidend.
      (sinngemäßes Zitat nach Leutnant Robert Merril aus dem Film Winnetou II)
    • In aller mir bislang zugänglichen Literatur ist für Antietam nur der 17. September als Datum genannt. Nicht umsonst wird von diesem Gefecht noch heute vom "blutigsten einzelnen Tag in der US-Geschichte" gesprochen.

      Eine Schlacht zeitlich genau "abzustecken", ist nicht immer einfach. Manchmal zieht sich sowas über mehrere Tage hin, manchmal über mehrere Schauplätze, manchmal gibt es mitten drin ein paar relativ ruhige Tage und dann geht es doch noch weiter mit demselben Gefecht. Die meisten Quellen stützen sich auf die vom NPS (Nationalparkverwaltung der USA, nps.gov) definierten Daten.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Also, ich bin der Frage des Datums der Schlacht am Antietam in meiner vorhandenen Literatur mal nachgegangen.

      Zu Antietam habe ich in folgenden Büchern etwas gefunden:

      Bernd G. Längin, Der Amerikanische Bürgerkrieg, Eine Chronik Tag für Tag, Bechtermünz-Verlag 1998, S. 130 – 132
      Marcus Junkelmann, Der Amerikanische Bürgerkrieg, Weltbild-Verlag 1992, S. 178
      Matthew Brady, Illustrated History of the Civil War, Fairfax Press 1912, S. 192 und 300 – 304
      Der Amerikanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten, dtv-Verlag 1973, S. 202 – 204
      Philip Haythornthwaite, Die Uniformen des Amerikanischen Bürgerkrieges, Blandford Press 1975 (Original), S. 14
      Knaurs Historischer Weltatlas
      William C. Davis, Soldaten des Bürgerkrieges, Motorbuch-Verlag 1996, S. 229
      Official Military Atlas of the Civil War, Regierungsdruckerei Washington D.C., 1891 Tafeln 27 und 28.

      Die Angaben zum Termin sind widersprüchlich:
      • Längin schreibt, Lee sei am 15. 9. 1862 am Westufer des Antietam in Stellung gewesen. Es habe am 16. September bei der Dunker Church (ca. 1 Meile nördlich von Sharpsburg, gleich südlich des Maisfeldes) ein Gefecht gegeben, bevor am 17. September von der Morgendämmerung bis zu Einbruch der Nacht gekämpft worden sei.

      • Junkelmann schreibt, Lee sei am 15. September in Stellung gewesen, McClellan habe aber erst am 17. September angegriffen.
      • Brady legt im Text seines Buches dar, dass McClellan nach Erhalt von Informationen, Lee sei in Maryland eingedrungen, mit seiner Armee über den Potomac nach Frederick gezogen (ca. 36 km östlich von Sharpsburg). Burnside habe am 14. September bei Turner’s Gap und Franklin ebenfalls am 14. bei Crampton’s Gap (jeweils ca. 8 km vom Antietam entfernt) in Kämpfen gestanden und die Konföderierten zum Rückzug gezwungen. Am 16. September 1862 sei die konföderierte Armee am Westufer des Antietam gut postiert gewesen. McClellan habe mit dem Angriff gezögert, sei aber von CS-Artillerie heftig angegriffen worden. Hooker habe die Erlaubnis erhalten, mit den Einheiten von Ricketts, Meade und Doubleday den Antietam zu überqueren. Dies sei im Kampf geschehen, und die Männer hätten auf ihren Waffen geschlafen. Am 17. September sei von morgens um 0530 Uhr bis in die Abendstunden mit schrecklichen Verlusten auf beiden Seiten nördlich von Sharpsburg gekämpft worden.
      • In der Zusammenfassung der Verluste erwähnt er jedoch nur den 17. September als Antietam-Schlacht.
      • Colonel Owen von der CS-Artillerie erklärt in seinem zeitgenössischen Tagebuchauszug in den „Augenzeugenberichten“, dass Lees Armee am 15. September die Stellungen am Westufer des Antietam erreicht hatte und Kanonenschüsse auf das Ostufer abgab, um den dort aufmarschierenden Unionseinheiten zu signalisieren, dass man sich nicht mehr auf dem Marsch befand. Die Stärke der CS-Armee habe zu diesem Zeitpunkt ca. 15.000 Mann betragen, die der Union geschätzte 100.000.
      • In der Datenzusammenfassung der „Augenzeugenberichte“ wird 15./17. September als Zeitraum der Schlacht angegeben.
      • Es finden sich noch zwei sehr ausführliche Berichte von James Graham, Captain des 27. Infanterieregiments von North Carolina, und David Thompson (Infanterist der Nordstaaten). Der von Graham bezieht sich ausdrücklich auf den 17. September. Davis‘ Bericht ist ohne Datumsangabe, beschreibt aber die Durchquerung des Antietam und massive Kampfhandlungen. Da Hooker den Antietam am 16. September überschritten hat, könnte Davis sich auf die Kämpfe beziehen, in die Hookers Armeeteil verwickelt wurde.
      • Philip Haythornthwaite erwähnt den 17. September als Antietam-Schlacht. Der Angriff sei 3 Tage zu spät erfolgt
      • Knaurs Historischer Weltatlas nennt den 17. September 1862 als Tag der Schlacht am Antietam.
      • Davis bezeichnet den 17. September als „blutigsten Tag“
      • Der Official Military Atlas of the Civil War bezeichnet den 16. und 17. September als Schlacht am Antietam.


      Alles in allem scheint es so zu sein, dass die Kämpfe des 15. und 16. September immer mehr in den Hintergrund geraten, je weiter die schriftliche Fixierung vom Geschehen der Schlacht entfernt ist und dass sie in Sekundärquellen nicht mehr dazugerechnet werden.



      Noch etwas zum Armeebefehl 191, der McClellan die Informationen lieferte: John Bloss, Infanterist in der F-Kompanie des 27. Indiana-Regiments (3. Brigade der 1. Division im XII. Korps der Union, Major General Mansfield) fand den unverschlossenen Umschlag mit dem Dokument samt 2 Zigarren, las es, brachte es zu seinem Kompanieführer, der es zum Colonel (Silas Colgrove) brachte, der sich gerade im Gespräch mit General Nathan Kimball (1. Brigade der 3. Division des II. Korps) befand. Beide waren ebenso überrascht wie Bloss und sorgten für eine sofortige Weiterleitung an den Armeechef. Bloss schreibt, er habe das Dokument am 13. September morgens gegen zehn Uhr gefunden. Eine dreiviertel Stunde später (also um 10.45 Uhr) hetzte Ordonnanzen in alle Richtungen und „bald befand sich die Armee in schnellem Vormarsch“. ("Augenzeugenberichte", S. 202 - 204)

      Bloss widerspricht als unmittelbarer Zeuge der Ereignisse damit der aktuellen These, dass McClellan nach der Information noch 18 Stunden zugewartet habe, denn 18 Stunden bis zum Abmarsch der Armee wäre wohl kaum als „bald“ zu bezeichnen.
      Ich habe gelernt, dass es bei allen Völkern gute und böse Menschen gibt. Die Farbe der Haut ist nicht entscheidend.
      (sinngemäßes Zitat nach Leutnant Robert Merril aus dem Film Winnetou II)
    • Keine Deiner Quellen widerspricht der anerkannten Geschichtsschreibung, dass die eigentliche Schlacht auf den 17.9. beschränkt war. Vorherige nach nachfolgende Scharmützel bzw. der Zeitpunkt, wann welche Seite vor der Schlacht in Stellung geht, zählen nicht zur Schlacht ansich.

      Abgesehen davon war nur ein Teil von Lee's Armee am 15. bereits bei Sharpsburg, nämlich nur der rechte Flügel (Longstreet, später das I Corps). An diesem Tag kapitulierte Harper's Ferry an Jackson, dessen linker Flügel (später das II Corps) sich dann erst auf den Weg nach Sharpsburg machte und dort am 16. eintraf, seine letzte Division sogar erst am Nachmittag des 17.

      Ich will Deine Herangehensweise an die Historie nicht kritisieren. Für mich dagegen stehen Augenzeugenberichte da in zweiter Reihe hinter den historischen Fakten, die ein Heer von Historikern seit Jahrzehnten zusammengetragen, gewertet, abgeglichen und dann zu einem fertigen Bild zusammengefügt haben. Augenzeugen konnten das damals nicht und auch nicht in teilweise sehr viel später verfassten Memoiren. Sie liefern mir in den ganzen trockenen Fakten eine "Würze", eine menschliche Komponente. Wo sich aber Augenzeugenberichte den anerkannten Fakten widersprechen, glaube ich eher den Fakten.

      Ich schreibe das zu dem Bericht von John Bloss. Nur weil dieser Soldat hektische Bewegungen wahrnahm, muss sich noch lange nicht McClellan zu effektivem, taktischen Handeln entschlossen haben. So eine Armee ist ein gewaltiger Bienenstock. 100.000 Mann ist eine ausgewachsene Stadt voller Menschen. Unruhe kommt da überall immer wieder mal vor, ohne das sich im größeren Sinne was bewegt. Vielleicht hat nur ein Kommandeur seine Brigade zusammengezogen. Das heißt aber noch lange nicht, dass McClellan seine bisherige Planung angepasst und taktische Anweisungen an die Corps-Kommandeure erlassen hat. Das tat er auch erst 18 Stunden später. Schriftliche Unterlagen belegen das. Der Soldat Bloss konnte das nicht wissen.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Leute, die etwas persönlich erlebt haben, sind - da gebe ich dir Recht - natürlich nur mit dem vertraut, was sich in ihrem Wahrnehmungsbereich abspielt. Dennoch ist dies nicht nur Würze, das sind die Informationen aus erster Hand, aus denen sich letztlich ein Gesamtbild zusammensetzt, das schließlich in die Geschichtsschreibung mündet. Das sind die Primärquellen, die im Prinzip jeder Geschichtsschreibung zugrunde liegen. Insofern ist eine Tagebuchaufzeichnung nach meiner Überzeugung keinesfalls weniger wert als ein offizieller Armeebericht. Der ist im Grunde schon eine Sekundärquelle, weil er sich auf einzelne Berichte stützt, die allerdings - das räume ich ein - ein Gesamtbild ergeben.
      Ob dieses Gesamtbild zutreffend ist, hängt davon ab, ob die Berichte a) wahrheitsgemäß sind und b) ob aus den vorliegenden Berichten die richtigen Schlüsse gezogen werden.
      Du hast natürlich Recht, dass der Bericht eines einfachen Soldaten, der nicht wirklich weiß, was sich alles tatsächlich in Bewegung setzt, mindestens auf den ersten Blick nur ein Mosaikstein ist.
      In diesem speziellen Fall ist er aber mindestens Zeuge davon, dass auch der General eines anderen Korps (Bloss' Einheit gehörte zum XII. Korps von Major-General Mansfield, Kimball war Brigadier-General beim II.Korps von Major-General Sumner) über die Entwicklung informiert ist. Und es ist mindestens interessant, dass das II. und XII. Korps als Nachbarn auf dem Schlachtfeld am Antietam agiert haben.

      Deshalb würde ich den Bericht von Bloss nicht allein als gering zu achtende Wahrnehmung eines Einzelnen von untergeordnetem Rang einsortieren.
      Ich habe gelernt, dass es bei allen Völkern gute und böse Menschen gibt. Die Farbe der Haut ist nicht entscheidend.
      (sinngemäßes Zitat nach Leutnant Robert Merril aus dem Film Winnetou II)

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