Reisen 1842 - 1867

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    • Reisen 1842 - 1867

      Die Fortbewegungsmittel und die Möglichkeit des Reisens spielen in "Fackeln im Sturm" eine durchaus wichtige Rolle, auch wenn sie selbst nicht im Vordergrund stehen.

      Ich möchte das mit den nachfolgenden Beiträgen etwas ändern und vergleiche die damaligen, tatsächlichen Reisemöglichkeiten mit den Darstellungen in Film und Roman.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • 1842 Orry von Mont Royal nach New York

      In der englischen Fassung erwähnt Orry gegenüber Nicholas Fabray, dass er in Charleston einen Zug erreichen will. Das ist historisch unrichtig, weil die Eisenbahn 1842 - von kurzen Stichbahnen abgesehen - den tieferen Süden der USA noch garnicht erreicht hatte. Er muss also von Charleston aus eines der Küstenschiffe genommen haben, ein nicht-hochseetaugliches Dampfschiff, das seinerzeit die Hafenstädte an der Ostküste miteinander verband.

      Es ist richtig, dass sich wohlhabende Herren aus dem Süden nicht selbst um ihr Gepäck kümmerten. Hierzu hatten sie i.d.R. Sklaven und Transportwagen dabei. Im Film wurde Orry's Gepäck vorausgeschickt. Ungewöhnlich ist hier nur, dass Orry sich ganz alleine auf den Weg
      nach Charleston macht, ohne Sklaven die z.B. ein Ersatzpferd oder Wetterschutzkleidung mitführten.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • 1842 Orry und George von New York nach West Point

      Der eingeblendete Hinweis "New York, 1 Woche später" deutet hier wieder auf eine Schiffsreise von Orry hin. Eine Zugfahrt - wenn sie denn damals möglich gewesen wäre - hätte nur rund drei Tage gedauert. Es gab bereits eine Bahnverbindung von Washington über Baltimore nach New York City, aber es ist nicht wahrscheinlich, dass Orry z.B. in Alexandria - der südlich von Washington liegenden Hafenstadt - dorthin umgestiegen ist. Einerseits waren die Küstenschiffe deutlich komfortabler als die damaligen Züge, und andererseits besaß New York City seinerzeit noch keinen, zu dem er sich mit der Stadtkutsche fahren ließ. (dier Baltimore & Ohio Railroad von Süden her endete jenseis des Hudson River in Jersey City, nach New York City musste eine Fähre benutzt werden) Woher kam die Stadtkutsche dann? Nun, entweder eben vom Hafen oder (spekulativ) von einem Hotel, in dem er übernachtet hat.

      Im Jahr 1842 aber gab es noch keine Eisenbahnverbindung am westlichen Ufer des Hudson River hinauf, wo West Point liegt. Historischen Berichten zufolge wurden die Kadetten mit Flussbooten dorthin gebracht und am Landungssteg vor der Akademie abgesetzt. (Im Roman von John Jakes wird es korrekt beschrieben) Den beschwerlichen Weg die steile Klippe hinauf mussten sie mit ihrem Gepäck dann zu Fuß bewältigen. Dass hier eine Zugfahrt inszeniert wurde, hat vermutlich produktions-ökonomische Gründe (siehe den nächsten Beitrag).

      EDIT 15.03.16: Korrektur, West Point liegt nicht auf Long Island sondern am Hudson River
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Zur Eisenbahn im Allgemeinen

      Die Produzenten der Film-Staffeln entschieden, für Reise-Szenen in der Regel die Eisenbahn zu verwenden. Es war schon schwierig genug, für eine authentische Darstellung historisches und funktionstüchtiges Eisenbahnmaterial zu finden, aber vermutlich nur für eine einzige Szene (Kennenlernen von George und Orry) ein passendes historisches Dampfschiff einzusetzen erschien wohl unmöglich oder viel zu aufwändig und teuer.

      In der damaligen Zeit befand sich das Eisenbahnsystem der USA - von S-Bahn-ähnlichen Ballungsraum-Netzen abgesehen - kurz vor dem völligen Verschwinden. Überlandfahrten machte man mit dem Auto oder gleich mit dem Flugzeug. Bahnfahren war nur etwas für Romantiker oder Senioren mit "zu viel Zeit". Die (ökologisch sorglose) Denkweise der Amerikaner und auch die großen Entfernungen waren der Grund für die damalige Entwicklung.

      Noch viel schwieriger war es dann für die Produzenten, eine Eisenbahn zu finden, die einerseits noch über einsatzbereite historische Loks und Wagen, und andererseits über eine Strecke verfügte, auf der man einige Wochen lang ungestört Dreharbeiten durchführen konnte. Auch sollte diese Strecke natürlich möglichst in freier Natur liegen, weil man in städtischer Umgebung keine zeitgenössisch passenden Kulissen bekommen konnte. Hier bot sich die von Privatleuten betriebene, abgelegene Museumsbahn "Reader Railroad" im fernen Bundesstaat Arkansas an. Diese ehemals zum Abtransport von Baumholz und Kohle gebaute Industriebahn bot genau das richtige Ambiente. Eine Eisenbahn-Nachbildung im Studio entsprach nicht den Ansprüchen der Produzenten.

      Die Produzenten legten sehr viel Wert darauf, dass die Zug-Innenaufnahmen immer in anderen Waggons stattfanden. "Reader Railroad" musste hierzu alles aufbieten, was an historischen Fahrzeugen zur Verfügung stand. Für die Außenaufnahmen wurde hingegen meist dieselbe Lokomotive eingesetzt. Vermutlich war nur dieses Exemplar einsatzbereit. Gegen eine Wiedererkennung durch den Zuschauer wurden hier gängige Regie-Tricks verwendet: wechselnde Kamera-Einstellungen, Tag- und Nacht-Szenen, fahrend oder stehend, und mit wechselnder Beschriftung. "B & O RR" steht hierbei für eine der größten Bahngesellschaften im Norden, der "Baltimore & Ohio Railroad", die ein Schienennetz zwischen Washington, New York City und dem Ohio-Fluss im damaligen Westen betrieb. Im Bürgerkrieg sind Lok und Wagen korrekt mit "U.S.M.R.R." beschriftet, was für "US Military Railroad" steht - von der Unions-Armee für eigene Zwecke beschlagnahmtes Eisenbahnmaterial, von dem nach dem Krieg an die Eigentümer zurückgegeben wurde, was nicht zerstört war.

      Für die Szenen mit stehenden Zügen, also in Bahnstationen, mussten Kulissen entlang der Gleise der Reader Railroad errichtet werden: die Stationen "Harper's Ferry", "Lehigh Station" und der Streckenposten, bei dem die Nachricht über Fort Sumter eintrifft. Besonders aufwändig war der Bau des "Bahnhofs" von Philadelphia. Die von Rundbögen getragene Halle wurde vollständig aus Holz errichtet und weiß gestrichen. Schauspieler berichteten, dass die Dreharbeiten dort durch die Hitze besonders anstrengend waren, da in diesem Holzbau der Dampf der Lokomotive die sommerlichen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit fast unerträglich werden ließen - zumal die zeitgenössische Garderobe aus schwerer Baumwolle und Filz bzw. eng geschnürten Kleidern keine Erleichterung bot. Amüsant ist der Blick, der sich jeweils ganz zu Beginn der Szenen in diesem Bahnhof bietet: durch die Gleiseinfahrt hinaus sieht man nur dichten grünen Wald, kein städtisches Umfeld, wie man es in Philadelphia erwarten könnte.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Das häufigste Fortbewegungsmittel für kürzere bis mittlere Entfernungen war die Pferdekutsche. Wohlhabende Bürger besaßen eigene Kutschen und hatten dafür ihr eigenes Personal als Fahrer, Kutschenbauer, Pferdepfleger und Stallburschen (im Süden: Sklaven). Auch waren natürlich entsprechende Unterstände und Ställe für die Kutschen auf dem Wohnsitz erforderlich. Auf Belvedere sind solche Einrichtungen nicht zu sehen, aber hierbei handelt es sich um ein Stadthaus, weshalb angenommen werden kann, dass die Familie Hazard diese Einrichtungen etwas weiter abseits stehen hatte (um nicht das edle Ambiente des Haupthauses zu stören) oder stets Mietkutschen bestellte.

      Mietkutschen waren denn auch die zweite, vermutlich sogar häufigste Form der Kutschen. In Städten hatten sie sie Funktion heutiger Taxis oder auch Linienbusse, auf dem Land stellten sie oft die einzige Verbindung zwischen den Orten oder zu den einsam gelegenen Landsitzen her, wenn man kein eigenes Reitpferd benutzen konnte.

      Die in den Filmen gezeigten verschiedenen Kutschenformen waren für die damalige Zeit typisch. Bei guter Witterung wurden 2- oder 4-Sitzer (jeweils mit Fahrer) benutzt, bei Regen auch geschlossene Fahrzeuge im Stil der bekannten Überland-Postkutschen. Die Kutscher saßen dabei generell im Freien - bei Regen und im Winter kein angenehmer Job. Weniger wohlhabende Bürger oder Angestellte benutzten meist einen Buggy oder Lastenwagen, bei dem sie selbst die Zügel hielten.

      Buggys und offene Stadtkutschen wurden in der Regeln von einem Pferd gezogen. 4-sitzigen offenen sowie geschlossenen Kutschen spannte man dagegen wegen dem höheren Gewicht in der Regel zwei Pferde vor.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Das Reitpferd

      Als "Individual-Verkehrsmittel" schlechthin diente das Reitpferd. In jener Zeit gab es eine wesentlich höhere Population an Pferden wie heute, und das obwohl nichtmal 30 % der Fläche der heutigen USA von Weißen bewohnt wurden. (ja, auch Indianer hatten Pferde) Wer es sich leisten konnte, hatte eigene Pferde und Stallungen, andere konnten Pferde in Mietställen (livery stables) entleihen. Reiten lernte die Landbevölkerung bereits im Kindesalter, die Stadtbewohner überwiegend aber auch. Anders als Kutschen kamen Pferde auch ohne befestigte Straßen aus. Als preiswerten Ersatz für Pferde und in rauheren und unwegsameren Gegenden wurden auch Maultiere zum Reiten verwendet.

      Die Nachteile von Reitpferden liegen auf der Hand: Es kann pro Tier in der Regel nur eine Person transportiert werden, die Menge an Gepäck ist gewichtsmäßig sehr beschränkt, und einen Wetterschutz gab es nicht. Zudem verschmutzte die Kleidung auf dem Ritt stark, und den Damen der damaligen Zeit mutete man das Reiten zu mehr als einem Vergnügungsausritt nicht zu.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Zugfahrt 1859 Orry und Brett nach Norden

      Die beiden Geschwister benutzen einen Zug der "Baltimore & Ohio Railroad" (B&O), was völlig zutreffend ist. Denn nach Orry's Worten befinden sie sich in Maryland, dem Bundesstaat zwischen Virginia bzw. Washington und Pennsylvania und die B&O betrieb damals die Linie von Washington über Maryland's Hauptstadt Baltimore nach Norden. Ebenso korrekt ist, dass Maryland zwar im Prinzip den Südstaaten zugerechnet wurde (es gab dort auch Farmen und Sklavenhaltung), aber vom Norden mit ziemlichen Aufwand in der Union gehalten werden konnte. (Das war für die US-Hauptstadt Washington auch lebenswichtig, weil sie sonst von Südstaaten eingeschlossen gewesen wäre.) Zahlreiche Bewohner von Maryland tendierten schon frühzeitig zum Norden, was in dem Zugschaffner sehr treffend zum Ausdruck kommt.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Zugfahrt 1859 über Harper's Ferry

      Die gesamte Szene am Bahnhof von Harper's Ferry wurde historisch sehr exakt nachgestellt - von der eingeflochtenen Handlung der Hauptfiguren natürlich abgesehen. Um den Vorfall von Harper's Ferry verwenden zu können, musste der Produzent aber den Schienenweg verändern. Richtig ist, dass auch hier ein Zug der "B&O" (Baltimore & Ohio Railroad) benutzt wird. Harper's Ferry liegt im äußersten Norden des heutigen West Virginia an der B&O-Linie von Washington und Baltimore im Osten zum Ohio River im damaligen Westen (Bundesstaat Kentucky).

      Wenn man historische Karten betrachtet, wird schnell klar, dass Orry und Brett diesen Zug sicher nicht genommen haben können, um nach Hause zu gelangen. Vorhanden war die direkte Gleisverbindung mit South Carolina, die noch heute über Richmond (Virginia) und Raleigh (Nord Carolina) nach Charleston führt. Die Linie der B&O über Harper's Ferry nach Westen hatte aber nur Anschluss zu Strecken in den Südwesten, so über Kentucky nach Memphis (Tennessee). Einen Schienenweg über die Berge zwischen Tennessee und South Carolina gab es seinerzeit jedoch nicht.

      Der zweite kleine historische Fehler ist, dass der Geschichte nach der Zug aus Osten (Washington oder Baltimore) kommend in Harper's Ferry eingefahren sein muss. Schließlich befanden sich Orry und Brett auf der Fahrt von Pennsylvania im Norden aus. Historisch korrekt fuhr der Zug aber in die Gegenrichtung, sodass wenige Stunden nach dem Zwischenfall in Washington die US-Regierung informiert und von dort aus die Milizen zur Niederschlagung in Marsch gesetzt werden konnten.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Zugfahrt Orry 1861 von Lehigh Station aus nach Hause

      Eine kleine Signalkunde zur frühen Eisenbahnzeit:

      Zu Beginn der Bahnhofsszene in Lehigh Station dreht der Stationsaufseher eine würfelförmige Laterne auf dem Bahnsteig. Dies ist ein permament leuchtendes Signal, das auf zwei gegenüberliegenden Seiten ein grünes und auf den anderen beiden Seiten ein rotes Licht zeigt. Da "Lehigh Station" nur eine kleine Zwischenstation ist, halten dort die Züge nur, wenn Fahrgäste wechseln wollen. Aussteigende Fahrgäste melden dies beim Zugschaffner an, zusteigewillige Reisende eben beim Stationsaufseher. Dieser dreht dann das Signal so, dass einfahrende Züge die rote Scheibe bzw. das rote Licht sehen und somit am Bahnsteig zum Stehen kommen. Will niemand mitfahren, bleibt das Signal so stehen, dass die Lokomotivführer das grüne Zeichen sehen. Wenn niemand aussteigen will, wird ohne Halt durchgefahren. Die farbigen Flächen sind auf beiden Seiten des Signals angebracht, damit es für beide Fahrtrichtungen gemeinsam verwendet werden kann.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Orry 1861/2 bei der Nachschuborganisation

      Orry bemerkt gegenüber Präsident Davis zu Recht, dass das Eisenbahnnetz des Südens für die Notwendigkeiten des Krieges nicht ausgelegt ist.

      Das größte Hindernis ist, dass es keine brauchbaren Verbindungen aus dem tiefen Süden (Texas, New Mexico, Florida, auch Alabama) in die Gebiete gibt, die durch Kämpfe besonders hohen Bedarf an Material haben (Virginia, North Carolina). Der Haupt-Transportweg führt jenseits der Appalachen über Tennessee und Kentucky in Richtung auf Maryland, das von der Union kontrolliert wurde. So konnten vom Süden nur Teilabschnitte selbst genutzt werden. Zur Überbrückung mussten Wagenzüge eingerichtet werden.

      Weiterhin waren nur wenige Bahnlinien direkt miteinander verknüpft. In den USA entstanden die Eisenbahnen durch größere und kleinere Privatgesellschaften, die jede nach den eigenen Notwendigkeiten baute. So verwendeten sie z.B. Spurweiten (den Abstand der Schienen zueinander), die sich nach den Geländeformen richtete, in denen die Linien gebaut wurden. Im Flachland kamen breitere Spurweiten zum Einsatz als z.B. im Gebirge oder Vorgebirge. Auch variierten die Spurweiten mitunter nach der kulturellen Herkunft der Staaten. So wurden in Neu-England-Staaten Spurweiten nach britischen Maßeinheiten verlegt, im Süden eher nach metrischen Maßen. Es ist verständlich, dass somit ein durchlaufender Zugverkehr an vielen Stellen nicht möglich war und die Güter jeweils umgeladen werden mussten. Weil Privatgesellschaften in den Verbindungsstädten ihrer Netze oft auch separate Bahnhöfe errichtet hatten, musste dort sogar zweimal umgeladen werden, weil der Transport zum nächsten Bahnhof per Pferdewagen erfolgen musste.

      Mit zunehmendem Krieg wurden die vorhandenen Bahnstrecken zu wichtigen Nachschublinien und damit natürlich zum bevorzugten Ziel von Zerstörungen durch den Gegner. Im Kriegsverlauf finden sich zahlreiche Beispiele, wo Truppen der einen Seite eine Bahnlinie des Gegners kilometerweit "aufgerissen" (die genagelten Schienen herausgerissen und auf Feuern erhitzt und verbogen, oder durch Nachziehen eines schweren Eisenhakens die Schwellen zerrissen) haben. Nachdem der Gegner diese Linie nicht mehr nutzen konnte und seine Truppen deshalb zu anderen Nachschublinien verlegt hatte, baute man die Linie dann für eigene Zwecke wieder auf. Manche Eisenbahnlinie wechselte im Laufe des Krieges bis zu sechs Mal auf diese Weise die Seite.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Zugfahrt 1864 Militärtransport mit General George Hazard in Virginia

      Der korrekt mit "U.S.M.R.R." (U.S. Military Railroad) beschriftete Zug transportiert Gerätschaften und Geschütze auf flachen Güterwagen. Soldaten begleiten den Materialtransport auf den Wagen stehend oder hockend. Dem Kommandanten wurde normalerweise ein Personenwagen eingereiht, der aus Gewichtsgründen aber auch entfallen konnte. Dass der Befehlshaber auf der Lokomotive mitfuhr (wie George im Film), war relativ selten, weil er dort keinen Kontakt zu seinen Soldaten halten konnte, sehr schmutzig wurde, und zudem der Gefahr ausgesetzt war, wenn die Lokomotive bei einem Überfall explodierte.

      "U.S.M.R.R." war keine eigene Eisenbahngesellschaft, sondern eine militärische Stabsstelle der Union zur Requirierung von Eisenbahnmaterial und zur zeitweisen Beschlagnahme von Strecken für militärische Zwecke. Somit konnte das Militär auch den Einsatz von Eisenbahnen selbst und ganz direkt steuern und war nicht auf die Kooperationsbereitschaft von Privatgesellschaften angewiesen. Nach Kriegsende wurde das Material - soweit es noch vorhanden war - wieder zurückgegeben.

      Die U.S.M.R.R. hatte auch einige Pionier-Einheiten (amerkanisch: "Engineers") zur Verfügung, die mit der Ausbesserung von Gleisstrecken und insbesondere der Verstärkung oder dem Wiederaufbau zerstörter Brücken beschäftigt war. Im Roman von John Jakes gehört George einige Zeit lang einer solchen Truppe an.

      Wie schon beschrieben, waren Eisenbahnstrecken und -züge ein bevorzugtes Ziel gegnerischer Truppen. Einerseits konnten damit lebenswichtige Nachschubwege gestört oder unterbrochen werden, andererseits wertvolles Eisenbahnmaterial und die transportierten Waren erbeutet werden. Während der Norden hierfür meist größere Truppen auf ihren Marschwegen einsetzte, schickte der Süden sehr häufig kleine Einheiten aus, die in der Art von Partisanen vorgingen. Besonders bekannt und erfolgreich war in dieser Hinsicht die Einheit von Colonel John Mosby, der im Film sehr treffend dargestellt wird.
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      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • Eisenbahnen in der 3. Staffel 1866 - 67

      Die Eisenbahnszenen in der 3. Staffel lassen keine Auffälligkeiten erkennen. Sofern die im Krieg heruntergewirtschafteten und im Süden überwiegend zerstörten Bahnlinien wieder betrieben werden konnten, stellte sich bald wieder ein normaler Betrieb ein. Strecken in den mittleren Westen waren vom Krieg relativ wenig betroffen, sodass Charles problemlos per Eisenbahn nach St.Louis gelangen konnte.

      Das Schienennetz der USA entwickelte sich in der Folge übrigens zunächst verstärkt nach Westen und folgte der Indianervertreibung und Besiedelung dieser Territorien. Im Jahr 1869 kam es zum Lückenschluss der Transkontinentallinie, die erstmals die Neu-England-Staaten im Osten mit Kalifornien im Westen verband. Diese Ereignisse spielen aber für die Filmstaffel keine Rolle.

      Im Süden dauerte es teilweise mehr als 5 Jahre, bis die Zerstörungen einigermaßen behoben waren. Dies kommt zum Ausdruck, als George und Charles noch weit vor Charleston vom Zug auf Pferde wechseln müssen. Nach vorliegenden historischen Informationen hätte das sogar vermutlich irgendwo im mehrere hundert Meilen entfernten North Carolina passieren müssen. Überhaupt wurden die Reise-, Fahrt- oder Rittzeiten verglichen mit den Realitäten der damaligen Zeit mitunter recht kurz gehalten.

      Der von George bestellte durchlaufende Wagen von St.Louis bis nach Süden dagegen wäre durchaus möglich gewesen, da das Schienennetz im Norden deutlich einheitlichere Spurweiten aufwies. Im Süden war das Problem verschiedener Spurweiten im Krieg mehr als deutlich geworden, und so vereinheitlichte man sie im Zuge des Wiederaufbaus, wo es möglich war.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr
    • RE: Zugfahrt 1859 über Harper's Ferry

      Uli schrieb:

      Wenn man historische Karten betrachtet, wird schnell klar, dass Orry und Brett diesen Zug sicher nicht genommen haben können, um nach Hause zu gelangen. VOrhanden war die direkte Gleisverbindung mit South Carolina, die noch heute über Richmond (Virginia) und Raleigh (Nord Carolina) nach Charleston führt. Die Linie der B&O über Harper's Ferry nach Westen hatte aber nur Anschluss zu Strecken in den Südwesten, so über Kentucky nach Memphis (Tennessee). Einen Schienenweg über die Berge zwischen Tennessee und South Carolina gab es seinerzeit jedoch nicht.
      Im Buch ist Billy in St. Louis stationiert, wo er von Orry und Brett besucht wird. Auf dem Rückweg von Billy geraten die Beiden in den Schlamassel. Dort paßt es dann wieder.
      "South Carolina is too small for a republic and too large for an insane asylum."
      James L. Petigru
    • allein Reisende Damen

      Im Film ist eine Szene mit Brett, als sie Orry in der Spinnerei auf sucht. Sie ist allein in der Kutsche zu sehen, die sie auch selbst lenkt. War es denn in dieser Zeit üblich das Frauen ohne Begleitung sagen wir mal Besorgungen erledigen konnten?

      Eine 2. Szene ist wohl eher den kriegswirren geschuldet als Brett zusammen mit Semieramis vom Norden in den Süden reist, wobei man nicht von reisen in diesem Fall reden kann. Das war wohl mehr ein durchschlagen.

      Vielleicht kann ja mal jemand zu diesem Thema, allein reisende Frauen / Damen, erzählen

      Danke
      Geh davon aus das du Glück haben wirst, und du wirst Glück haben
    • Du hast völlig Recht, junge Damen fuhren damals nicht alleine im Pferdebuggy von der Plantage in die Stadt und wieder zurück. Sie waren entweder in männlicher Begleitung oder hatten Sklaven dabei. Der Grund für eine solche Fahrt waren meist Besorgungen. Die Dame suchte zwar selbst aus was sie wollte, aber den Heimtransport hatte das Personal zu erledigen. Vor diesem Hintergrund halte ich es für möglich, dass Brett in Begleitung nach Charleston kam (z.B. Sklaven mit einem flachen Lastenwagen) und sich nur für das Gespräch mit Orry "abgesetzt" hat.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
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    • Die Fahrt von Brett und Semiramis von Washington nach Mont Royal wirft eine ganze Reihe von sachlichen Fragenzeichen auf. Wir haben das an anderen Stellen schonmal erwähnt.

      Zum Einen geht es um eine Distanz von vielleicht 1500 km. Wer sich abseits der großen Straßen bewegt (hier, um Truppenbewegungen zu entgehen), muss über exzellente Ortskenntnisse oder Karten verfügen, was ich bei den beiden Damen ernsthaft bezweifle - zumal es im Süden damals kaum oder nur schlechte Karten gab.

      Beide Frauen reiten nach Semiramis' Befreiung aus dem US-Camp ohne Sattel - weit über 1000 km. Warum? Wäre ein Pferdewechsel z.B. in einer der Übernachtungsstationen oder wenigstens ein neuer Sattel nicht drin gewesen? Oder ein neuer Buggy? Oder hatte Brett kein Geld mehr? Wovon haben sie dann gelebt? Wenn man tatsächlich die gesamte Strecke reiten musste - in mäßigem Tempo der Frauen ohne Sättel - dann konnte man schon 3 bis 4 Wochen lang unterwegs sein. Wo haben sie jeweils übernachtet? Sich gewaschen? Gegessen?

      In der deutschen Fassung fragen sie die beiden flüchtenden Farbigen nach dem Weg "nach Mont Royal". Im zeitlichen Ablauf war das irgendwo in Nord-Virginia, noch vor Richmond. Es ist schon mehr als unwahrscheinlich, dass zwei Farbige über mehr als 1300 km wissen wo diese einzelne Plantage im tiefen Süden liegt. Im englischen Original hat diese Unterhaltung keinen hörbaren Ton, was annehmen lässt, dass Semiramis lediglich nach der Himmensrichtung oder nach Richmond gefragt hat.

      Brett macht in Richmond Station, um einen Brief an Orry zu hinterlassen. Orry war nicht bei den Truppen sondern als Berater ebenfalls in der Stadt. Warum hat er sie nicht begleitet oder gar geführt? Schließlich hatte er denselben Weg - und war am Ende viel schneller da. Warum haben sie nicht ab Richmond die Eisenbahn genommen? Feindkontakt gab es damals südlich von Nord-Virginia noch garkeinen. Warum haben sie kein Küstenschiff benutzt? Die Seeblockade war gerade erst im Aufbau und faktisch noch nicht vorhanden.

      Diese aufregende Fahrt der beiden Frauen wurde in meinen Augen aus rein dramaturgischen Gründen so ausgelegt. Es war wichtig, die Freundschaft zwischen Brett und der jungen Farbigen entstehen zu lassen. Brett sollte beweisen dass sie nicht mehr das junge Ding sondern eine starke, selbständige Frau war. Und nach der zuvor gezeigten gewaltigen Schlacht von Manassas kehrte historisch gesehen viele Monate eine relativ ruhige Zeit ein, sodass diese kleine Geschichte willkommene Spannung in den Film brachte.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr