Underground Railroad

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Underground Railroad

      Mit der "Underground Railroad" beleuchte ich einen Aspekt der Sklaverei in den USA, der im Film durch Constance und George angesprochen wird. In der deutschen Fassung wird diese Einrichtung mit "Untergrundbewegung" umschrieben.

      Unter dem Tarn-Namen "Underground Railroad" entstand Anfang des 19. Jahrhunderts ein Netzwerk aus Routen, sicheren Häusern und Fluchthelfern, um fluchtwilligen Sklaven aus dem Süden den Weg in den vor Verfolgung und SKlaverei sicheren Norden und weiter nach Kanada zu bereiten. Die größte Schwierigkeit war dabei die Geheimhaltung. Mitwissende Helfer wurden sehr sorgfältig ausgewählt (z.B. als verschwiegen bekannte Quäker oder ehemalige Sklaven); Informationen wurden nur mündlich weitergegeben; jeder Helfer kannte nur seine benachbarten Helfer und keine weiteren Strukturen.

      Charakteristisch war auch eine Form der Code-Sprache. Man bediente sich Begriffen aus der Eisenbahn-Welt, wie schon der Name des Netzwerkes erkennen lässt. Entflohene und begleitete Sklaven waren "Fahrgäste", Wegbegleiter die "Schaffner", die Wege wurden "Trassen", Häuser als Verstecke "Stationen" oder "Depots" genannt, deren Bewohner waren "Stationsvorsteher". Geldgeber wurden schließlich als "Aktionäre" bezeichnet.

      Organisatorisch arbeitete die Underground Railroad nach folgendem Verfahren: Über freie Farbige oder Wanderarbeiter im Süden (z.B. Erntehelfer, auch arme Weiße) wurde in den Sklaven-Quartieren vorsichtig sondiert, welche Sklaven zur Flucht bereit und fähig waren. Diese wurden dann einzeln und geheim instruiert und ein Fluchtplan ausgearbeitet. An vereinbarten Treffpunkten warteten Helfer ("Schaffner"), die die Sklaven einzeln oder in Gruppen auf geheimen Pfaden abseits bekannter Straßen Richtung Norden begleiteten. In der Regel wurde zu Fuß marschiert, zumeist nachts, während man sich tagsüber in "Stationen" versteckte. Die fliehenden Sklaven wurden auf dem Weg nach Norden über Dutzende Helfer weitergereicht, um Verdächtigkeit der Helfer zu verringern und Nachforschungen der ehemaligen Herren zu erschweren.

      Die entlaufenen Sklaven wurden zunächst in diejenigen nördlichen Bundesstaaten begleitet, in denen die Skalverei bereits abgeschafft war. Als das Sklavenflüchtlingsgesetz die Rückholung entlaufener Sklaven selbst aus jenen Bundesstaaten erlaubte, wurden die Fluchtwege bis nach Kanada fortgesetzt. Einer Schätzung zufolge erlangten seit Aufbau der Underground Railroad bis zum Beginn des Bürgerkrieges rund 100.000 Sklaven auf diesem Wege die Freiheit, etwa 30.000 davon sollen bis Kanada gelangt sein. Wieviele davon auf den langen Wegen gestorben sind oder wieder eingefangen wurden, ist nicht bekannt, aber vermutlich ist ihre Zahl eher gering, teils aufgrund der hohen Konspiration, teils durch die aufopfernde Fürsorge der "Stationsvorsteher".

      Als herausragende Figur der Bewegung gilt William Still, der oftmals als "Vater der Unterground Railroad" bezeichnet wird. Er führte nicht nur selbst mehrere hundert Sklaven in die Freiheit und verwendete dafür auch sein Haus in Philadelphia, sondern diente als Kontaktmann zwischen diesen und den zurückgebliebenen Sklaven im Süden und legte Biographien und Aufzeichnungen an, die er 1872 als Buch veröffentlichte.

      Die Underground Railroad zerfiel im Laufe des Bürgerkrieges von selbst, als durch die Kriegshandlungen die meisten Fluchtwege unpassierbar wurde und spätestens als nach Kriegsende die Sklaverei in allen Bundesstaaten abgeschafft war.
      "Then there is nothing left for me but to go and see General Grant, and I would rather die a thousand deaths.
      Gen Robert E. Lee, Appomattox Court House, 9. April 1865, 8.30 Uhr