Die Sezession der Südstaaten

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    • Die Sezession der Südstaaten

      "Sezession" bedeutet: Einseitig erklärter Austritt aus einem Bündnis. Auch wenn dieser Begriff allgemein anwendbar ist, hat er sich nur für politische Bündnisse eingebürgert. Andere Austritte oder Bündnis-Beendigungen werden z.B. mit Begriffen wie "Kündigung", "Auflösung" oder "Scheidung" bezeichnet.

      Im Laufe der Weltgeschichte gab und gibt es zahlreiche Sezessionen, teils friedlich und teils mit Gewalt. Erinnert sei nur an den Zerfall der Sowjetunion, Jugoslawiens oder ganz aktuell des Sudan in Afrika. Ich beleuchte hier nur die Sezession der amerikanischen Südstaaten, die 1860 begann.

      Durch den zunehmenden Klassenunterschied und die auseinander-treibenden Gesellschaften von Nord- und Süd-USA wuchs insbesondere im Süden die Unzufriedenheit und auch der Neid auf den wirtschaftlich starken Norden. Immer dann, wenn neue Gesetze oder die Aufnahme neuer Gebiete als Bundesstaaten das politische Gleichgewicht zu Ungunsten des Südens zu verschieben drohte, diskutierten einige Gesellschaftsgruppen im Süden, sich vom Norden nicht länger bevormunden zu lassen und sich zu lösen. Vorreiter solcher Gedanken waren heißblütige Politiker aus dem Staat South Carolina, aber auch aus Georgia und Mississippi.

      Grundlage für eine ernsthafte Sezession war eine Sichtweise der Verfassung, nach der ein solcher Austritt aus der Union als denkbar und erlaubt erscheint. Hierbei spielten zwei Aspekte eine Rolle.

      Zum Einen waren die wichtigsten Regierungsaufgaben nach der Verfassung der USA klar zwischen der Zentralregierung in Washington und den einzelnen Bundesstaaten aufgeteilt. Eine Verfassungsklausel sagt weiterhin aus, dass alle nicht explizit der Union zugewiesenen Aufgaben automatisch an die Bundesstaaten fallen. Die Sklaverei wurde nicht in der Verfassung erwähnt, sodass die Südstaaten das Recht, hierüber zu entscheiden, für sich selbst reklamierten. (1) Der Norden sah dies anders und versuchte mit Bundesgesetzen, die zur Aufnahme neuer Staaten nötig sind, auch gleich Aspekte der Sklaverei und anderer gesellschaftlicher Dinge einzuschließen, was eben jeweils den Süden erzürnte.

      Die zweite Frage war, unter welchen Umständen ein Staat die Union verlassen durfte. Hier verwies man im Süden darauf, dass die Auflösung der Union und der Rückfall zu die Einzelstaaten in der US-Verfassung für den Fall genannt ist, wenn die Unions-Regierung ihre Pflichten grob verletzt oder nicht mehr imstande ist, verfassungsgemäß zu regieren.

      Zusammengenommen argumentierte der Süden, die Unionsregierung verstoße mit ihrer Einflussnahme auf die Sklaverei gegen die Rechte der Einzelstaaten, handle deshalb bewusst verfassungswidrig, und somit könne ein Staat daraufhin die Auflösung der Union herbeiführen, also letztlich die Union verlassen. (2)

      South Carolina drohte der US-Regierung in rascher Folge insgesamt dreimal mit Sezession.

      Als die Union 1850 die Einfuhrzölle stark erhöhte, um die Binnenwirtschaft zu schützen, protestierte der Süden dagegen, da er sich aufgrund dringend benötigter Importe aus Europa benachteiligt sah. Unterstützer dieser ersten Sezessionsbewegung war der Politiker John C. Calhoun aus South Carolina, der sein Amt als Vizepräsident niederlegte, als Präsident Andrew Jackson dem Staat mit militärischer Gewalt drohte. Letztlich fand eine Sezession unter den Abgeordneten der Staatsregierung von South Carolina keine Mehrheit. (3)

      1855 entzündete sich die nächste Sezessionsbewegung an der Frage, ob und unter welchen Bedingungen neue Gebiete als Bundesstaaten aufgenommen werden sollten. Der Süden vertrat die Ansicht, die Frage über Sklaverei in jenen Gebieten sei den neuen Staaten selbst und nicht der Unionsregierung vorbehalten. Eine Einheit unter den südlichen Staaten gab es aber auch diesmal nicht, sodass die Bewegung erneut als Einzelaktion von South Carolina wahrgenommen wurde. (4) Ein politischer Kompromiss und die erneute Androhung vom Militärgewalt verhinderte die Entwicklung noch einmal.

      Nach der Wahl von Lincoln zum Präsidenten 1860 und der Aussicht auf Anti-Sklaverei-Gesetze erneuerten etliche Südstaaten - allen voran South Carolina - ihre Forderung nach Loslösung aus der Union, benutzen die oben dargestellte Argumentationslinie, erklärten sich zwischen Dezember 1860 und Juni 1861 jeweils erst zu eigenständigen Republiken (5) und bildeten dann im Februar 1861 den neuen Bund "Konföderierte Staaten von Amerika" (CSA) bzw. traten diesem bei.

      20. Dezember 1860: South Carolina, Gründungsmitglied der CSA
      9. Januar 1861: Mississippi, Gründungsmitglied
      10. Januar 1861: Florida
      11. Januar 1861: Alabama
      19. Januar 1861: Georgia, Gründungsmitglied
      26. Januar 1861: Louisiana, Gründungsmitglied
      23. Februar 1861: Texas
      17. April 1861: Virginia
      6. Mai 1861: Arkansas
      20. Mai 1861: North Carolina
      8. Juni 1861: Tennessee

      Weitere Gebiete (Missouri, Kentucky und das damalige Arizona-Territorium) erklärten jeweils durch abgespaltene Gegenregierungen ihre Sezession und wurden auch in der CSA aufgenommen, aber diese Vorgänge hatten keinen offiziellen Bestand und wurden mit Besetzung durch Unionstruppen faktisch unwirksam.

      Die Unionsregierung erreichte mit diplomatischer und vor allem militärischer Kraft, die Sezession insbesondere in den sogenannten "Grenzstaaten" zu verhindern, jener Staaten, die an Unions-treue Staaten grenzten, auch wenn diese die Sklaverei unterstützten (6). Beispiele hierfür sind Maryland, Kentucky und Ohio.

      Durch den Vollzug der Sezession entstand eine politisch hoch-explosive Situation. Der Norden sah den Unions-Austritt der Südstaaten als Verfassungsbruch an, bezeichnete ihn als "nichtig" und lehnte die Anerkennung der Konföderation als Nation strikt ab. Die Konföderation hingegen sah sich als autonomen Staat und warb um Anerkennung insbesondere in Europa, die auch in Aussicht gestellt wurde. Das konnte der Norden wiederum nicht zulassen, bezeichnete die Südstaaten als Rebellen innerhalb der weiterhin bestehenden Unions und schickte sich an, diesen "Aufstand" im Zuge einer "inneren Angelegenheit" mit militärischer Gewalt niederzuschlagen.

      Hieraus entwickelte sich der Amerikanische Bürgerkrieg, der mit der nun abgeschlossenen Sezession ansich nichts zu tun hatte, sondern dessen politischer Auslöser sie lediglich war.

      Fachleute sind sich übrigens bis heute nicht einig, ob der Austritt der Südstaaten aus der Union auf Grundlage der US-Verfassung damals rechtlich zulässig war oder nicht.

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      (1) James Huntoon zu Billy auf dem Ball auf Mont Royal
      (2) James Huntoon auf seiner Rede in New Orleans
      (3) Orry und George diskutieren darüber auf dem Balkon von Belvedere
      (4) Orry erwähnt dies in der Kneipe von Benny Havens
      (5) Sezessionsfeier in Charleston
      (6) Stanton zu Lincoln, als Lincoln seine geplante Proklamation anspricht
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr